Kantonsrat
Begabte Schüler sollen besser gefördert werden

Das Parlament streitet über die Verteilung der Fördermittel und über eine Quote.

Heinz Zürcher
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Der Grossteil der Fördermittel kommt in der Volksschule leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern zugute. Symbolbild: Alex Spichale

Der Grossteil der Fördermittel kommt in der Volksschule leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern zugute. Symbolbild: Alex Spichale

Alex Spichale

Rund 95 Prozent der sonderpädagogischen Fördermittel kommen in der Zürcher Volksschule leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern zugute, nur 5 Prozent leistungsstarken. Das sei nicht fair, findet Sekundarlehrer und GLP-Kantonsrat Christoph Ziegler (Elgg). Er verlangt, dass mit mindestens 10 Prozent der Mittel Begabte unterstützt werden. Auch um zu verhindern, dass unterforderte Schülerinnen und Schüler die Klasse stören, Verhaltensauffälligkeiten entwickeln oder plötzlich mit ihren Leistungen abfallen.

SVP-Kantonsrat Matthias Hauser (Hüntwangen), ebenfalls Lehrer, lehnt eine solche Quote ab. Die Förderung von Leistungsstarken sei schon jetzt sehr gut möglich. Sie könnten individuell unterrichtet oder mit schwierigeren Aufgaben beschäftigt werden. Zudem sei es möglich, in einzelnen Fächern höhere Klassen zu besuchen oder gleich ganze Stufen zu überspringen. Hauser befürchtet, dass eine Quote nicht zu einer Verlagerung der Mittel, sondern zu Mehrausgaben führt.

Für Karin Fehr von den Grünen (Uster) ist nicht erwiesen, dass Begabte zu wenig gefördert werden. «Sie unterstellen den Schulgemeinden eine unfaire Verteilung», sagte Fehr an Ziegler gerichtet. Der entgegnete: «Es ist einfach eine Tatsache, dass die Förderung von Begabten in den Schulgemeinden als erstes wegfällt, wenn die Finanzen knapp werden.»

Massnahmepaket in Arbeit

GLP, CVP, EVP, SP und FDP unterstützten Zieglers Postulat. Marc Bourgeois (FDP, Zürich) hielt einen Gehörschutz hoch und sagte: «Meine Tochter kann sich in der Schule nicht mehr konzentrieren, weil bis zu drei Erwachsene in der Klasse sind, die mit leistungsschwachen Kindern arbeiten.» Der Vorstoss greife ein Unbehagen vieler Eltern auf. Und die, die es sich leisten könnten, würden sich aus dem Schulsystem herauskaufen. In seinem Stadtzürcher Schulkreis Zürichberg besuchten bereits 17,9 Prozent der Kinder eine Privatschule. In einem anderen Kreis seien es 2,7 Prozent. Chancengerechtigkeit sehe anders aus. Die Quote von 10 Prozent der sonderpädagogischen Fördermittel für leistungsstarke Schulkinder findet aber auch Bourgeois problematisch. «Die Fördermassnahmen nach Kategorien zu erfassen ist mir zu bürokratisch.» Ziegler meinte darauf: «Die 10 Prozent sind nur als Zielgrösse zu verstehen, damit der Regierungsrat eine Richtschnur für die Umsetzung hat.»

So konnte letztlich auch Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) damit leben, dass das Postulat mit 98 Ja- zu 70 Nein-Stimmen und einer Enthaltung an sie überwiesen wurde. «Eine feste Quote wäre ein Problem», sagte sie. Ansonsten habe sie Verständnis für das Anliegen. «Ich habe selber zwei Kinder, die sich in der Volksschule gelangweilt haben.» Ihre Direktion bereite derzeit ein Massnahmepaket vor, um Begabte besser zu fördern. Konkreter werde sie erst nächstes Jahr. Nur soviel: Ohne Mehrausgaben werde es nicht gehen.