Fabi
Bahnfinanzierung: Entlastung für den Bahnengpass Limmattal

Was die Abstimmungsvorlage zur Bahnfinanzierung dem Raum Zürich bei einem Ja bringt. Eine Tunnelstrecke zwischen Rupperswil und Altstetten soll das Limmattal entlasten und Intercity- und Güterzüge nicht mehr durch die Agglomeration fahren lassen.

Matthias Scharrer
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Die Regierungsräte Niklaus Bleiker (LU), Ernst Stocker (ZH), Stephan Attiger (AG) und Benedikt Würth (SG) werben für Fabi. keystone

Die Regierungsräte Niklaus Bleiker (LU), Ernst Stocker (ZH), Stephan Attiger (AG) und Benedikt Würth (SG) werben für Fabi. keystone

Mit einer Sternfahrt nach Zürich warben gestern Regierungsräte aus den Kantonen Zürich, Aargau, Luzern und St. Gallen für die eidgenössische Vorlage zur Finanzierung des Ausbaus der Bahninfrastruktur (Fabi). Am 9. Februar kommt sie zur Abstimmung. Ein Ja brächte zunächst 6,4 Milliarden Franken für die Bahninfrastruktur in der Schweiz bis 2025. In diesem ersten Ausbauschritt sind für den Raum Zürich folgende Projekte vorgesehen:

Strecke Zürich–Aarau: Ein neues Wendegleis westlich von Aarau ermöglicht ab 2021 den Halbstundentakt der S3 zwischen Zürich und Aarau. Heute fährt die S-Bahn halbstündlich nur bis Dietikon und lediglich einmal pro Stunde weiter bis Aarau.

Strecke Zürich–Chur: Überholspuren bei Pfäffikon SZ und Weesen SG schaffen freie Bahn für einen durchgehenden Halbstundentakt ab 2022 – mit Anschlüssen nach Davos und St. Moritz.

Strecke Zürich–Lugano: Ein Wendegleis in Lugano ermöglicht auch hier den Halbstundentakt.

In einem zweiten Schritt bringt ein Ja zur Fabi-Vorlage bis 2030 dem Bahnverkehr im Raum Zürich folgende Ausbauten:

Strecke Zürich–Aarau: Geplant ist eine vierspurige Tunnelstrecke zwischen Rupperswil AG und Zürich Altstetten. Im Gespräch sind zwei Varianten: Die eine umfasst den Chestenbergtunnel zwischen Rupperswil und Gruemet sowie den Honerettunnel zwischen Gruemet und Zürich Altstetten; die andere auf der gleichen Strecke einen durchgehenden Tunnel. Das Limmattal würde entlastet, da Intercitys und Güterzüge nicht mehr durch die Agglomeration fahren müssten, erklärte der Aargauer Regierungsrat Stephan Attiger. Die Folgen für den Taktfahrplan sind noch offen.

Strecke Zürich–Winterthur: Der Brüttenertunnel würde bis 2030 die Leistungsfähigkeit der Strecke verdoppeln und die Fahrzeit nach St. Gallen verkürzen.

Bahnhof Stadelhofen: Der S-Bahnknoten in Zürich erhielte ein viertes Gleis, der Riesbachtunnel würde doppelspurig. Die Achse Stadelhofen–
Hauptbahnhof–Hardbrücke könnte neu 30 statt 20 Züge pro Stunde und Richtung bewältigen. Profitieren würde das rechte Zürichseeufer (Viertelstundentakt S7) und die Achse
Dübendorf–Uster–Wetzikon durch den Viertelstundentakt für die S9 und die Behebung der Kapazitätsengpässe von S5 und S15. Auch die Kapazitätsengpässe auf der Strecke Stadelhofen–Winterthur würden behoben.

Zimmerberg-Basistunnel 2: Das Projekt vervollständigt den 2003 eröffneten Tunnel Zürich–Thalwil und behebt die letzte Einspurstrecke zwischen Zürich und Mailand. Die Fahrzeiten Richtung Innerschweiz und Italien verkürzen sich dadurch um sechs bis sieben Minuten.

National- und Ständerat haben grünes Licht für die Fabi-Vorlage gegeben. Auch die anfangs kritische Allianz Bahnausbau, der die Kantone Zürich, Luzern, Uri, Nidwalden, Obwalden, Zug, Schwyz, Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden, St. Gallen, Thurgau, Schaffhausen, Graubünden, Glarus und Aargau angehören, stellt sich nun hinter die Fabi-Vorlage, wie der Zürcher Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP) betonte.

Pendlerströme stark gestiegen

Die Ausbauten seien nötig, um die wachsenden Pendlerströme zu bewältigen: «Heute fahren täglich 100 000 Personen mehr über Zürichs Stadtgrenze als noch vor zehn Jahren», sagte Stocker. «Das Schienennetz gibt das einfach nicht mehr her.» Dass viele der Zürcher Projekte erst bis 2030 realisiert würden, sei «schade, aber kein Weltuntergang».

Die Bahnausbaufinanzierung gemäss FABI brächte für den Kanton Zürich Mehrkosten in Höhe von jährlich rund 50 Millionen Franken, wie Stocker auf Anfrage sagte. Der Zürcher Beitrag würde sich damit gegenüber dem bisherigen Finanzierungsmodell verdoppeln.