Schon bei den letzten Gemeindewahlen im Kanton Zürich, die am 9. Februar 2014 stattgefunden haben, brauchte die Stadtzürcher SVP etwas länger als die anderen Parteien, um ihre Kandidaten bekannt zu geben. Anfang September 2013 dann konnte sie dafür mit einem Coup aufwarten: Neben Gemeinde- und Kantonsrat Roland Scheck wurde vom Parteivorstand überraschend die damals erst 33 Jahre alte Nina Fehr Düsel als Stadtratskandidatin vorgestellt.

Dies geschah im Rahmen einer Delegiertenversammlung, an der die zwei Vorgeschlagenen sogleich bestätigt wurden. Nina Fehr Düsel ist die Tochter von Hans Fehr, der damals noch für die SVP im Nationalrat politisierte. Politisch noch sehr unerfahren, wurde sie dennoch nicht gewählt, ebensowenig wie Scheck.

Dieses Jahr wolle man früher in die Gänge kommen, sagt SVP-Stadtparteipräsident Mauro Tuena. Es liefen Gespräche mit möglichen Kandidaten von innerhalb und ausserhalb der Partei. Bis vor den Sommerferien wolle er Namen präsentieren können.

Keine Vertretung seit Kurt Egloff

Kurt Egloff war der bis anhin letzte Zürcher Stadtrat der SVP. Er war im Amt von 1982 bis 1990. Seither sind alle Anläufe der Partei für eine Rückkehr in das Gremium gescheitert. Dessen ungeachtet werde man es auch dieses Jahr versuchen, sagt Tuena. Angesichts der rot-grünen Dominanz wäre eine SVP-Vertretung in der Zürcher Exekutive nötiger denn je, ist er überzeugt. Vor allem den Sitz von Richard Wolff (AL) habe man im Visier.

Die SVP ist zwar in der Stadt Zürich die zweitstärkste Partei nach der SP – sie besetzt 22 Sitze im 125-köpfigen Gemeinderat, während die SP 39 stellt. Mit ihren Regierungsambitionen scheitert sie aber regelmässig, weil von ihr portierte Personen als zu polarisierend oder dann als zu wenig qualifiziert angesehen werden. Einige Hoffnungen setzte die Partei daher auf Nationalrat Gregor Rutz. Er ist Inhaber einer Agentur für Kommunikations- und Strategieberatung, Vizepräsident in der Kantonalpartei, Präsident des städtischen Hauseigentümerverbandes und gilt nicht als Hardliner. Er hat jedoch – zum Bedauern Tuenas – bereits im Februar abgewunken. Für ihn gehe der Beruf vor, hatte er mitgeteilt. Er wolle Milizpolitiker bleiben.

Noch einmal Tuena?

Da man jedes Mal antritt und nie jemand gewählt wird, ist auch fast jeder schon einmal an der Reihe gewesen. Auch Tuena hatte es schon einmal versucht, im Jahr 2010. Auch für die kommende Wahl wurde sein Name schon genannt. Er sagte: Eher nein. Sein aktueller Kommentar dazu lautet: Es sei alles offen. Dass Christoph Blocher ihm die Kandidatur nahegelegt haben soll, wie kürzlich zu lesen war, stellt er aber in Abrede. «Man staunt doch immer wieder, was so alles in der Zeitung steht», sagt er.

Fehr Düsel: «Eine Erfahrung»

Sicher nicht antreten wird Nina Fehr Düsel. Gefallen könnte es ihr zwar schon, sagt sie. Sie sei auch schon von verschiedener Seite dazu ermuntert worden. Jedoch hat sich bei ihr seit dem Jahr 2014 einiges geändert. Es gab Nachwuchs, zwei Jungs, die Familie wohnt mittlerweile in Küsnacht. Weiterhin arbeitet Fehr Düsel als Juristin, seit 2015 ist sie Kantonsrätin.
Damit sei sie voll absorbiert, sagt sie. Auf alle Fälle will sie aber politisch dranbleiben. Die Kandidatur von 2014 wertet sie als Erfahrung, die sie persönlich und politisch weitergebracht habe. Derzeit habe aber der Kantonsrat für sie Priorität. Es mache ihr Freude, ihre Erfahrungen auf kantonaler Ebene einzubringen.