Lassen sich Fahrende in einem Dorf nieder, ist die Aufregung häufig gross. Die einen fürchten um ihr Eigentum, andere um Ordnung und Sauberkeit. Meist ist die Polizei rasch auf dem Platz, was für zusätzliche Hektik sorgt.

Markus Glaus ist alles andere als hektisch. Der Landwirt steht in seiner Scheune am Bäretswiler Dorfeingang und erzählt von seinen Erfahrungen mit Fahrenden. Seit zwölf Jahren sind sie bei ihm regelmässig zu Gast. Probleme habe es nie gegeben, sagt er, weder die Gemeinde noch die Nachbarn hätten je welche gemeldet.

Trotzdem hat Glaus von der Gemeinde Bäretswil unangenehme Post bekommen. Der Gemeinderat hat die Aufenthaltsdauer für die Fahrenden empfindlich gekürzt. Bisher durften sie mehrmals pro Jahr für einige Wochen bleiben, nun nur noch zweimal zwei Wochen. Sogar mit Polizeieinsatz und Zwangsräumung habe ihm die Behörde schon gedroht, sagt Glaus.

Regeln werden befolgt

Glaus kann nicht verstehen, dass der Gemeinderat ihm «Knüppel zwischen die Beine wirft». Die Begründungen des Gemeinderats seien fadenscheinig. Anders als vorgeworfen mangle es nicht an sanitären Anlagen, sagt Glaus und zeigt ein sauber geplätteltes Badezimmer mit WC. Der Vorwurf, das Land würde aufgrund der Belegung durch die Fahrenden landwirtschaftlich zu wenig genutzt, stimme ebenfalls nicht. «Ich mähe die Wiese genauso oft wie das übrige Land.»

Die Fahrenden liessen das Areal stets sauber zurück, sagt Glaus. Er hat ein paar einfache Regeln formuliert und an der Wand seiner Scheune angeschlagen. «Keine Fahrzeuge auf der Wiese», steht da, oder: «Essensreste bitte auf den Miststock.»

Die Regeln würden befolgt, sagt Glaus. Wohl auch, weil der Landwirt viel Erfahrung mitbringt. Er kennt die Fahrenden, die bei ihm Station machen, seit Jahren. Es sind vor allem Sinti und Jenische. Auch Roma sind bei ihm zu Gast, «aber nur, wenn ich die Familien gut kenne», denn der Umgang mit Roma sei nicht immer einfach.

Geld ist nicht die Motivation

Das Stück Wiese, auf das die Fahrenden jeweils ihre Wohnwagen manövrieren, liegt hinter Glaus’ Scheune unter knorrigen Apfelbäumen, eingekeilt zwischen den beiden Bäretswiler Ausfallstrassen nach Wetzikon und Ringwil. Nicht weit von der Scheune klafft ein tiefes Loch: die Bäretswiler Kiesgrube. Das einzige Nachbarhaus steht rund hundert Meter von der Wiese entfernt. 19 Franken verlangt Glaus pro Wohnwagen und Nacht, inklusive Wasser und Strom. Das Geld sei aber nicht seine Motivation. «Wenn ich Fahrender wäre, würde ich die Landwirte ebenfalls fragen, ob ich ihre Wiese nutzen darf», sagt Glaus nüchtern.

Scharfe Kritik

Daniel Huber, Präsident der Radgenossenschaft der Landstrasse, der Dachorganisation der Schweizer Jenischen und Sinti, unterstreicht, dass die nötige Infrastruktur vorhanden sei. Er arbeitet in dem Fall eng mit Markus Glaus zusammen und kritisiert das Vorgehen des Bäretswiler Gemeinderats scharf. Es handle sich um Privatland, sagt er. «Es sollte doch die Entscheidung des Bauern sein, ob er das Land zur Verfügung stellen will.» Das Vorgehen der Gemeinde sei diskriminierend. In einem Brief an den Gemeinderat schreibt Huber: «Wir entnehmen Ihrem Schreiben den Grundton, dass Sie einfach keine fahrenden Jenischen und Sinti in der Gemeinde möchten.»

Ein Vorwurf, den der Bäretswiler Gemeindepräsident Teodoro Megliola (FDP) von sich weist. Das Gegenteil treffe zu: Man toleriere, dass die Fahrenden sich zweimal zwei Wochen auf dem Land von Markus Glaus aufhielten. Es könne keine Rede von einer Verschärfung sein. Das Problem sei die fehlende rechtliche Grundlage, dem könne man sich nicht mehr verschliessen. Allerdings ist die rechtliche Situation nicht so klar, wie sie der Gemeinderat darstellt (siehe Kasten).