Das Neue Schloss Teufen wäre wieder zu haben. Der Besitzer, Roland Fürst von Sayn-Wittgenstein, muss sein Bijou vielleicht schon bald verlassen, sollte es tatsächlich zur Versteigerung der edlen, neugotischen 12-Zimmer-Villa mit über 4000 Quadratmetern Umschwung kommen. Noch ist zwar nichts definitiv, wie mehrere Stellen gestern übereinstimmend betonten. Aber die Nachricht sorgt dennoch für einigen Gesprächsstoff in den Dörfern am Fusse des fürstlichen Wohnsitzes bei Teufen.

Er sei mit Forderungen in Millionenhöhe konfrontiert worden, die er auf die Schnelle nicht habe bezahlen können, erklärte der Schlossherr auf Anfrage. Dabei handelt es sich gemäss Sayn-Wittgenstein um einen «wesentlich geringeren Betrag» als der gesamte Wert des Neuen Schlosses Teufen. Das Anwesen, das der deutsche Adlige 2007 gekauft hatte, soll nämlich gemäss einer beglaubigten Schätzung durch Fachpersonen rund 12,2 Millionen Franken wert sein und droht nun womöglich versteigert zu werden.

Gant kann noch abgesagt werden

Dass sich die öffentliche Aufmerksamkeit momentan auf den Fürsten und das Schloss Teufen richtet, liegt an einer Publikation unter dem Titel «Grundpfandverwertung». Sie stammt vom Betreibungsamt Embrachertal. Das Vorgehen entspreche dem normalen Ablauf, wie er in solchen Fällen üblich sei, sagt Andreas Bertschinger, zuständiger Betreibungsbeamter in Embrach. «Das heisst nicht, dass am Ende auch wirklich eine Gant durchgeführt wird. Bis fünf Minuten vor der Versteigerung kann die Sache noch gestoppt werden.» Freienstein-Teufens Gemeindepräsident Oliver Müller (parteilos) ist vom Fürsten bereits vor der Publikation über dessen unglückliche Lage informiert worden. Er habe gespürt, dass der blaublütige Bewohner des Neuen Schlosses gerne in Teufen wohnen bleiben möchte. Er habe den Eindruck, dass von Sayn-Wittgenstein «noch Herr der Lage» sei, und er gehe davon aus, dass es diesem wohl gelingen werde, eine Lösung zu finden. Ein Rauswurf des Fürsten aus seinem Schloss durch die eigene Bank wäre sodann abgewendet.

In die ungemütliche Lage geraten ist der 65-jährige Fürst von Sayn-Wittgenstein wegen einer Bürgschaft für einen Geschäftspartner. Dessen Vorhaben verlief nicht wie erwünscht, weswegen ihm nun die Bank im Nacken sitzt. Dabei handelt es sich um eine Hypothekarbank – eine ausländische, wie der Fürst betont –, die überhaupt nicht mit sich reden lasse.

Eine vorgeschlagene Lösung sei wegen einer verweigerten Fristerstreckung gescheitert. Dabei hätten ihm nur fünf Tage gefehlt, und die Publikation samt Steigerungsandrohung wäre nicht nötig gewesen.

Bis zum 29. Oktober läuft nun die Eingabefrist für weitere Forderungen gegenüber dem Schlossherrn. Und wird bis zum 19. November keine Lösung gefunden, steht an diesem Tag bereits eine Besichtigung des Schlosses für «ernsthafte» Kaufinteressenten an, wie es in der Publikation heisst.

Rätseln über den Kaufpreis

Das Schloss steht nicht zum ersten Mal in den Schlagzeilen. 2004 berichteten die Medien, dass sich TV-Moderator Thomas Gottschalk für das Anwesen interessiert. Gekauft hat es aber schliesslich im Oktober 2007 Roland von Sayn-Wittgenstein. Er liess das Schloss instand stellen und wohnt seitdem zusammen mit seinem Sohn in dem alten Gemäuer in Teufen. Über den Kaufpreis wurde öffentlich stets geschwiegen. Der neue Besitzer meinte nur, dass er nicht so viel bezahlt habe, wie die damals herumgebotenen vier bis sechs Millionen Franken.