«Jede bedeutende Stadt in Europa hat eine moderne Markthalle, die vielfältig genutzt wird», sagte Beat Rothen: «Ich kenne die Beispiele in Lissabon und Hannover.»

Zürich hat keine solche Halle. Winterthur bekommt eine. Das sieht die Trägerschaft um den Winterthurer Architekten Beat Rothen vor. Mit ihrem Konzept hat sie den Wettbewerb der Stadt Winterthur für die Nutzung der Halle 53 gewonnen.

Gestern präsentierte Rothen auf einer Pressekonferenz der Stadt seine Pläne. Die Industriehalle bildet den architektonischen Leitfaden im Projekt von Rothen. Sie soll für Besucher weiterhin auch von innen erfahrbar bleiben.

Halle in der Halle

Die Halle 53 steht unter Denkmalschutz. Es ist unmöglich, eine Wärmedämmung einzubauen und die Halle vernünftig zu heizen. Das sei bei fast allen Hallen mit grossem Volumen so, sagt Rothen: «Wir errichten im Innern neue Baukörper. In der Halle selbst schaffen wir ein Zwischenklima. Im Winter wird es kühl, aber nicht eisig kalt bleiben». Der wichtigste dieser Baukörper ist ein Konzertsaal mit 1200 Plätzen.

Dieser Saal muss laut Rothen vielfach nutzbar sein: Für klassische Konzerte, für Rock und Pop, aber auch für Kongresse: «Das klassische Konzert benötigt eine andere Akustik als zum Beispiel eine Sprechnutzung.» Es wird also im neuen Saal möglich sein, die Akustik und natürlich auch die Bestuhlung an die Nutzung anzupassen.

Silber für Musikkollegium

Der Saal ermöglicht dem Musikkollegium die Halle für ihre Konzerte zu nutzen. Rothen spricht von jährlich zwölf Auftritten des Winterthurer Orchesters. Das Musikkollegium darf sich so wenigstens halbwegs zu den Siegern des Wettbewerbs zählen.

Dies obwohl das Musikkollegium selbst als Trägerschaft am Wettbewerb teilnahm und jetzt nicht zum Zug kommt. Das Vorhaben des Orchesters sah aber genau so wie Rothens Konzept einen Saal mit Mehrfachnutzung vor.

Samuel Roth, Direktor des Musikkollegiums, sagt: «Wir bedauern, dass wir den Wettbewerb nicht gewonnen haben. Damit, dass die Sieger das Musikkollegium bei ihrer Nutzung mit einbeziehen, haben sie uns den Wind aus den Segeln genommen. Für uns ist es jetzt wichtig, dass die Trägerschaft mit den Spezialisten für Konzertsäle zusammenarbeitet, die wir mitbringen.» Die Heimspielstätte des Musikkollegiums bleibt das Stadthaus, wie Stadträtin Yvonne Beutler (SP) bestätigte.

Laufpublikum anziehen

Bei den Siegern mit von der Partie ist Denkwerkstatt Sàrl in Basel. Die Architektengemeinschaft entwickelt Nutzungen für Plätze und Hallen. Der Lagerplatz in Winterthur oder die Neue Alte Markthalle Basel gehören zu ihren Projekten.
Für Marktstimmung soll ein Imbissmarkt (Food Court) sorgen. «Wir planen sechs Kleinküchen», sagt Rothen.

Auf dem Sulzergelände bewegen sich die Studentinnen und Studenten der ZHAW und die Angestellten im Superblock. Die Nachfrage nach Verpflegung steigt von Jahr zu Jahr. Zudem sollen kurzfristig mietbare Büros Arbeitsplätze in die Halle holen und natürlich auch finanzielle Erträge erzeugen. Weiter ist auf einer Terrasse eine Bar vorgesehen. Sie soll eine Aussicht über die freien Teile der Halle bieten und so die Industriearchitektur des Fabrikgebäudes für die Gäste unter einem anderen Winkel sichtbar machen.

Finanzierung ist noch offen

«Für uns ist es entscheidend, dass die Halle 53 tagsüber während des ganzen Jahres genutzt wird», sagte Rothen. Diesen Punkt hob auch Beutler hervor. Weiter sagte sie: «Wir haben uns für ein Projekt entschieden, das auch wirtschaftlich realistisch ist. Die Halle 53 muss sich finanziell selbst tragen».

Die Stadt gibt die Industriehalle im Baurecht ab und verlangt einen Baurechtzins. Dessen Höhe ist mit der Trägerschaft noch auszuhandeln. Ebenso offen ist, wer das Projekt finanziert. Fest steht immerhin der Architekt: Beat Rothen.

Die Industriegeschichte verhilft Winterthur zu einer riesigen Halle für eine neue Nutzung. Sie hinterlässt aber auch Giftstoffe auf den 5500 Quadratmetern Hallenboden, vor allem Metalle und Schweröl. «Unser Projekt sieht keine tiefen Grabungen vor», sagte Rothen. Wenn es dabei bleibe, könne man auf eine Altlastensanierung verzichten. Andernfalls würde sich das Projekt verteuern.

Laut Beutler müssen die Wettbewerbssieger ihr Projekt nun präzisieren und dessen Finanzierung sichern. Die Stadt rechnet daher mit einem Baubeginn frühestens um 2020. Die Bauzeit dürfte laut Rothen zwischen zwei und sechs Jahre betragen.