Zürich

Beim Schifferstechen gewinnt der geschickteste Ritter

Das auf einer mittelalterlichen Tradition basierende Turnier ist die bürgerliche Alternative zu den damals adligen Reitspielen.

Dass sich Ritter zu Wasser stechen, hat in Zürich eine lange Tradition. 1881 hat der Limmat-Club Zürich das Schifferstechen erstmals durchgeführt. Früher noch unregelmässig, findet das Turnier in neuerer Zeit jährlich statt. Nur sporadisch findet dagegen der internationale Wettkampf statt: Dieser wurde letztmals 2012 ausgetragen. Am Samstag ist es nun wieder so weit.

Zum fünften Mal werden am Wochenende auf Höhe der Schipfe mitten in der Zürcher Altstadt zwischen Rudolf-Brun- und Rathaus-Brücke zwölf Mannschaften aus dem In- und Ausland gegeneinander antreten. Neben dem Limmat-Club Zürich und dem Titelverteidiger aus dem aargauischen Baden reisen die Teams aus Basel, Bern sowie Rheinfelden und Birsfelden an.

Die internationalen Mannschaften stammen aus Ländern, die neben der Schweiz noch heute zu den wohl bekanntesten Schifferstechen-Austragungsorten gehören. Dazu zählen Frankreich, Belgien und Deutschland. Auch Österreich ist für das traditionelle Turnier bekannt, jedoch am Wettkampf in Zürich nicht vertreten.

Eigenes Club-Reglement

Das Schifferstechen in Zürich wird nach dem Limmat-Club-Reglement durchgeführt. «Die Stechtechniken und Schiffarten variieren je nach Flüssen», sagt Vereinspräsident Gregor Steiner. Die meisten Turniere würden auf die französische Art durchgeführt, die auf den Regeln der Société Nautique 1887 aus Strassburg basieren. Beim belgischen Stechen würden die Schiffe an Seilen quer über die Flusskanäle gezogen und beim Stechen an der Donau war es früher üblich, die Fischereirechte zu verteilen.

Balance als Herausforderung

Die Tradition des Schifferstechens geht weit ins Mittelalter zurück. Auf einem Stadtplan von Jos Murer aus dem Jahr 1576 sind Schifferstecher auf der Limmat festgehalten. Genau dort, wo das Turnier noch heute ausgetragen wird. Die Ritterspiele zu Wasser wurden im Mittelalter in fast allen europäischen Fluss- und Seestädten gepflegt.

Der Kampfsport entstand als bürgerliche Alternative zu den adligen Reitturnieren, die damals europaweit populär waren – so erklärt Zürich Tourismus die Herkunft dieses Brauchtums. Während früher mit Helm, Harnisch, Schild und spitziger Lanze gekämpft wurde, begegnen sich die Schifferstechen-Teams heute ohne Rüstung, dafür aber in ausgefallenen Kostümen und mit stumpfen Lanzen.

Die Lanze ist fünf Meter lang

Das Ziel beim Turnier ist es, den auf dem Podest im Heck des 10-Meter-Weidlings stehenden Stecher ins Wasser zu stossen, dabei aber selber trocken zu bleiben, was auf den wackeligen Booten keine leichte Aufgabe ist. Auf dem Wasser komme es auf Geschicklichkeit an, erklärt Vereinspräsident Steiner.

Gestossen wird mit einer auf die Brust des Gegners gerichteten 5-Meter-Lanze. Neben dem Stecher befinden sich zwei Ruderer auf dem Boot, die den Weidling steuerbordseitig zur gegnerischen Mannschaft lenken. Mit Trommelwirbel wird die Kampfbegegnung auf dem Wasser angekündigt.

Auch die Zünfter haben ein Turnier

Gerade entlang des Rheins, des Neckars, der Elbe, des Mains und der Donau gab es beliebte Austragungsorte. Aber auch auf der Themse in London oder dem Canale Grande in Venedig wurden die Wasserritterspiele gepflegt. Wie der Limmat-Club Zürich in seiner Chronik schreibt, wurden in der Schweiz neben Zürich solche Turniere hauptsächlich in der Westschweiz durchgeführt.

Seit 1979 wirkt der Verein auch bei den alle drei Jahre stattfindenden Zunftschifferstechen in Zürich mit, das auf eine Tradition der Zunft zur Schiffleute zurückgeht.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1