Ein kleiner Bub sitzt heulend am Rand des Freestyle-Parks auf der Zürcher Allmend. Er ist mit seinem Trottinett nach einer Beinahe-Kollision mit einem älteren Skater schmerzhaft gestürzt. Zwar sind alle, die man fragt, des Lobes voll über die grösste Skater-Anlage Europas, die seit November zugänglich ist und heute, Samstag, mit einem Fest offiziell eingeweiht wird (siehe Kasten).

Doch bereits zeichnet sich Nutzerkonflikt ab: Familien mit Kleinkindern würden die Anlage als Spielplatz nutzen, sagt Ruben Cassiano (25), während er eine Rampe für das Eröffnungsfest bemalt. «An Sonntagen bei schönem Wetter ist die Anlage überfüllt. Es gibt viele Unfälle.» Die Extremsportler, die jahrelang auf diese Anlage gewartet hätten, würden sie daher zum Teil schon wieder meiden.

«Grundsätzlich für alle»

Jojo Linder (28), Präsident des Vereins Freestyle-Park, sammelte vor zehn Jahren Unterschriften für die Anlage, die nach rekurs- und umzonungsbedingten Verzögerungen nun endlich in Betrieb ist. Er kennt das Problem: «Eltern müssten sich mehr um ihre Sprösslinge kümmern.» Ansonsten werde es gefährlich, wenn sie Skatern, die mit hohem Tempo durch den «Pool» führen, in die Quere kämen.

Auch er weiss von eingefleischten Skatern, die die Anlage nur noch zu Randzeiten benutzen oder an andere Orte ausweichen. Betrieben wird der Freestyle-Park vom Stadtzürcher Sportamt. Wobei sich der Aufwand in Grenzen hält: Vor Ort gibt es keine Aufsicht. Die Anlage ist von 8 bis 21 Uhr öffentlich zugänglich.

Die Stadt kümmert sich laut Katharina Schmid, Leiterin Sportförderung im Sportamt, vor allem um die Reinigung, bauliche Sicherheit und Bewilligungsverfahren für öffentliche Anlässe. In den Bau des Freestyle-Parks und des benachbarten Bike-Parks investierte Zürich 6,4 Millionen Franken.

Auf den Nutzerkonflikt zwischen eingefleischten Skatern und Kleinkindern angesprochen, sagt Schmid, ihr seien keine gravierenden Vorfälle bekannt: «Ich gehe davon aus, dass sich das selber reguliert. Es handelt sich um eine öffentliche Anlage. Sie ist grundsätzlich für alle da.»

Ansätze zur Selbstregulierung

Von der Anlage her könnten sich die Skateboard-Cracks und Kleinkinder an sich aus dem Weg gehen: Der 8000 Quadratmeter grosse Freestyle-Park ist in einen Pool- und einen Streetbereich unterteilt. Der Pool eignet sich für besonders rasante Fahrten und hohe Sprünge der Könner.

Der Streetbereich mit strassenähnlichen Elementen, Rampen, Treppen und Mauern ist auch für Anfänger geeignet. Dennoch kommen sich die Kids und Cracks an schulfreien Tagen bei schönem Wetter wegen des grossen Andrangs häufig in die Quere, wie Besuche vor Ort zeigen. «Wir werden die Sache im Auge behalten», sagt Schmid.

Ansätze zur Selbstregulierung sind erkennbar: Auf den kleinen Bub, der heulend am Rand des Freestyle-Parks sitzt, kommt ein älterer Skater zu und sagt: «Ihr müsst wirklich schauen, nicht einfach losfahren. Das ist mega wichtig!» Der Kleine nickt.