Stromerzeugung
AWEL sieht nur ein bescheidenes Potential für Kleinwasserkraftwerke

Das Potenzial für neue Wasserkraftwerke im Kanton Zürich ist nach Ansicht des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) «höchst bescheiden». Planungen hätten gezeigt, dass 13 weitere Kraftwerke «grundsätzlich möglich» seien.

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Keystone

Diese könnten insgesamt Strom für 1400 Haushalte produzieren.

An diesen Standorten könnten neue Kleinwasserkraftwerke allerdings zum Teil nur unter Auflagen erstellt werden. Fünf davon befinden sich an der Glatt, je zwei an der Töss, der Jona und der Reppisch. Je einer liegt am Aabach in Uster sowie an der Sihl in Zürich, wie das AWEL am Freitag mitteilte.

16 weitere Standorte hat das AWEL nach einer genauen Prüfung fallen gelassen, wie es schreibt. Als Grund nennt das Amt «diverse Schutzinteressen». So seien an den betreffenden Stellen entweder Revitalisierungen vorgesehen oder das Ökosystem, die Landschaft, das Ortsbild oder einzelne denkmalgeschützte Objekte würden zu stark beeinträchtigt.

Anlass für die vom AWEL erarbeitete «Positivplanung Kleinwasserkraftwerke» war der Entscheid des Bundesrates, langfristig aus der Kernenergie auszusteigen. Seither stünden die erneuerbaren Energien als Alternative im Fokus. Dazu gehören auch die Kleinwasserkraftwerke, die Strom bis zu einem Megawatt Leistung produzieren.

Derzeit sind im Kanton Zürich gegen 100 solcher Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 6 Megawatt in Betrieb, wie das AWEL schreibt. Deren Ursprung reicht häufig bis in die Zeit der Industrialisierung zurück. Damals begann man, die Wasserkraft von Bächen und Flüssen zu nutzen, um damit die Maschinen der neu entstehenden Fabriken anzutreiben.

«Beschränktes Potenzial»

Ob an den 13 Standorten tatsächlich Kleinwasserkraftwerke gebaut werden, hängt laut AWEL davon ab, ob sich Betreiber finden, welche die Auflagen erfüllen und eine Anlage wirtschaftlich betreiben können. In jedem Fall bleibe allerdings der Beitrag zur Energieversorgung gering, denn Zürich verfüge als Flachlandkanton «nur über ein sehr beschränktes Potenzial».

Würden an allen 13 zusätzlichen Standorten neue Kleinwasserkraftwerke gebaut, könnte eine Leistung von insgesamt 1,4 Megawatt erzielt werden. Damit wäre der Strombedarf von 1400 Haushalten gedeckt. Dies entspricht 0,06 Prozent des kantonalen Strombedarfs, wie das AWEL schreibt.

Bis 2050 werde die Wasserkraft im Kanton Zürich maximal 6 Prozent des Strombedarfs abdecken können. Dabei steht jedoch die technische Aufrüstung der bestehenden grossen Flusskraftwerke an Rhein und Limmat im Vordergrund. Allein der kürzlich erfolgte Ausbau des Kraftwerks Eglisau-Glattfelden brachte eine Leistungssteigerung von 16,8 Megawatt.

Aqua Viva gegen neue Kraftwerke

Der Gewässerschutzbund Aqua Viva wendet sich dezidiert gegen neue Kleinwasserkraftwerke an den Zürcher Bächen und Flüssen, wie es in einer Mitteilung heisst. Zu gross wären die ökologischen und landschaftlichen Schäden, zu stark sei bereits heute die Belastung, zu gering der Wirkungsgrad. Zudem könnten Kleinwasserkraftwerke ohne Subventionen nicht wirtschaftlich betrieben werden.

Aqua Viva kritisiert weiter das Vorgehen des Kantons, der «nach Monaten des Schweigens in Sachen Kleinwasserkraft» nun die Öffentlichkeit informiere. Weder die Gemeinden, die betroffene Bevölkerung noch die Umweltverbände seien in diese Planung einbezogen worden.