Gratis-Sprachkurse
Autonome Schule Zürich zieht nun doch an die Badenerstrasse

Die ASZ zieht vom Güterbahnhof nach Altstetten. Auf den letzten Drücker konnten die Verantwortlichen am Dienstag mitteilten. Der grösste Teil des Mobiliars sei bereits im neuen Gebäude und ab nächster Woche soll der Schulbetrieb wieder laufen.

Anna Wepfer
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Deutschkurse für Asylbewerber und Sans-Papiers: Die Autonome Schule Zürich. Peter Würmli

Deutschkurse für Asylbewerber und Sans-Papiers: Die Autonome Schule Zürich. Peter Würmli

Limmattaler Zeitung

Lange war die Zukunft der Autonomen Schule Zürich (ASZ) ungewiss.

Während Monaten suchten die Verantwortlichen des Freiwilligenprojekts nach einem Ort, wo sie ihre Gratis-Sprachkurse weiterführen können.

Diese werden täglich von bis zu 200 Asylsuchenden und Sans-Papiers besucht. Bisher war die ASZ in einer Baracke auf dem Areal des alten Güterbahnhofs untergebracht. Doch dieses wird nun geräumt, um dem geplanten Polizei- und Justizzentrum Platz zu machen. Eigentlich hätte die ASZ deswegen ihre Bleibe bis zum
1. Mai verlassen müssen.

Doch die Suche nach einer Lösung harzte so sehr, dass die Schule den Kanton als Besitzer des Güterbahnhofs um einen Aufschub bitten musste. Die Baudirektion gewährte eine Galgenfrist von zwei Wochen, die in den nächsten Tagen abläuft.

Nutzer zahlen keine Miete

Nun endlich zaubern die Verantwortlichen auf den allerletzten Drücker doch noch eine neue Bleibe aus dem Hut. Wie sie gestern mitteilten, handelt es sich um ein grosses Bürogebäude an der Badenerstrasse in Altstetten. Der Umzug hat bereits begonnen, ein Grossteil des Mobiliars (Schulbänke, Stühle, Wandtafeln) stehe schon am neuen Ort, sagt Sprecher Raphael Jakob. Ab nächster Woche soll der Unterricht stattfinden.

Die vierstöckige Liegenschaft gehört der Swisscanto, einer Vermögensverwaltungsfirma der Kantonalbanken. Früher war im Gebäude die Amag untergebraucht. Seit einigen Monaten wird es vom Verein Zitrone zwischengenutzt. Diesem gehören zahlreiche Künstler an, die in den einstigen Büros nun ihre Ateliers betreiben.

Rund 4000 Quadratmeter Fläche hat der Verein zur Verfügung. Einen Teil davon will er nun der Autonomen Schule überlassen. Konkret ist die Rede von elf Räume – einem halben Stockwerk. Eine reguläre Miete wird die Schule dafür nicht bezahlen. «Dazu sind wir als Freiwilligenprojekt nicht in der Lage», sagt Sprecher Jakob. Zahlen muss sie nur die Nebenkosten. Die Swisscanto hat den Deal so abgesegnet. Laut deren Sprecher Roman Kappeler muss auch der Verein Zitrone nur für den Wasser- und Stromverbrauch aufkommen.

Die Nutzung ist allerdings zeitlich beschränkt. Ende September müssen die Künstler und Aktivisten raus. Die Swisscanto will das bestehende Gebäude abreissen und das Areal neu überbauen. Ein konkretes Projekt gibt es laut Kappeler noch nicht. Es sei aber gut möglich, dass Wohnungen gebaut würden. Angesichts der noch vagen Planung ist der Termin im Herbst aber nicht in Stein gemeisselt. Sollte der Neubau auf sich warten lassen, werde die Zwischennutzung verlängert, so Kappeler.

Sie besetzen noch immer Häuser

Mit dieser Rettung in letzter Sekunde findet die ASZ erstmals in ihrer Geschichte eine auf Anhieb legale Lösung. In den vergangenen Jahren hat die Gruppierung, die sich in erster Linie als politisches Kollektiv versteht, wiederholt leerstehende Häuser besetzt, die dann teilweise von der Polizei geräumt wurden. Davon haben die Verantwortlichen angeblich genug. «Wir wollen eine legale, dauerhafte Bleibe», sagt Jakob.

Koch-Areal: Besetzung durch Aktivisten

Eine Gruppe von rund 150 Personen hat gestern eine Reihe von Gebäuden im Westen Zürichs besetzt. Dies steht in einer Mittelung der Aktivisten.
Die Liegenschaften befinden sich auf dem Koch-Areal an der Grenze zwischen Albisrieden und Altstetten. Die Besetzer nennen sich Familie
Wucher und Familie Zauber. Auch Aktivisten der Autonomen Schule Zürich (ASZ) haben ein Haus in Beschlag
genommen.
Die besetzten Gebäude gehören der UBS und stehen seit kurzem leer.
Offenbar plant die Bank mittelfristig einen Neubau auf dem Areal, will aber die bestehenden Bauten schon in Kürze abreissen. Dagegen wehren sich die Besetzer mit ihrer Aktion. Sie sprechen von einem «Abriss auf Vorrat» und davon, dass es in der Stadt Zürich zu wenig
«alternatives Kulturangebot» und «unkonventionelle Räume» gebe. Auf dem Koch-Areal wollen sie «unsere Ideen von Freiraum verwirklichen». Die ASZ-Vertreter wollen zudem auf ihr eigenes Raumproblem aufmerksam machen. Die Stadtpolizei hat sich vor Ort ein Bild der Lage gemacht und beschlossen, «vorerst nicht einzuschreiten», wie ein Sprecher sagte. Man behalte die Situation im Auge.

Zweifel sind aber angebracht: Just gestern beteiligten sich ASZ-Aktivisten wieder an einer Hausbesetzung – nur wenige Hundert Meter vom neuen Standort an der Badenerstrasse entfernt (siehe Kasten).

Trotz solcher Aktionen erwartet das Kollektiv bei der Suche nach einem permanenten Domizil nicht zuletzt auch die Hilfe der Stadt. Das stand bereits in einem offenen Brief an Stadtpräsidentin Corine Mauch, welchen die Verantwortlichen im März publizierten. Gestern bekräftigten sie die Forderung nach einer städtischen Liegenschaft in ihrer Mitteilung. Laut Mediensprecher Nat Bächtold hat die Stadt der ASZ inzwischen ein Gesprächsangebot unterbreitet. Diese habe daran grundsätzlich Interesse bekundet, sagt er. Ein Treffen habe jedoch noch nicht stattgefunden.