Wahlen 2018
Bastien Girod kandidiert für den Zürcher Stadtrat

Bastien Girod will Stadtrat werden. Eine von ihm selbst durchgeführte Umfrage bestärkt ihn darin.

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Der Grüne Nationalrat Bastien Girod kandidiert für den Stadtrat (ZH). Fotografiert auf der Dachterrasse eines ETH-Nebengebäudes, wo Girod als Umweltforscher arbeitet.

Der Grüne Nationalrat Bastien Girod kandidiert für den Stadtrat (ZH). Fotografiert auf der Dachterrasse eines ETH-Nebengebäudes, wo Girod als Umweltforscher arbeitet.

Sandra Ardizzone

Er sei bereit und hochmotiviert, als Kandidat der Grünen zur Zürcher Stadtratswahl anzutreten, teilte Nationalrat Bastien Girod gestern auf seinem Blog mit. Dass er interessiert wäre, hatte er schon vor Längerem kundgetan. Die Umstände hatten dagegen gesprochen, sich gleich definitiv festzulegen. Denn Mitte April hatte Nationalratskollege Balthasar Glättli den Verzicht auf eine Kandidatur erklärt. Stattdessen sei Karin Rykart – sie ist Fraktionspräsidentin der Grünen im Gemeinderat – mit dem Bisherigen Daniel Leupi ins Rennen zu schicken. Eine Kandidatur mit zwei Männern wäre unangebracht, begründete Glättli seinen Schritt.

Das machte es schwierig für Girod, sich in Stellung zu bringen. Er konnte zwar darauf hinweisen, dass im Nationalrat Katharina Prelicz-Huber für ihn nachrücken würde. Aber er wollte auf Nummer sicher gehen – und lancierte daher eine Umfrage in eigener Sache. Vor gut einer Woche verschickte er an 1500 Personen aus seinem Umfeld einen Newsletter. Es resultierten 841 Antworten, wie er gestern mitteilte. Und das Ergebnis ist klar: 70 Prozent sprachen sich dafür aus, dass er kandidiert. Die Mitglieder der Partei entscheiden am 4. Juli.

Frauenfrage erledigt?

Ist die Frauenfrage damit erledigt? Würde Prelicz-Huber überhaupt nachrücken wollen im Nationalrat, aus dem sie 2011 nach nur drei Jahren abgewählt worden war? Selbstverständlich würde sie eine solche Gelegenheit packen, wenn sie sich bietet, sagt sie. Sie verweist darauf, dass sie Präsidentin des VPOD Schweiz ist. Als Vertreterin einer nationalen Organisation käme es ihr entgegen, im Bundesparlament vertreten zu sein.

Was die Mann-Frau-Frage als solche angeht, sagt sie: «Es gibt hier zwei Wahrheiten. Die Frauen sind sowohl in der Stadtzürcher Regierung als auch im Nationalrat untervertreten.» Prelicz erinnert daran, dass der Frauenanteil in Bundesbern mit der Parlamentswahl von 2015 gesunken ist. In der neunköpfigen Zürcher Stadtregierung politisieren aktuell zwei Frauen: Corine Mauch und Claudia Nielsen. Prelicz geht davon aus, dass die Grünen sich neben Leupi auf eine weitere Kandidatur beschränken werden. Sie hoffe, sagt sie, dass bei der Entscheidfindung der Frage einer besseren Vertretung von Frauen in der Politik die nötige Bedeutung zugemessen werde.

Letztlich zähle, wer es schaffe, einen zweiten Sitz für die Grünen zu holen, sagt Girod. Und er kann darauf verweisen, dass ihm von massgeblicher Seite die besseren Chancen eingeräumt werden. Er erwähnt zudem, dass mit dem Abgang von Andres Türler (FDP) zwei aus ökologischer Sicht zentrale Zuständigkeiten freiwerden: EWZ und VBZ, also Energie und öffentlicher Verkehr. Die Gefahr bestehe, dass jemand übernehme, der weniger aufgeschlossen sei als der bisherige Amtsinhaber. Mit einem Grünen an den Schalthebeln liessen sich hier auch national Akzente setzen, sagt Girod.

Auch für ihn persönlich geht es darum, Weichen zu stellen. Der ETH-Umweltwissenschaftler habilitiert und hat einen MBA in Angriff genommen. Beides ist bis Ende Jahr abgeschlossen. Als Stadtrat könnte er sich hundert Prozent der Umsetzung grüner Anliegen widmen, sagt er. Ansonsten werde er neben dem Nationalratsmandat in der Wirtschaft eine Herausforderung suchen. (tma)