Flughafen
Barcode ersetzt Dame am Gate

Airlines und Flughäfen setzen immer mehr auf effiziente digitale Lösungen - «E-Travel» heisst das Zauberwort.

Oliver Steimann
Merken
Drucken
Teilen

Keystone

Wer künftig mit dem Flugzeug reist, wird nur noch an Bord auf menschliche Wesen treffen. Alle anderen Ansprechpartner, vom Buchungsschalter bis zum Fundbüro, werden automatisiert.
Fliegen, vor allem über kürzere Distanzen, ist für viele Reisende schon lange kein Genuss mehr. Das Anstehen vor Schaltern und Kontrollen am Flughafen benötigt oft mehr Zeit, als anschliessend in der Luft verbracht wird. Darüber ärgern sich auch die Airlines. Und sie bemühen sich, das Reisen effizienter zu gestalten. «Das Erlebnis Fliegen soll wieder vermehrt in den Mittelpunkt gerückt werden», erklärt Markus Binkert, der bei der Swiss für Produkt und Services verantwortlich zeichnet. Um dies zu erreichen, müssen die Wege am Flughafen kurz, die Prozesse rasch und unkompliziert organisiert werden.

Das Zauberwort heisst «E-Travel». Gemeint ist die Digitalisierung und Automatisierung möglichst vieler Prozesse. Für Buchungen ist das virtuelle Reisebüro im Internet heute bereits eine Selbstverständlichkeit. Check-in-Automaten haben sich ebenfalls in kurzer Zeit durchgesetzt, und das Check-in im Internet oder gar via Mobiltelefon erfreut sich zunehmender Beliebtheit.
Andere Fluggesellschaften, darunter die Air France, sind bereits einen Schritt weiter. Sie ermöglichen Passagieren bestimmter Buchungsklassen auf Inlandflügen, das Check-in ganz zu übergehen oder schicken ihnen vor dem Abflug unaufgefordert die Reisedokumente per E-Mail zu.

Gemäss Binkert hat man sich auch bei Swiss bereits 2009 überlegt, «das Check-in langfristig abzuschaffen». Nun wurde intern ein Vorprojekt für das automatische Check-in gestartet: In naher Zukunft sollen Vielflieger auf bestimmten Businessstrecken wie Zürich-London diesen Service freiwillig testen können. «Wir möchten zunächst Erfahrungen sammeln, bis wir selten fliegende Kunden mit einer solchen Neuigkeit konfrontieren», erläutert Binkert.

Vollautomatische Bordkartenkontrolle

Auch die nächste Etappe der Reise, die Gepäckaufgabe, soll künftig nicht mehr an einem bemannten Schalter erfolgen. Am Flughafen Zürich wird im Februar ein Automat getestet, an dem Reisende - vorerst freiwillig - ihre eigenhändig etikettierten Koffer und Taschen aufgeben können. Gleiches gilt für die Bordkartenkontrolle: 2009 hat die Flughafen Zürich AG eine vollautomatische Schleuse am Zugang zum Airside Center getestet. Diese liest den Barcode auf der Boardingkarte - egal, ob auf Papier oder auf dem Handy-Display - und gibt dem Reisenden den Durchgang frei. Vergleichbare Schleusen gibt es mittlerweile auch für die Gates. Die Swiss testet ein solches Gerät derzeit am Flugsteig A67: Der Passagier hält seinen Code ans Lesegerät, wird identifiziert und bekommt einen Ausdruck mit seiner Sitzplatznummer.

Die Zukunft gehört den unbemannten Schaltern. Das neue Fingerdock B in Zürich wird durchgehend automatisiert, wodurch auch Stellen eingespart werden. In Frankfurt und München hat die Lufthansa dies unter dem Titel «Quick-Boarding» bereits eingeführt.

Doch die Möglichkeiten von E-Travel sind noch nicht ausgeschöpft. Bereits testet Swiss-
port einen Automaten, der den «Lost & Found»-Schalter ersetzt. Und die Swiss denkt darüber nach, auch die Anlaufstellen für Umsteigepassagiere teilweise zu automatisieren. Trotzdem glaubt Binkert, dass die bemannten Schalter nie ganz verschwinden werden. «Insbesondere für Premium-Kunden, die eine persönliche Betreuung wünschen, wird man diese immer anbieten.»