Zürich
«Ayoo, wollen wir tanzen?»: App soll Tanzbeine zum Schwingen bringen

Ende dieses Jahres lanciert ein Zürcher Start-up eine interaktive Video-Plattform, mit der man tanzen lernen kann.

Natasha Hähni
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Mit der interaktiven Videoplattform Ayoo werden Tanz-Lektionen, wie hier am Event «Zürich tanzt», online ergänzt. Zürich tanzt

Mit der interaktiven Videoplattform Ayoo werden Tanz-Lektionen, wie hier am Event «Zürich tanzt», online ergänzt. Zürich tanzt

Wer einen Tanzstil erlernen will, der nimmt Tanzstunden. Online kann man sich zwar seit Youtube den einen oder anderen Schritt auch selber beibringen, die Rückmeldung einer Drittperson fällt dann jedoch weg. Das soll sich Ende Dezember ändern: Mit «Ayoo» kommt bald eine App auf den Markt, die die Tanzszene aufmischen soll.

Das Zürcher Start-up mit Sitz in Glattbrugg, das seit Ende August eine Aktiengesellschaft ist, wurde von Diego Di Giacomo und Nicolai Altwegg gegründet. Seit rund einem Jahr arbeiten die beiden passionierten Tänzer beinahe täglich an ihrem Projekt. «Wir wollen die Welt zum Tanzen bringen», beschreibt Altwegg das Ziel der App.

Ein asynchrones Duett

«Ayoo» ist eine interaktive Videoplattform für Tänzer, die einen neuen Standard in der Szene setzen soll. Für jeden Tanzstil werden Videos mit den Basics, also den Grundlagen in der App zur Verfügung gestellt, in denen Tanzgrössen aus aller Welt die Schritte und Bewegungen eines Stils demonstrieren und erklären. Die Namen der Künstler wollen die Gründer allerdings bis zur Lancierung noch für sich behalten.

Ayoo Nicolai Altwegg, Nenad Tripic und Diego DiGiacomo (von links) sind die Erfinder der neuen Tanz-App Ayoo.

Ayoo Nicolai Altwegg, Nenad Tripic und Diego DiGiacomo (von links) sind die Erfinder der neuen Tanz-App Ayoo.

Natasha Hähni

Ein weiteres Highlight der Anwendung bildet die Duett-Funktion. Hier können Benutzer Tanzvideos mit ihrem Smartphone aufnehmen und diese an Freunde versenden. Die können dann die Choreografie nachtanzen oder mit eigenen Tanzschritten antworten. Schliesslich werden beide Videos zusammengeschnitten und als ein Video abgespielt. Das hat laut Altwegg einen ausschlaggebenden Vorteil gegenüber dem Spiegel: «Wenn man sich nur im Spiegel sieht, wirken die eigenen Bewegungen oft sauberer. Im direkten Videovergleich sieht man Unsicherheiten viel besser.» Da es sich bei «Ayoo» zudem um ein soziales Netzwerk handelt, können Tanzbegeisterte weltweit die Videos anschauen und interagieren.

Weltweit um die Wette tanzen

Die Duett-Funktion könnte vor allem für Tanzschulen sehr hilfreich sein, wie Altwegg, der ebenfalls Tanzlehrer ist, erklärt: «Wenn man eine neue Choreografie einstudiert, und diese zu Hause üben will, kann man sich selber aufnehmen und mit dem Video des Tanzlehrers vergleichen. Dieser kann dann direkt über die App Verbesserungstipps geben. Wiederholt man das Ganze, kann der Fortschritt der Schüler beobachtet werden.» Aus diesem Grund sucht das Start-up auch dauernd Kontakt mit professionellen Tänzern. «Durch regelmässige Gespräche mit Leuten vom Fach merken wir, wo die App noch Lücken aufweist, und versuchen sie zu beheben», so Di Giacomo. Zudem kann man andere Leute ebenfalls zu «Dance Battles», also zum Wett-Tanzen auffordern und sich so mit Tänzern auf der ganzen Welt messen. Dieser Gedanke führte auch zum Namen der App: «Ayoo» ist eine Aufforderung: «Der Name ist eine Einladung, im Sinne von ‹Ayoo, wollen wir zusammen tanzen?›, oder etwas frecher ‹Ayoo, lass uns batteln!›».

Vom Duo zum Trio

Um all die genannten Funktionen und viele weitere Ideen umzusetzen, wurde Nenad Tripic als technischer Leiter ins Boot geholt. Ein Schritt, der für Mitgründer und Eventmanager Di Giacomo nicht leicht war: «Der schwierigste Teil an diesem Projekt war für mich, fremden Personen mein Projekt anzuvertrauen.» Trotzdem würde er es nicht anders machen. «Im vergangenen Jahr haben wir viel gelernt, vor allem auch, dass man bei Unsicherheiten immer nachfragen soll. Unsere Lernbereitschaft hat uns so manche Türen geöffnet», so Di Giacomo. Zudem sind die drei mittlerweile ein eingespieltes Team, wie Altwegg findet: «Wir ergänzen uns. Was der eine nicht kann, versteht der andere.»

Ende Jahr soll es losgehen. Die erste Version der kostenlosen App wird im Dezember lanciert. Sie wird anfangs nur für iOS verfügbar sein und soll lokal gehalten werden, um die Funktionen zu testen. Nach der Testphase wird die App auch für Android verfügbar sein. Bis dahin wird man sich beim Tanzen noch auf sein Spiegelbild verlassen müssen.