Aussersihl
Baurekursgericht: Zürcher Wohnsiedlung "Hard Ost" doch nicht schutzwürdig

Die Zürcher Baugenossenschaft Rotach kann laut eines Entscheids des Baurekursgerichts ihre Siedlung "Hard Ost" durch einen Neubau ersetzen: Die alte Liegenschaft in Aussersihl sei zwar ein Zeuge des genossenschaftlichen Wohnungsbaus der 1920/30er Jahre, aber doch kein so wichtiger, befand das Gericht.

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Für das Zürcher Baurekursgericht ist die alte Liegenschaft in Aussersihl nicht besonders schützenswert. (Symbolbild)

Für das Zürcher Baurekursgericht ist die alte Liegenschaft in Aussersihl nicht besonders schützenswert. (Symbolbild)

Keystone

Der Zürcher Stadtrat stellte die Wohnsiedlung "Hard Ost" im November 2016 unter Schutz: Sie sei Teil des umfassenden Planungswerks des Sihlfeld-Quartiers, das von der Tieferlegung der linken Seebahnlinie im Jahr 1927 ausgelöst worden sei, hiess es in einem Gutachten der stadtzürcher Denkmalpflege.

Das einheitlich geplante Wohnquartier zwischen Seebahn-, Hard-, Hohl- und Badenerstrasse sei eine herausragende städtebauliche Leistung der Zwischenkriegszeit, die mit der Konzentration an genossenschaftlichen Wohnsiedlungen von der grossen Bauperiode des gemeinnützigen Wohnungsbaus in Zürich (1924-1931) zeuge.

Der um 1930 entstandenen Siedlung "Hard Ost" komme damit eine wichtige Zeugenschaft zu, befand der Stadtrat in der Folge. Er verwies unter anderem auf die "sachliche Architektursprache der Genossenschaftskolonie".

Gericht sieht keine Besonderheiten

Mit der Unterschutzstellung wurde das Vorhaben der Baugenossenschaft Rotach gestoppt, welche die Siedlung durch einen Neubau ersetzen wollte. Diese wandte sich deshalb mit einem Rekurs an das Baurekursgericht: Die Siedlung sei doch gar nicht besonders exemplarisch für den Genossenschaftsbau, brachte sie vor.

Dem stimmt das Gericht zu, wie aus einem im Internet veröffentlichten Urteil hervorgeht. Bei einem Augenschein habe sich deutlich gezeigt, dass die vom Stadtrat hervorgehobene Besonderheit der Siedlung "von aussen überhaupt nicht mehr ablesbar und von innen auch nur sehr begrenzt nachvollziehbar ist".

Geschützte Loggien existieren gar nicht mehr

Der Stadtrat hatte unter anderem "die strassenseitigen Loggien mit den Kunststeingesimsen" unter Schutz gestellt. Diese würden seit 1988 nicht mehr existieren, kritisierte die Baugenossenschaft in der Folge.

Diese ehemalige Loggien seien zwar heute durch eine dunklere Farbgebung angedeutet, hält das Gericht in seinem Entscheid fest. Aber für den durchschnittlichen Betrachter lasse sich kein Bezug zwischen dem Farbstreifen und den ehemaligen Loggien herstellen. Selbst mit dem entsprechenden Hintergrundwissen vermöge der Streifen kein Ersatz für das verschwundene markante gestalterische Element zu sein.

Grundsätzlich weise die "Hard Ost" zahlreiche zeugenhafte Elemente für den genossenschaftlichen Wohnungsbau der 1920/30er Jahre auf, ihr fehlten aber gleichzeitig auch viele typische Elemente oder seien nicht mehr erkennbar, schreibt das Baurekursgericht in seinem noch nicht rechtskräftigen Urteil. Eine besondere Qualität oder Aussagekraft komme der Siedlung in Aussersihl damit nicht zu.