Zürich
Autotüftler lässt sich von der Luftfahrt inspirieren — er präsentiert sein neuestes Fahrzeug

Auto-Vordenker Frank M. Rinderknecht präsentiert sein neuestes Fahrzeug: den Metro Snap, bei dem Unterbau und Aufbau getrennt sind. Das Austauschen der Elemente funktioniert wie bei Frachtcontainern.

Frank Speidel
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Die Aufbauten verwandeln das Fahrzeug in eine Poststelle oder in einen Kleinbus.

Die Aufbauten verwandeln das Fahrzeug in eine Poststelle oder in einen Kleinbus.

CH Media

Wenn der Motor, die Karosserie oder das Fahrwerk den Geist aufgibt, landet bei heutigen Autos oftmals das ganze Konstrukt auf dem Schrottplatz. Sind die Elemente aber getrennt voneinander, muss nur der defekte Baustein ausgetauscht werden. Bei Frank M. Rinderknechts Erfindungen ist dies möglich.

Der Zumiker Autotüftler hatte mit seiner Firma Rinspeed die Idee, den Unterbau und den Aufbau eines Autos zu trennen. 2018 präsentierte er mit Snap den ersten Prototyp eines modular aufgebauten Fahrzeugs. Die Folgeversion aus dem Jahr 2019 hiess Micro Snap und hatte die Grösse eines Kleinwagens. In der neuesten Version Metro Snap denkt Rinderknecht wieder grösser: Die Aufbauten verwandeln das Fahrzeug etwa in einen Kleinbus, der Platz für mehrere Personen bietet. Mit einer anderen Kabine ausgestattet, wird Metro Snap aber auch zu einem Lebensmittelladen oder einer mobilen Poststelle. Gestern war sein Metro Snap erstmals überhaupt öffentlich zu sehen, an der Technikmesse CES in Las Vegas. Im März zeigt Rinderknecht das Gefährt dann am Auto-Salon in Genf.

Das Baukastensystem ist nicht mehr einfach nur ein Auto. Was sich Rinderknecht mit Metro Snap ausgedacht hat, ist ein ganzes Mobilitätskonzept. Dass die Idee Potenzial hat, zeigt sich an bekannten Nachahmern aus der Automobilindustrie, die nun ähnliche Projekte verfolgen.

Fahren wird Metro Snap elektrisch. Die Batterien sind auf den Aufbau und das Chassis verteilt. So braucht das Fahrzeug zum Laden nicht mehr geparkt zu werden. Der Ladevorgang findet direkt beim Reinigen oder Beladen des Aufbaus statt. Der Austausch der Fahrzeugelemente soll fast so schnell funktionieren wie bei einem Boxenstopp. «Für das Wechselsystem haben wir Patentschutz beantragt», erzählt Frank M. Rinderkecht.

Die Schlüsselstelle von Metro Snap ist, wie schon bei seinen Vorgängern, die Verbindung zwischen dem fahrbaren Untersatz und dem Aufbau. Auf der Suche nach einer verlässlichen Verbindung hat sich Rinderknecht von der Luftfahrt inspirieren lassen, wie er verrät. So setzt der 64-Jährige auf jenes System, mit dem seit Jahrzehnten Frachtcontainer für Flugzeuge transportiert werden: auf Unit Load Device (kurz ULD). Die Container werden dabei auf kleinen Rollen hin- und herbewegt. «Das System hat sich bewährt, es ist sehr stabil», sagt Rinderknecht. Das sei auch der Grund, weshalb es auf Flughäfen weltweit im Einsatz sei.

Frank M. Rinderknecht Autokonstrukteur aus Zumikon

Frank M. Rinderknecht Autokonstrukteur aus Zumikon

Michael Trost
Wir sind derzeit im Gespräch mit möglichen Partnern.

(Quelle: Frank M. Rinderknecht   Autokonstrukteur aus Zumikon)

Die Idee von Snap soll dereinst in Serie gehen. Dafür hat Rinderknecht 2018 das Start-up Snap Motion gegründet mit Standorten im kalifornischen Silicon Valley (USA) und Europa. «Wir sind derzeit in Gesprächen mit möglichen Partnern», erklärt der Autotüftler. «Die Verwirklichung der Serie wird immer konkreter.»

Reisekrankheit ist ein Thema

Als herkömmlich gesteuertes Auto, also mit einem Fahrer aus Fleisch und Blut, wäre Metro Snap schon heute im Strassenverkehr einsetzbar. Seit den letzten Jahren setzt Rinderknecht bei seinen Erfindungen aber auf autonom fahrende Fahrzeuge. Die Passagiere haben so während der Fahrten Zeit für andere Beschäftigungen. Sie können lesen, einen Film schauen oder Karten spielen.

Doch nicht allen bekommt es, wenn sie ihren Blick nicht auf die Fahrbahn gerichtet haben: «Reisekrankheit ist bei uns auch ein Thema», sagt Rinderknecht. Bei einer Fahrt über den Julierpass würde er selber als Passagier wohl auch nicht lesen, meint der Zumiker. Im zähen Stadtverkehr dagegen könne er sich eine Lektüre besser vorstellen.

Bei der Programmierung autonom fahrender Autos werde deshalb auch auf eine mögliche Reisekrankheit der Passagiere Rücksicht genommen. «Sie dürfen nicht zu stark beschleunigen respektive bremsen und müssen Kurven in angenehmem Tempo fahren», erklärt Rinderknecht. Doch auch wenn das Fahrzeug die Passagiere so sanft transportiert wie ein Enkel seine Grossmutter zur Familienfeier, sagt Rinderknecht: «Einige werden den Blick trotzdem nicht auf den Bildschirm richten können.»