Das Zürcher Seeufer beim Bürkliplatz zählt zu den meistbesuchten Orten der Stadt. Doch wer hier ein Restaurant direkt am See sucht, hält vergebens Ausschau: Ausser einem Kiosk mit Wurstgrill beim Ticketstand der Zürcher Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) ist gastronomisch nichts los. Das soll sich ändern, wenn es nach dem Kantonsrat geht: Dieser hat sich gestern im Rahmen der Richtplan-Teilrevision für ein Seeufer-Restaurant beim Bürkliplatz ausgesprochen. Zu stehen kommen soll es auf Stelzen im See, nahe bei der Quaibrücke. Dafür sprachen sich SVP, FDP, EDU, CVP, BDP und GLP aus.

Die Linke kritisierte den entsprechenden Richtplan-Eintrag: «Man wird die Sicht auf die Alpen verbauen für ein Seerestaurant, das nur wenigen Gutbetuchten zur Verfügung stände», warnte Andrew Katumba (SP, Zürich). Die hohen Baukosten würden nur einen Betrieb im oberen Preissegment zulassen. Ausserdem wäre der Betrieb aufwendig, und das Restaurant müsste über einen Zugang mitten durchs Uferschutzgebiet erschlossen werden.

«Der Kantonsrat sagt Nein zu ökologischen Massnahmen an Gewässern, aber Ja zu einem Restaurant auf dem Wasser», hielt Martin Neukom (Grüne, Winterthur) fest. Zudem stelle der Kanton die Gemeindeautonomie infrage, hätten sich doch sowohl der Zürcher Stadtrat als auch der Gemeinderat kritisch zu dem Vorhaben geäussert.

Seit der Euro 08 im Gespräch

Die Idee eines neuen Seerestaurants ist nicht neu. Vor zehn Jahren hatte sie starken Auftrieb erhalten: Damals lockte ein im Zuge der Fussball-Europameisterschaft 2008 auf dem See erstellter provisorischer Betrieb die Massen an. Ein Jahr später lancierte Severin Pflüger (FDP) im Zürcher Gemeinderat einen Vorstoss für ein Seerestaurant, der eine knappe Mehrheit finden sollte. Auch im Kantonsrat erhielt eine entsprechende Motion aus dem bürgerlichen Lager 2013 eine Mehrheit. Und in den von Stadt und Kanton erarbeiteten Leitbildern fürs Seebecken von 2009 und 2018 war das Seerestaurant auch schon enthalten. Nur: Faktisch kam das Projekt nicht voran.

Nun macht der Kantonsrat mit seinem Richtplaneintrag weiter Druck. Erich Bollinger (SVP, Rafz) räumte zwar ein, das Projekt sei logistisch schwer zu realisieren. Dennoch wolle man es privaten Investoren ermöglichen, das Restaurant im See zu realisieren. «Es besteht Handlungsbedarf», doppelte Lorenz Schmid (CVP, Männedorf) nach. Die Aufwertung am Bürkliplatz sei ein Bedürfnis. Doch auch für ihn ist klar, dass ein neues Restaurant dort in naher Zukunft wohl nicht gebaut wird: «Es geht um einen Richtplaneintrag, der es unseren Nachkommen ermöglichen würde, über ein Seerestaurant weiter nachzudenken», sagte Schmid. Eine Realisierung werde ohne das Mitwirken der Stadt nicht möglich sein.

Stimmvolk ohne Mitbestimmung

Um dennoch zu verdeutlichen, wer auf dem See das Sagen hat, sprach sich die bürgerliche Kantonsrats-Mehrheit dagegen aus, dass die Stadt Zürich für das Projekt einen referendumsfähigen Gestaltungsplan erstellen dürfe. Stattdessen sei es Sache der kantonalen Baudirektion, einen entsprechenden Gestaltungsplan in Eigenregie zu erarbeiten – ohne dass die Stimmberechtigten darüber entscheiden könnten. So sehe es das kantonale Planungs- und Baugesetz vor, betonte der scheidende Baudirektor Markus Kägi (SVP). Er erwähnte auch, dass das Seeuferrestaurant bereits im Anfang Juli veröffentlichten Leitbild fürs Zürcher Seebecken enthalten sei. Es habe allerdings mehrere Einwendungen dagegen gegeben.

Eine mögliche Alternative deutete SP-Kantonsrat Katumba an: Statt ein Restaurant auf Pfählen im See zu planen, könnte man das Tickethäuschen der ZSG aufwerten. «Da hätte niemand etwas dagegen», so Katumba. «Wir sind mit der Stadt im Gespräch», erwiderte Baudirektor Kägi.

Urs Spinner, Generalsekretär des Stadtzürcher Hochbaudepartements, bestätigte dies auf Anfrage. «Der Stadtrat ist gegenüber dem Seerestaurant kritisch eingestellt», sagte Spinner. Die Stadtregierung sei mehr daran interessiert, bei der ZSG-Ticketeria das Angebot für Leute, die am See etwas essen und trinken wollen, zu verbessern und allenfalls zu vergrössern.