In der Flughafenpolitik hat eine kämpferische Rhetorik Einzug gehalten, wie man in den letzten Jahren nur noch selten vernommen hat. Mit markigen Sprüchen werden Positionen abgesteckt, die Suche nach einem Konsens ist passé. Grund für diese Entwicklung ist das Mitwirkungsverfahren zum Objektblatt Zürich im Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt (SIL), das bis zum 29.Oktober dauert. Wer seine Meinung zum künftigen Flugbetrieb äussern will, der muss dies jetzt tun.

In dieser Situation hat vor allem Swiss-CEO Harry Hohmeister jegliche Zurückhaltung abgelegt. In einem Interview verlangte er kürzlich mehr Flexibilität bei den Betriebszeiten und «die Möglichkeit für zwei parallele Bahnen». Ein Parallelpistensystem ist im fünfjährigen Koordinationsprozess zum SIL allerdings ausser Rang und Traktanden gefallen – der Bundesrat und die Zürcher Regierung haben sich, weil Umsiedlungen und die Vernichtung geschützter Moore in Kauf genommen werden müssten, dagegen ausgesprochen.

Das hindert aber auch die Flughafen Zürich AG (FZAG) nicht daran, in ihrem jüngsten Politbrief wieder für eine solche Maximallösung zu plädieren. Weil diese aber nicht zu haben sein wird, spricht man sich für die Betriebsvariante «Joptimiert» aus, die zwei Pistenverlängerungen vorsieht.

Parallelpiste oder Züge

Etwas konzilianter zeigt sich das Komitee Weltoffenes Zürich. Zwar beklagt auch es, dass der Flughafen die Verkehrsnachfrage mit den Beschränkungen durch den SIL bald nicht mehr befriedigen können wird. Wenn man sich aber nicht zu einer Parallelpiste durchringen könne, «ist entschlossen dafür zu sorgen, dass Zürich eine deutlich bessere Anbindung an das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz erhält».

Die Gemeinden und Fluglärmorganisationen im Osten, Norden und Westen des Flughafens haben sich den Kampf gegen mögliche Pistenverlängerungen auf die Fahnen geschrieben. Die vom Flughafen bevorzugte Variante «Joptimiert», die eine Intensivierung der Ostanflüge vorsieht, ist für sie ein rotes Tuch. Der Flughafen-Schutzverband (SBFZ) verlangt zudem, dass auch für verspätete Flüge ein striktes Landeverbot ab 23.30Uhr gelten soll – auch bei besonderen Wettersituationen oder Störungen im europäischen Flugverkehr.

Südanflüge «maximal bis 2015»

Mit Masseneinsendungen versuchen sich das Fluglärmforum Süd, die Region Ost und die IG Nord Gehör zu verschaffen. Die Südgemeinden stellen ihrer Bevölkerung eine Mustereingabe zur Verfügung. Ihre zentrale Forderung: «Die regelmässigen Südanflüge auf Piste34 sollen bis maximal 31.Dezember 2015 befristet werden.» Ausserdem verlangen sie einen Verzicht auf gerade Südstarts, sofern diese der Kapazitätssteigerung des Flughafens dienen sollten.

Die Region Ost hat am Donnerstag ihre Einsprache-Lawine losgetreten – mit einer Protest-Postkarte, adressiert ans Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl). Die schlichte Forderung: «Streichen sie Variante ‹Joptimiert› aus dem SIL-Objektblatt!» Und am Freitag hat die IG Nord nachgezogen. Ihre Briefvorlage verlangt neben einem Verbot aller Pistenausbauten auch den Verzicht auf den gekröpften Nordanflug und eine Reduktion der Nachtflugbewegungen. In Bern wird man sich in den nächsten Wochen nicht über leere Briefkästen beklagen können.

Im November will das Bazl mit der Sichtung der Eingaben und einer entsprechenden Überarbeitung des SIL-Objektblatts beginnen. 2012 soll die definitive Version durch den Bundesrat in Kraft gesetzt werden können.