Zürich

Bekommen Randständige für Hunde finanzielle Unterstützung?

SVP-Kantonsrat Roland Scheck befürchtet zu unrecht, dass Obdachlose mit ihren Hunden den Sozialstaat ausnutzen. (Symbolbild)

SVP-Kantonsrat Roland Scheck befürchtet zu unrecht, dass Obdachlose mit ihren Hunden den Sozialstaat ausnutzen. (Symbolbild)

In einer Anfrage an den Stadtrat vermutet Gemeinde- und Kantonsrat Roland Scheck hinter der Hundehaltung unter Randständigen ein staatliches Anreizsystem. Doch die städtischen Sozialdienste dementieren Zusatzunterstützungen für Hunde.

SVP-Stadtratskandidat Roland Scheck zeigt sich laut dem «Tages-Anzeiger» in einer Anfrage an den Stadtrat besorgt, dass Randständige in Zürich Hunde halten um einen staatlichen Zustupf zu bekommen. Damit bringt er ein in Zürich viel diskutiertes Phänomen auf die politische Agenda. Seit Jahren hält sich das Gerücht, dass obdachlose Hundebesitzer von einem staatlichen Anreizsystem profitieren. Scheck habe ein Jahr lang entsprechende Hinweise aus der Bevölkerung gesammelt: «Mir tun diese Hunde wirklich leid», sagt Scheck. Die Tiere seien oft unterernährt, ihre Rippen seien deutlich sichtbar, ihr Fell sei ungepflegt und viele hätten zu wenig Zugang zu frischem Wasser.

Guido Schwarz, Sprecher der Sozialen Dienste, dementiert: «Randständige mit Hund erhalten genau dieselben Leistungen wie jene ohne Hund.» Die Unterstützungsbeiträge des Sozialamtes seien darauf ausgelegt, den Grundbedarf des Lebensunterhalts abzudecken. Zusätzlich zu dieser Pauschale von 986 Franken pro Monat übernehmen die Sozialen Dienste die Grundversicherung der Krankenkasse, sowie die effektiven Wohnkosten bis zu 1100 Franken für einen Einpersonenhaushalt. Auf diese Beiträge haben Haustiere keinen Einfluss. «Die einen kaufen sich vom Beitrag Zigaretten, die anderen eben Hundefutter.»

Randständige kümmern sich um ihre Tiere

Mirjam Spring, Leiterin des Projekts Gassentierarzt, hat kein Verständnis für den Vorstoss. Die Institution der Sozialwerke Pfarrer Sieber bietet Randständigen spezielle Tierarztsprechstunden und die veterinäre Grundversorgung zu reduzierten Tarifen an. Ihre Kunden seien genauso wie andere Hündeler bemüht, ihre Hunde zu impfen sowie zu entwurmen, und besuchten mit ihnen die vorgeschriebenen Hundekurse. «Randständige halten ihre Tiere nicht besser und nicht schlechter als andere Hundehalter», sagt sie.

Die Hunde von Randständigen sind auch in anderen Kantonen ein Thema. In Bern wies der Kanton eine Aufforderung der Berner FDP-Grossrätin Marianne Staub zurück, welche die Hundezahl von Randständigen auf ein Tier beschränken wollte. In St. Gallen wurde die Tierambulanz 2011 von den Behörden zurückgepfiffen, als sie die Hunde Randständiger mit Futter versorgen wollte.

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