Urteil
Autohändler verursacht fahrlässig Feuersbrunst in Wohnung

Ein libyscher Autohändler hat in seiner Mietwohnung in Zürich eine Feuerbrunst verursacht und einen Schaden von über 700'000 Franken angerichtet. Das Zürcher Bezirksgericht verurteilte ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten.

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Der Brand richtete erheblichen Sachschaden an
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Dachstockbrand im Kreis 3 in Zürich
Die Kantonspolizei Zürich hat die Ermittlungen aufgenommen

Der Brand richtete erheblichen Sachschaden an

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Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre Gefängnis gefordert. Sie war von vorsätzlicher Brandstiftung aus Rache ausgegangen. Das schriftliche Urteil des Gerichts vom Montag folgt der Verteidigung, die auf fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst plädierte.

Der Mann muss zudem einem traumatisierten Nachbarn ein Schmerzensgeld von 5000 Franken bezahlen. Zudem muss er die Hälfte der Gerichtskosten tragen und mit mehreren Forderungsprozessen vor einem Zivilgericht rechnen.

Der bald 40-jährige Autohändler aus Libyen musste sich am letzten Donnerstag wegen schwerer Brandstiftung vor Gericht verantworten. Unbestritten war, dass in seiner früheren Mietwohnung an der Erlachstrasse in Zürich-Wiedikon in der Nacht auf den 30. September 2012 eine Explosion stattgefunden hatte.

Es war eine halbe Stunde nach Mitternacht, als eine schwere Explosion die Ein-Zimmer-Wohnung des Beschuldigten erschütterte. Die Druckwelle und der Nachfolgebrand richteten enorme Schäden an.

So beschädigte das Feuer den Dachstuhl und zog gleich fünf Wohnungen in Mitleidenschaft. Zudem fielen zahlreiche Trümmerteile auf die Strasse und beschädigten mehrere parkierte Personenwagen.

Ein Grossaufgebot der Feuerwehr löschte die Flammen, zahlreiche Bewohner der Liegenschaft mussten evakuiert werden. Verletzt wurde jedoch niemand.

Mieter in Italien verhaftet

Die Untersuchungsbehörden gingen von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Der Verdacht fiel auf den Mieter der explodierten Wohnung. Dieser hatte unmittelbar nach dem Knall die Liegenschaft verlassen und sich mit einem Lieferwagen nach Italien abgesetzt.

Wenige Tage später wurde er in Genua festgenommen und Mitte November an die Schweizer Behörden ausgeliefert.

Die Staatsanwaltschaft zeigte sich überzeugt, dass der vor der Kündigung stehende Mieter die Wohnung aus Rache vorsätzlich und geplant in die Luft gejagt hatte.

Die Brandermittler hatten nämlich herausgefunden, dass in der Wohnung an fünf verschiedenen Stellen Benzin verschüttet worden war. Zudem war die Herdplatte auf Stufe 7 eingestellt. Ebenso war der Dampfabzug in Betrieb und hatte die benzingeschwängerte Luft angezogen, sodass sie sich über dem heissen Herd entzündete.

Gestresster Mieter

„Ich war damals im Stress", wehrte sich der Beschuldigte vor Gericht. Einerseits hätte er infolge schleppender Zahlungen bereits am 1. Oktober aus der Wohnung ziehen sollen. Andererseits sei er unter dem Druck gestanden, dringend ein Auto von Italien aus nach Nordafrika zu exportieren. Von der Explosion habe er erst in Genua erfahren.

Der Beschuldigte gab eine fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst zu und machte einen Unfall geltend. Er habe damals in seiner Wohnung mit benzingetriebenen Generatoren hantiert und diese in eine Plastikfolie eingewickelt. Dabei habe er wohl versehentlich Benzin an verschiedenen Orten ausgeleert.

Wegen des Zeitdrucks habe er vergessen, nach dem Nachtessen den Herd abzustellen. Zum Zeitpunkt des Knalls - kurz vor seiner Abreise - habe er sich im Keller befunden und nichts gehört.

Das Gericht hält die Darstellung des Mannes für "nicht widerlegbar". Auch habe er nichts unternommen, um seine Tat zu vertuschen. Ärger über die Kündigung der Wohnung als Motiv sei unwahrscheinlich, schreibt das Gericht.