Der Hafen bei Tiefenbrunnen in seiner heutigen Form entstand vor knapp 40 Jahren. 1979 widmete die «Schweizerische Vereinigung Beratender Ingenieure» dem Umschlaghafen Tiefenbrunnen ein Sonderheft. Die einleitenden Worte sind noch heute aktuell: «In Zürich hat sich das Ufergelände zwischen Bahnhof Tiefenbrunnen und Stadtgrenze gegen Zollikon seit mehreren Jahrzehnten zu einer ästhetisch unbefriedigenden Industrie- und Werkplatzlandschaft entwickelt.» Mit dem damaligen Bau des Hafens Tiefenbrunnen, der auf einer Uferlänge von gerade mal 500 Metern dem Umschlagbetrieb des Kies- und Betonwerks der Kibag AG diente, konnte durch die Neuordnung des Uferbereichs eine Parkanlage für die Öffentlichkeit realisiert werden, wie dem Dokument zu entnehmen ist.

Mit ähnlichen Worten präsentierte Stadtrat und Vorsteher des Hochbaudepartementes André Odermatt (SP) Mitte Juli das Gewinnerprojekt für die «Marina Tiefenbrunnen», die – ohne Einsprachen – bis 2023 realisiert werden soll. Eine 150 Meter lange und etwa 15 Meter breite Mole in den See hinein bildet das Herzstück des geplanten Hafens. Neben 400 Wasser- und 150 Trockenplätzen für Boote sind auch ein Wassersportzentrum sowie ein Restaurant an Land sowie ein Gastrostützpunkt auf dem Pier geplant.

Weil die Bootsplätze im Zürcher Seebecken in Tiefenbrunnen konsolidiert werden sollen, entstehen mit dem Marina-Projekt keine neuen Bootsplätze auf dem Zürichsee. In einer zweiten Projektphase ab 2025 wird der angrenzende Park vergrössert. Weil die Wasserschutzpolizei innerhalb des Hafenareals umzieht, gibt es Platz für Grünfläche.

«Im Loch» zu Grabe getragen

2009 taucht die Idee eines Hafenbaus in Tiefenbrunnen offiziell im «Leitbild Seebecken» auf. Wie sich zeigt, ist die Hafenidee aber beinahe so alt wie der ursprüngliche Ausbau am rechten Zürichseeufer. So kann dem kommunalen Gesamtplan der Gemeinde Zollikon aus dem Jahr 1983 entnommen werden, dass «die Frage, ob statt des bisher geplanten Hafens Wässerig ein Bootshafen im Loch/Tiefenbrunnen auf Stadtgebiet realisiert werden soll, noch offen ist. Verhandlungen sind im Gange.»

Das damalige Projekt des Zürcher Stadtrates hätte eine Hafenanlage für rund 200 Boote vorgesehen. Der über dem Seespiegel verlaufende Steg hätte durch eine vier Meter breite und begehbare Betonmole vor dem Wellengang des Sees geschützt werden sollen. Die Mole war als Verbindungsstück der natürlich vorhandenen Uferpartien geplant gewesen. Zudem wäre eine neue Schiffsanlegestelle für die Zürichsee- Schifffahrtsgesellschaft angedacht gewesen. Diese wie auch der Fussgängersteg wären von der Stadt, Mole und Hafenanlage von einer privaten Trägerschaft finanziert worden.

Im April 1989 begrub die Stadtverwaltung den Bootshafen Im Loch jedoch. Ausgelöst hatte dies ein wiederholtes Schreiben des Verbandes zum Schutze des Landschaftsbildes am Zürichsee (VSLZ), auch Schilfröhrli-Club genannt. Zusammen mit dem Heimatschutz und dem Quartierverein Riesbach hatten sie sich gegen die Pläne eines Bootshafens wie auch alle alternativen Ideen gestellt. Sie kritisierten vor allem die unzureichende Verkehrserschliessung des geplanten Hafens, die ungeklärte Parkplatzfrage und die unzureichende ästhetische Einordnung des Hafens ins bestehende Landschaftsbild.

Finanzen als Knackpunkt

Bereits drei Jahre zuvor wies der Zürcher Gemeinderat 1986 eine Hafen-Vorlage des Stadtrates zurück. Das Parlament begründete den Entscheid damit, ein «bescheideneres Projekt» solle ausgearbeitet werden, das von der Stadt selber gebaut und betrieben werden könne. Zudem forderten sie eine Fussgängerverbindung zwischen dem Strandbad Tiefenbrunnen und der Parkanlage gegenüber dem Bahnhof.

Die Rückweisung aus dem Parlament erinnert an die nun jüngsten Versuche, wie man das Ufergebiet bei Tiefenbrunnen aufwerten könnte. Als Grundlage des Leitbilds Seebecken wurde 2010 respektive 2011 von Stadt- und Regierungsrat der Masterplan «Entwicklungsplanung Marina Tiefenbrunnen» verabschiedet. Das damalige Projekt umfasste, wie das kürzlich vorgestellte Modell, einen Hafen mit Wassersportzentrum, eine verbreiterte Mole, eine erweiterte Parkanlage und gastronomische Angebote. Das Vorhaben wurde 2012 respektive 2013 sistiert, weil die Stadt nicht in der Lage war, das 90-Millionen-Franken-Projekt zu realisieren.

Parlament berät 2019

Deshalb wurde in den vergangenen fünf Jahren mit noch knapp einem Drittel budgetiert. Das nun vorgestellte Marina-Projekt kostet rund 35 Millionen Franken. Für den Ausbau des Hafens Tiefenbrunnen soll eine aus Verwaltung und Privaten bestehende Aktiengesellschaft gegründet werden, die das Ganze zu gleichen Teilen finanziert. Ob sich die jüngste Hafen-Idee bewährt oder wie die Vorgängerprojekte Schiffbruch erleidet, zeigt sich spätestens 2019. Dann legt der Stadtrat dem Gemeinderat drei Weisungen zur Beratung vor.