Wenn eine suizidwillige Person eine tödliche Substanz ohne Fremdeinwirkung einnimmt, dann nennt man das Sterbehilfe. Man spricht hierbei auch von assistiertem Suizid, da die tödliche Substanz zwar durch Fachpersonen vermittelt, nicht aber von diesen verabreicht wird.


Der höchste Anteil an assistiertem Suizid in der Schweiz verzeichnet der Kanton Zürich. Im Zeitraum von 2010 bis 2014 wählten auf 1000 Todesfälle rund 14 Personen selbstbestimmt dahinzuscheiden. Dies zeigt die jüngst veröffentlichte Todesursachenstatistik 2014 des Bundesamtes für Statistik.

Im Raum Zürich sind die beiden Sterbehilfeorganisationen Exit und Dignitas mit ihren Geschäftsstellen tätig. Seit 2008 wächst die Zahl des assistierten Suizides landesweit stetig. So legt die statistische Erhebung auch offen, dass die Sterbehilfe zwischen 2013 und 2014 schweizweit um 26 Prozent zugenommen hat. Als zumindest teilweisen Grund nennt der Bericht die alternde Gesellschaft.


Auch Bernhard Sutter, Geschäftsführer von Exit in Zürich bestätigt: Je älter die Menschen würden, desto grösser sei die Wahrscheinlichkeit für schwere Krankheiten gegen das Lebensende hin. Zudem betreiben mittlerweile mehrere Organisationen in Zürich ein Sterbezimmer. Exit beispielsweise weist in den Grossagglomerationen anteilsmässig mehr Mitglieder auf, als auf dem Land. Laut Sutter würden schwer kranke Patienten vermehrt in die Zentrumsgebiete gelangen, weil es mehr Hilfsangebote gäbe und die Zahl an Spitälern und Pflegeheimen dort grösser sei.


Gerade in Heimen gewinnt das Thema der Sterbehilfe zunehmend an Bedeutung. Die Stadt Zürich nimmt hier bei eine Vorreiterrolle ein. Bereits 2001 entschied der Stadtrat, Sterbehilfe in Heimen unter klaren Auflagen zu erlauben. Im Vorfeld sind deshalb Gespräche mit den Angehörigen, den behandelnden Ärzten und dem Pflegepersonal wichtig. Beim Vollzug muss die Abgrenzung des Personals sichergestellt sein. Die Organisation Exit Deutschschweiz begleitete im vergangenen Jahr insgesamt 92 Personen, die in einem Heim lebten, in den Tod.

Selbstbestimmung ist wichtig


Ganz Allgemein verzeichnen die Selbstbestimmungsorganisationen einen Anstieg bei den Mitgliederzahlen. Als Erklärung hierfür nennt Sutter den gesellschaftlichen Wandel.

Die Selbstbestimmung in der medizinischen Behandlung, gerade am Lebensende, würde für immer mehr Menschen wichtiger. «Die Babyboomer kommen nun ins AHV-Alter. Gerade diese Generation weist eine relativ hohe Selbstbestimmung über den gesamten Lebensweg auf. Entsprechend ist auch die Bestimmung über den Tod ein zentrales Thema», sagt Sutter weiter.

Dies zeigt sich auch, wenn man die Altersgruppen jener betrachtet, die Sterbehilfe in Anspruch nehmen. So waren im Beobachtungszeitraum seit 2010 rund 94 Prozent der Betroffenen über 55-jährig.


Wenn Sterbehilfe in Anspruch genommen wird, werden in fast allen Fällen auch Begleitkrankheiten angegeben. So sind 42 Prozent der Betroffenen an einem Krebsleiden erkrankt. 14 Prozent weisen Krankheiten wie Parkinson, Multiple Sklerose oder eine andere neurologische Erkrankung auf.

Herzkreislaufkrankheiten und die Erkrankung des Bewegungsapparates wird in 11 Prozent, respektive 10 Prozent der Fälle als Grund für den assistierten Suizid angegeben. Hinzu kommen andere Krankheiten. Drei Prozent der Sterbewilligen geben mitunter Depression als Grund an. Demenz wird in der aktuellen Erhebung von weniger als einem Prozent der Betroffenen als Sterbensgrund angegeben.