Protest-Barbie
Bei Spielwaren sparen die Zürcher nicht, es darf auch gerne Fairtrade sein

Solidar Suisse sensibilisiert mit ihrer Kampagne für die menschenwürdige Herstellung von Spielzeug – dabei kaufen Zürcher gerne fair gehandelte Ware.

Lina Giusto
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Mit der menschlichen Protest-Barbie kämpfte Solidar Suisse gestern für faires Spielzeug auf dem Paradeplatz.

Mit der menschlichen Protest-Barbie kämpfte Solidar Suisse gestern für faires Spielzeug auf dem Paradeplatz.

Keystone

Die Bahnhofstrasse in Zürich ist die teuerste Strasse der Schweiz. Während sich auf der unteren Hälfte vom Hauptbahnhof bis zum Paradeplatz mittelpreisige Warenhäuser und Einkaufsläden tummeln, reihen sich in der oberen Hälfte die Luxusmarken aneinander. Und genau in der goldenen Mitte steht an diesem Dienstagmorgen eine menschengrosse Barbiepuppe; derjenigen der Marke Mattel nachgeahmt.

Die Non-Profit-Organisation Solidar Suisse will mit der Protestaktion auf die prekären Zustände in chinesischen Spielwarenfabriken aufmerksam machen – zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. Ein dezenter Hinweis dafür, was in den kommenden Wochen an dieser Strasse los sein wird.

Süss, die Kassen klingeln

Das Weihnachtsgeschäft hat schon vor mehr als einem Monat begonnen, dennoch starten die meisten Zürcherinnen und Zürcher ihre Weihnachtseinkäufe erst rund vier Wochen vor dem grossen Fest.
Wie eine Studie des Markforschungsinstitutes GfK Switzerland zeigt, decken sich rund ein Drittel der Schweizer Haushalte erst in den letzten beiden Wochen vor Weihnachten mit Geschenken ein. Zudem gaben sie 2015 beim Schenken im Durchschnitt 330 Franken für Spielwaren aus.

Das waren 50 Franken mehr als noch 2014. Diese eher kurzfristigen Einkäufe in den Warenhäusern und Spielwarengeschäften begünstigen deren Weihnachtsumsätze beachtlich. Nicht ohne Grund nehmen die Häuser Manor, Franz Carl Weber und Co. rund 30 Prozent ihres Jahresumsatzes in den kommenden Wochen ein.

Die Umsätze dürften auch in diesem Jahr beachtlich sein. Gemäss einer Erhebung des Immobilienhändlers Location Group setzte das Warenhaus Globus an der Bahnhofstrasse im Jahr 2012 – neuere Erhebungen gibt es nicht – gesamthaft 180 Millionen Franken um. Dahinter folgt das Kaufhaus Manor mit 105 Millionen Franken und Coop City St. Annahof mit 90 Millionen Franken.

Spielwaren aus China

Beim Streifzug durch die Spielwarenabteilungen an der Zürcher Bahnhofstrasse wird schnell klar: Auch dieses Jahr sind neben Playmobil, Lego und Robotern, auch Disneyfiguren und Plüschtiere in allen Farben und Formen prominent für das Weihnachtsgeschäft platziert.

Elle Steinbrecher, Mediensprecherin von Manor bestätigt die Trends: «Bei den Knaben sind die neusten Roboter mit vielen vorprogrammierten Funktionen sehr beliebt. Bei den Mädchen bleibt die Barbiefigur Frozen aus dem gleichnamigen Disneyfilm weiter auf der Wunschliste.» Nach wie vor seien auch die Klassiker Lego und Playmobil sehr gefragt.

Beim Blick auf die Rückseite der Spielwaren prangt gerade bei den Disneybarbies und den Plüschtieren durchgehend die Aufschrift «Made in China» auf der Verpackung. Rund 50 Prozent der 2015 importierten Spielwaren stammen aus China.

Zum Anteil verkaufter Spielwaren am Weihnachtsgeschäft machen die Kaufhäuser jedoch keine detaillierten Angaben. Lediglich das Fachgeschäft Franz Carl Weber teilt auf Anfrage mit: «Wir beziehen 98 Prozent unserer Artikel von Schweizer Lieferanten und Importeuren. Die restlichen zwei Prozent importieren wir aus China und zum Teil auch aus England.» Woher ihre Importeure die Ware holen, bleibt aber offen.

Aus Moral Fair-Trade kaufen

Simone Wasmann, Kampagnenleiterin bei Solidar Suisse, ist überzeugt mit dem Protest-Barbie auf dem Paradeplatz am richtigen Ort zu sein: «Gegen die unhaltbaren Zustände in den chinesischen Spielwarenfabriken bräuchte es wenig. Eine Erhöhung der Warenpreise im Laden um zwei Rappen pro Barbie könnte den Fabriklohn für einen Mitarbeiter verdoppeln.»

Faire Preise und menschenwürdige Arbeitsbedingungen lägen aber in erster Linie in der Verantwortung der Hersteller. «Wir wollen mit der Aktion die Kunden sensibilisieren, nicht aber zum Boykott der Spielwarenhersteller aufrufen. Das würde nichts bringen», sagt Wasmann weiter. Ihre Forderungen würden auf breite Unterstützung stossen.

So ergab eine repräsentative Umfrage von Solidar Suisse, dass 80 Prozent der befragten Konsumenten bereit wären, für ein Fair-Trade-Label mehr zu bezahlen. Diese Erkenntnis stützt auch eine gestern vom Soziologischen Institut der Universität Zürich veröffentlichten Studie. Die Autoren kommen zum Schluss, dass Schweizer häufiger Fair-Trade-Produkte kaufen würden als Deutsche.

Rund 3900 Einwohner der Stadt Zürich und der Stadt Köln wurden zu Kaufgelegenheiten befragt. Nicht die Einkommensunterschiede zwischen den beiden Ländern, sondern die Verfügbarkeit fair gehandelter Produkte in den Läden sei für den höheren Konsum verantwortlich. Ausschlaggebend dafür sei die in der Schweiz stärker ausgeprägte moralische Verpflichtung zum Kauf von Fair-Trade-Produkten.