Imker
Begehrter «Zürihonig» kommt vom Luxushoteldach

Eine halbe Million Bienen wohnen neuerdings auf dem Dach des Zürcher Hotels Marriott. Deren Honig ist heissbegehrt. Nicht nur im Hotelrestaurant, auch im Globus an der Bahnhofstrasse ist er zu haben - wenn er nicht gerade ausverkauft ist.

Sandra Hohendahl-Tesch
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Auf dem Dach des Zürcher Luxushotels Marriott wird pausenlos gearbeitet. Seit Frühling dieses Jahres residieren an der noblen Adresse mit Panoramablick nämlich 18 Bienenvölker. Liebevoll betreut werden sie von Imker Peter Schneider, der hier fast jeden Tag nach dem Rechten schaut. «Nicht fuchteln», mahnt er, als er auf die Behausungen aus Holz zugeht. Die Bienen könnten sich bedroht fühlen und aggressiv werden. Er selber wurde schon unzählige Male gestochen – und nimmt es erstaunlich gelassen: «Bienengift soll Rheuma vorbeugen.»

In der Luft liegt ein konstantes Summen. Gut eine halbe Million dunkle Europäische Honigbienen sind es, die hier, auf dem Fünfsternehaus, angesiedelt sind. Die aussergewöhnlichen Gäste sind hochwillkommen: «In unseren Restaurants verwerten wir wenn immer möglich frische Produkte von regionalen Lieferanten», sagt Deborah Schmid von der Marketingabteilung. Hauseigener Honig passe da perfekt ins Konzept. Da man in Hamburg und München bereits gute Erfahrungen damit gemacht habe, wollte man die Idee auch in Zürich umsetzen. Der Honig findet intern reichlich Verwendung: beim Frühstücksbuffet, in verschiedenen Rezepten und nicht zuletzt als Ingredienz für den eigens kreierten Cocktail «Sweet Home Honey».

Patentierter Zürihonig

Bei den Touristen ist das flüssige Gold laut Schmid sehr begehrt. Sie tragen den «Zürihonig» – den Peter Schneider übrigens auf seinen Namen patentieren liess – als Mitbringsel in die ganze Welt hinaus.

Aber auch beim heimischen Publikum erfreut sich die süsse Speise grosser Beliebtheit. Über zehn Verkaufsstellen haben den Honig bereits in ihr Sortiment aufgenommen. Zum Beispiel Globus Delicatessa an der Bahnhofstrasse. Mediensprecher Jürg Welti bestätigt auf Anfrage, dass sich das Produkt äusserst gut verkaufe. So komme es regelmässig vor, dass der Honig in den Regalen fehle. «Es scheint mehr interessierte Kunden zu geben als Bienen», sagt Welti. Die grosse Nachfrage entspreche dem allgemeinen Trend: Produkte aus der Region seien gefragter denn je. «Die Konsumenten werden anspruchsvoller und wollen wissen, woher die Lebensmittel kommen.»

Fragt man Imker Schneider, liegt der Grund für den Erfolg auf der Hand: «Der urbane Honig ist besonders fein im Geschmack.» Dies habe mit dem reichen, jahreszeitlich kaum begrenzten Nahrungsangebot zu tun, das die Bienen in der Stadt vorfänden. Die Lage des Marriott sei geradezu perfekt: «Im Park des Landesmuseums und entlang des Limmatufers ist die Flora speziell reichhaltig.» Akazien, Rosskastanien, Lindenblüten und Blumen gehörten zum idealen Mix, der seinen Honig schmackhaft und feinkristallig mache. Schneider ist überzeugt, dass selbst die verschiedenen Umwelteinflüsse in der Stadt der Qualität keinen Abbruch tun. Studien belegten nämlich, dass Autoabgase im Honig nicht nachweisbar seien – Pestizide, die in der Landwirtschaft verwendet werden, hingegen schon.

www.zuercher-bienenfreunde.ch