Jahrelang bescherte der Energiekonzern Axpo seinen Eigentümerkantonen Gewinne in Form von Dividendenausschüttungen.

Im Geschäftsjahr 2013/14 jedoch kippte der Konzern in die roten Zahlen. Mit einer raschen Rückkehr in die Gewinnzone wird nicht gerechnet. 2014/15 betrug der Verlust fast eine Milliarde Franken.

Der Kanton Zürich ist als grösster Axpo-Aktionär von der negativen Entwicklung betroffen.

Er besitzt etwas mehr als 18 Prozent der Aktien, weitere 18 Prozent hält das Elektrizitätswerk des Kantons Zürich (EKZ).

Zweitgrösster Aktionär ist der Kanton Aargau. Der Rest der Aktien wird von den Kantonen St. Gallen, Thurgau, Schaffhausen, Glarus und Zug gehalten.

Für die negative Entwicklung gibt es verschiedene Gründe: Auf dem europäischen Strommarkt kostet eine Kilowattstunde Strom etwa 3 bis 4 Rappen. Die Axpo produziert ihren Strom jedoch grösstenteils mit Wasser- und Atomkraftwerken zu Kosten von ungefähr 5 bis 6 Rappen. Der europäische Strompreis ist so tief, weil ein Überangebot besteht, welches unter anderem auf billigen Strom aus Kohlekraftwerken aber auch auf subventionierte erneuerbare Energien zurückzuführen ist.

Infolge der Liberalisierung des Strommarkts dürfen Grossverbraucher in der Schweiz seit 2008 den Strom dort einkaufen, wo sie möchten, und sind nicht mehr wie früher an den jeweiligen lokalen Stromversorger gebunden. Ein grosser Teil von ihnen tut das mittlerweile auch.

Hohe Abschreibungen

Der Axpo bleibt somit gar nichts übrig, als den produzierten Strom auch mit Verlust zu verkaufen. Dies führt dazu, dass sie Wertberichtigungen auf ihre Kraftwerke vornehmen muss, was das Ergebnis weiter verschlechtert. Die Axpo versucht mit einem Sparprogramm und dem Ausbau von Aktivitäten, deren Rentabilität nicht direkt vom Strompreis abhängt, Gegensteuer zu geben. Gewinne erzielt der Konzern beispielsweise im Stromhandel. Für schwarze Zahlen oder gar eine Gewinnausschüttung dürfte es in den nächsten Jahren aber voraussichtlich nicht reichen.

2008 erhielt der Kanton Zürich von der Axpo noch eine Ausschüttung von über 28 Millionen Franken. 2014 waren es noch rund 13 Millionen Franken. Seither gab es gar nichts mehr.

Da kaum Aussicht auf rasche Besserung besteht, denken mittlerweile mehrere Eigentümerkantone darüber nach, ihre Beteiligungen zu verkaufen. Ganz einfach wäre dieser Schritt allerdings nicht, denn im Gründungsvertrag von 1914 ist festgehalten, dass die Kantone ihre Anteile nicht an Dritte, sondern nur an andere, ebenfalls bereits beteiligte Kantone verkaufen dürften. Eine Änderung dieses Vertrags wäre zwar möglich, bräuchte aber die Zustimmung aller Axpo-Kantone.

Bezüglich eines Verkaufs bislang am deutlichsten geäussert hat sich der Schaffhauser Baudirektor Reto Dubach (FDP): «Der Verkauf ist aus heutiger Sicht grundsätzlich denkbar», sagte er gegenüber den «Schaffhauser Nachrichten». Die Schaffhauser Regierung habe deshalb die anderen Eignerkantone zu einer Aussprache eingeladen.

Kanton überprüft Strategie

Die Haltung des Zürcher Regierungsrates in dieser Frage steht noch nicht fest. Der Kanton überprüft derzeit seine Eigentümerstrategie für die Axpo, über das Ergebnis soll im laufenden Jahr informiert werden. Aus Antworten auf Anfragen im Kantonsrat sowie aus einem Regierungsratsbeschluss lässt sich aber zumindest schliessen, dass ein Verkauf kein Tabu ist. So heisst es einem Beschluss aus dem Dezember 2015: «Die Axpo-Beteiligung ist heute in Bezug auf eine sichere und wirtschaftliche Stromversorgung nicht mehr von strategischer Bedeutung für den Kanton.»

Bereits im September 2015 schrieb der Regierungsrat in einer Anfrage zum Thema in seiner Antwort: »Sollte sich herausstellen, dass die Axpo Holding für den Kanton keine strategische Bedeutung mehr hat, ist ein Verkauf der kantonalen Aktienbeteiligung grundsätzlich denkbar.» Mit praktisch den selben Formulierungen begründet übrigens der Schaffhauser Regierungsrat seine Haltung.

Sollten sich die Eignerkantone tatsächlich darauf verständigen, den Gründungsvertrag so abzuändern, dass den Kantonen ein Verkauf ihrer Anteile an Dritte ermöglicht wird, stellt sich natürlich die Frage, wer diese sein könnten. Ein Verkauf an einen anderen Schweizer Energiekonzern, beispielsweise Alpiq, scheint derzeit unrealistisch. Alpiq kämpft selber mit roten Zahlen und hat deshalb angekündigt, in- und ausländischen Investoren Minderheitsbeteiligungen an seinen Wasserkraftwerken anzubieten. Interessenten für den Kauf von Axpo-Aktien müsste man wohl ebenfalls auch ausserhalb der Schweiz suchen.