Der Stadtrat von Zürich wollte die Tramlinie 2 auf ihren letzten Metern verschieben: Der Zweier sollte nach den Wünschen der Verkehrsplaner nicht mehr direkt vom Altstetter Lindenplatz an den Farbhof fahren, sondern einen Umweg über den Bahnhof Altstetten machen und dort auch an die geplante Limmattalbahn angebunden werden.

Doch nun geht der Zürcher Stadtrat nochmals über die Bücher. Zu heftig war die Kritik aus dem Quartier. Diese hatte den Stadtrat schliesslich veranlasst, einen Marschhalt einzulegen. Und vor Ort genau hinzuhören. Nun dürfte der Zweier weiterhin die kleine Haltestelle Bachmattstrasse mitten in Altstetten bedienen; und nicht den wichtigen Knotenpunkt Bahnhof Altstetten. Das ist ein Erfolg für die Altstetterinnen und Altstetter, die ihrem Anliegen an zwei Grossveranstaltungen mit je über 500 Anwesenden Nachdruck verliehen haben und in einer Begleitgruppe partei- und vereinsübergreifend konstruktiv zusammengearbeitet haben.

Die Gegner der Limmattalbahn hoffen nun, dass sie vom erfolgreichen Widerstand der Altstetter profitieren können. Doch der Widerstand im Stadtzürcher Quartier wird ihnen keinen Aufwind verschaffen. Denn die Ausgangssituationen bei Tram und Bahn unterscheiden sich grundlegend.

Der Verzicht auf die Bahnhofsanbindung ist nicht optimal

So hat der Altstetter Entscheid für das Projekt der Limmattalbahn keine direkten Konsequenzen. Es bleibt bei geringfügigen Anpassungen, die vorgenommen werden müssen. Im Vollausbau wird die Limmattalbahn – die Bewilligung des Projekts einmal vorausgesetzt – wie geplant zwischen den Bahnhöfen Altstetten und Killwangen-Spreitenbach verkehren. Die Tramlinie 2, die bis nach Schlieren verlängert wird, wird auf deren Trassee verkehren, jedoch nicht den kurzen Umweg an den Altstetter Bahnhof einlegen, sondern – wie heute – vom Farbhof der Badenerstrasse entlang direkt zum Lindenplatz fahren. Aus überregionaler verkehrstechnischer Sicht ist dies zwar nicht ideal; der Bahnhof Altstetten, der sich in den kommenden Jahren noch verstärkt zu einem wichtigen Knotenpunkt mit zahlreichen Verbindungen entwickeln wird, ist so mit dem verlängerten Zweier nicht direkt, sondern nur mit Umsteigen zu erreichen. Das ist aber noch hinnehmbar, da einerseits verschiedene Busquerverbindungen diese Lücke schliessen und andererseits neu dereinst die Limmattalbahn an den Bahnhof fahren soll.

Und dies ist der zentrale Unterschied zwischen der Tramlinie 2 und der Limmattalbahn. Wie nun der Zweier zwischen Lindenplatz und Farbhof verkehrt, ist letztlich ein Detail. Es handelt sich um einen kurzen Abschnitt von rund 650 Meter Länge mit einer einzigen Haltestelle. Wie diese nun genau verläuft, interessiert schon in der Stadt Zürich ausserhalb von Altstetten praktisch niemanden mehr. Die Limmattalbahn ist hingegen ein Projekt, das weit über die Agglomeration hinausstrahlt. Will sie ihre Funktion als «schneller Feinverteiler» erfüllen, ist bei ihr die Linienführung – anders als beim Zweier – von zentraler Bedeutung. Sie muss deshalb unter anderem den Bahnhof Altstetten sowie die Stadtzentren und die dicht besiedelten Wohnquartiere bedienen, sonst funktioniert sie nicht.

Die zentrale Frage bei der Limmattalbahn wird deshalb nicht wie im Quartier Altstetten sein, wie nun ein kurzer Abschnitt im Detail aussehen wird. Sondern die zentrale Frage wird sein, ob die Region die neue Stadtbahn will oder nicht. Das ist eine ganz andere Fragestellung.