Knapp zwei Wochen vor dem Abstimmungstermin am 9. Juni haben die Befürworter des verschärften Hooligan-Konkordats am Montag noch einmal die Werbetrommel für ein Ja zur Vorlage gerührt. Dabei kritisierten sie die Gegner des Konkordats, die Halbwahrheiten und Lügen verbreiten würden.

Angst vor dem Abstimmungs-Sonntag hat das Ja-Komitee zwar nicht. "Wir gehen nicht davon aus, dass das Konkordat abgelehnt wird", sagte BDP-Kantonsrat Rico Brazerol. An öffentlichen Diskussionsrunden sei es aber immer wieder vorgekommen, dass die Gegner der Vorlage mit Halbwahrheiten und Lügen arbeiten würden.

Für das Ja-Komitee ist klar, dass diese Halbwahrheiten mitverantwortlich sind für die erhitzten Gemüter unter den Fans. Die Stimmungsmache sei erstaunlich, obwohl es sich um nur acht Spiele pro Saison handle, die von den Verschärfungen betroffen seien.

Gemäss aktueller Risikobeurteilung wären es alle Partien, an denen der FCB, der FCZ oder GC gegeneinander spielten. Diese Clubs müssten sich bei einem Ja des Zürcher Stimmvolkes diese Hochrisiko-Partien künftig bewilligen lassen. Das würde gemäss Dieter Kläy (FDP) aber in Form von Rahmenbewilligungen passieren, die für die gesamte Saison und unbürokratisch erteilt würden. Eishockey sei gar nicht betroffen.

Keine übermässige Bürokratie, kein Stimmungstöter

Den Vorwurf der "übermässigen Bürokratie", den die Konkordats-Gegner immer wieder äussern würden, wollen die Befürworter deshalb nicht gelten lassen. Auch zusätzliche Kosten würden den Clubs durch das verschärfte Konkordat keine entstehen. Für zusätzliche Kosten seien lediglich die "unverbesserlichen Fans" verantwortlich.

Als Beispiel für eine häufig verbreitete Halbwahrheit nannte Brazerol die Fantransporte. Es sei natürlich keineswegs so, dass ein Zürcher FCB-Fan zuerst nach Basel fahren müsse, um dort einzusteigen. Es gebe Zusteige-Punkte.

Eine oft geäusserte Unwahrheit sei auch, dass privates Security-Personal künftig Leibesvisitationen durchführen dürfe. Dies bleibe auch mit verschärftem Konkordat der Polizei vorbehalten, sagte Philipp Kutter (CVP). Zudem würden Rayonverbote nicht auf Anhieb auf drei Jahre ausgesprochen, sondern allmählich gesteigert, wenn sich der Betroffene nicht an die Regeln halte.

Auch als "Stimmungstöter" wollen die Befürworter die Vorlage nicht gelten lassen. Die Vorlage mache aus Stadien keineswegs Friedhöfe, sagte Markus Schaaf (EVP). Choreographien und Gesänge seien weiterhin wichtiger Teil der Stimmung. Pyros, Knallpetarden und Schlägereien gehörten aber nicht dazu. "Das Stadion soll keine Kampfzone sein."

FCZ und GC beziehen keine Stellung

Das Komitee wünscht sich, dass mit dem verschärften Konkordat nicht nur die "Unverbesserlichen" von den Stadien ferngehalten werden, sondern auch die Zuschauerzahlen an den Spielen wieder ansteigen. Man müsse wegkommen von dieser Milieu-Mentalität, sagte Kutter. "Für ein Fussballspiel muss man nicht zwangsläufig Kapuzenpulli und Sonnenbrille tragen. Auch Familien sollen sich wohlfühlen."

Im Ja-Komitee für den Beitritt zum verschärften Hooligan-Konkordat sitzen SVP, SP, CVP, BDP, EVP, FDP, GLP und EDU. Gegen die Vorlage sind die Grünen und die AL. Sie bezeichnen das Konkordat als bürokratisch, teuer, unverhältnismässig, grundrechtsverletzend und stimmungstötend.