Landesmuseum
Beim Landesmuseum gibt es die schönste Baustelle der Schweiz zu sehen

Ins Landesmuseum zu gehen, ist nicht unbedingt nötig – die Baustellenwände zeigen zurzeit die Schätze der Sammlung. Star-Designer Stephan Bundi präsentiert verschiedene Objekte des Museums auf eindrücklichen Postern entlang der Baustelle.

Matthias Scharrer
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Freiheitskämpfer Wilhelm Tell steht für einmal unter Videoüberwachung – so hat man den Nationalhelden noch nie gesehen.

Freiheitskämpfer Wilhelm Tell steht für einmal unter Videoüberwachung – so hat man den Nationalhelden noch nie gesehen.

Matthias Scharrer

Das Landesmuseum lockt derzeit mit der Wiederaufnahme der Erfolgsausstellung über den Berner Troubadour Mani Matter und einer Tier-Darstellungsschau namens «Animali». Doch die vielleicht spektakulärste und mit Sicherheit grossflächigste Ausstellung des Schweizer Nationalmuseums findet sich an den Baustellenwänden rund ums Museum. Sie zeigen Schätze des Landesmuseums, wie man sie noch nie gesehen hat: eine historische Wilhelm-Tell-Darstellung etwa, bei der der mythische Freiheitsheld im Bann einer Videoüberwachung steht; oder ein Beispiel schweizerischer Uhrmacherkunst, das baumhohe Dimensionen annimmt; einen kunstvoll gestalteten Schuhschlitten, der beinahe angebaggert wird; oder eine Königliche Hoheit, an deren Schlüsselbein dicke Klunker aus Stein lehnen.

Gestaltet durch Design-Star

Die Rede ist von den plakativen Bildern, mit denen das Landesmuseum die Wände rund um die Baustelle für den geplanten Erweiterungsbau gestalten liess. Den Auftrag dazu erhielt einer der weltbesten Plakatgestalter: Stephan Bundi. Im Jahrbuch «Graphis Poster Annual» belegt er aktuell den ersten Platz als am häufigsten ausgezeichneter Poster-Designer der Welt – zum wiederholten Mal.

Bundi zeigt sich leicht amüsiert darüber, dass über Grafiker eine Art Weltrangliste wie bei Spitzensportlern geführt wird. Doch eine Analogie lässt er durchaus gelten: «Bei Sportlern geht es oft um Hundertstelsekunden. Auch bei Grafikern kommt es auf die Pflege der kleinsten Details an.»

Vom Bundesamt für Bauten erhielt er für die Landesmuseums-Baustelle den Auftrag, Schätze aus der Sammlung des Museums plakativ aufzubereiten – unter dem Motto «Schweizer Geschichte ist Deine Geschichte». Bundi machte sich mit Freude ans Werk: «Es sind tolle Objekte. Sie sollen die Betrachter gluschtig machen, ins Museum zu gehen.»

Besonders habe es ihn gereizt, auch kleine Objekte aus der Museumssammlung gross herauszubringen, die Schönheit ihrer Details zu zeigen – und Alltagsgegenstände aus der jüngeren Vergangenheit, von denen viele nicht vermuten würden, dass sie im Landesmuseum sind.

Noch bis 2015

Vor einigen Jahren hatte Bundi bereits die Bauwand vor dem Bundeshaus in Bern entworfen. Doch die Gestaltung der Baustellenwände im Zürcher Platzspitz ist mit Abstand die grösste, für die er bisher zuständig war: 300 Meter lang und bis zu 2,5 Meter hoch – wobei ein kleiner Teil der Baustellenwände, der beim Museumseingang auf die aktuellen Wechselausstellungen hinweist, nicht von Bundi konzipiert wurde.

Zu sehen ist die 300 Meter lange Ausstellung noch bis zum Abschluss der Bauarbeiten, der für 2015 geplant ist. Mitte 2016 soll dann der Landesmuseums-Erweiterungsbau eröffnet werden.