Greater Zurich Area
Balz Hösly: «Wir leben von Internationalität»

Balz Hösly, der Verwaltungsratspräsident von Greater-Zurich-Area will zu Europas Top 3 vorstossen. «Momentan sind wir unter den Top 5», sagt Hösly.

Matthias Scharrer
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Balz Hösly - GZA-Präsident, Ex-Politiker und Anwalt

Balz Hösly - GZA-Präsident, Ex-Politiker und Anwalt

Matthias Scharrer

Als Balz Hösly im März 2011 Verwaltungsratspräsident der Greater Zurich Area (GZA) wurde, hatte die Standort-Marketing-Organisation turbulente Jahre hinter sich: Der Aargau war aus der Trägerschaft abgesprungen. Firmen wie ABB und Swiss Re hatten sich zurückgezogen respektive ihr Engagement für die GZA redimensioniert.

Auch nach Höslys Amtsantritt verstummten die kritischen Stimmen nicht gänzlich: Bevor nämlich die Parlamente von Stadt und Kanton Zürich ihre Beiträge an die GZA erneuerten, tauchte wieder deutlich vernehmbar die Frage auf, die die GZA seit ihrer Gründung Ende der 1990er-Jahre begleitet: Wofür braucht es die Organisation überhaupt, wo doch ihre Mitgliederkantone ebenfalls Standortförderer haben und auch der Bund nicht untätig ist?

«Ein Quantensprung»

Ausgehend von diesen Fragestellungen hat sich die GZA inzwischen neu und – wie Hösly betont – «professionell» positioniert: Im Bemühen um Firmenansiedlungen im Grossraum Zürich beackert sie primär China und die USA, mit Fokus auf Präzisionstechnologie-Branchen und Hauptsitze internationaler Firmen. In Europa treten nun auch die kantonalen Standortförderer als GZA-Vertreter auf, wenn sich Firmen an konkreten Anlässen über Standorte informieren.

«Ein Quantensprung gegenüber der alten Zusammenarbeit in der GZA», freut sich Hösly. Früher sei die GZA ab einer bestimmten Ansiedlungsphase überhaupt nicht mehr involviert gewesen. Heute sei das Standortmarketing kundenorientierter: Die nahtlose Zusammenarbeit zwischen GZA und den Kantonen von der ersten Anfrage bis zum Schluss entspreche eher den Bedürfnissen ansiedlungswilliger Firmen.

Ob die Neuausrichtung sich auszahlt, bleibt abzuwarten: 2011 lotste die GZA 91 Firmen in den Grossraum Zürich. Sie lag damit knapp unter den Zahlen der beiden vorangehenden Jahre.

Strategie wird festgelegt

Professionalisierung, Fokus auf bestimmte Märkte und klarere Aufgabenkoordination mit den Kantonen: So lässt sich die unter Hösly vollzogene Neuausrichtung zusammenfassen. Als Ziel peilt der 54-jährige Anwalt an, den Grossraum Zürich unter den Top 3 der europäischen Standorte für Firmen zu positionieren. «Momentan sind wir unter den Top 5», sagt Hösly. Die härtesten Konkurrenten seien Dublin/Irland, Holland, London/Südengland, Lyon und Kopenhagen.

Nach seiner Vision für die GZA gefragt, gibt er sich jedoch zurückhaltend: «Es ist nicht meine Vision. Die Strategie wird gemeinsam vom Stiftungsrat festgelegt.» Dem gehören die Volkswirtschaftsdirektoren der sieben Mitgliederkantone, die Stadtpräsidenten von Zürich und Winterthur sowie Repräsentanten von sechs internationalen Unternehmen an. «Diese müssen sich alle auf einem gemeinsamen Nenner finden», erklärt Hösly.

Die «NZZ am Sonntag» berichtete kürzlich, Balz Höslys Vision sei, dass es langfristig in der Schweiz nur noch drei Standortorganisationen gebe – eine für die Deutschschweiz, eine in der Romandie und eine übergeordnete Landeskommunikation des Bundes. Von internationalem Renommee als Wirtschaftsstandorte seien ohnehin nur die Marken Schweiz, Zürich und Genf, wurde Hösly zitiert.

Die Reaktionen waren teilweise heftig, der Anti-Zürich-Reflex blieb nicht aus. Über geografische Ausweitungen der GZA will Hösly nun lieber nicht reden. Stattdessen verweist er im Gespräch darauf, wie die Greater Zurich Area schon bei ihrer Gründung Ende der 90er-Jahre definiert wurde: Alles im Umkreis von einer Stunde Fahrzeit zum Flughafen Zürich gehöre potenziell dazu.

«Kosmopolitischer Schweizer»

«Ich versuche, als GZA-Präsident die Region zu vertreten», sagt der Zürcher, der in Flims aufwuchs, in Davos die Mittelschule besuchte, als Verwaltungsrat der National Versicherung auch für ein Unternehmen mit Basler Wurzeln tätig ist und sich als «kosmopolitischen Schweizer» bezeichnet.

Dem früheren Politiker – Hösly war von 1996 bis 2003 Fraktionschef der FDP im Zürcher Kantonsrat – ist bewusst, wie heikel ein unvorsichtiges Wort in der föderalistischen Schweiz sein kann. Zu seinen Hauptaufgaben als GZA-Präsident zählt er denn auch die bessere Verankerung der Standortmarketing-Organisation im Inland.

Eigentlich paradox, wenn man bedenkt, dass sich die GZA in einem zunehmend harten Wettbewerb mit Standort-Vermarktern auf der ganzen Welt befindet. «Wir leben von unserer Internationalität», preist Hösly die wirtschaftliche Stärke der Schweiz. Doch für die GZA bleibt auch 13 Jahre nach ihrer Gründung der eidgenössische Föderalismus eine der grössten Herausforderungen.