Zürcher Obergericht
Autofahrer bremste Lastwagen aus

Das Zürcher Obergericht bestätigt den Schuldspruch des Bezirksgericht Dietikon.

Attila Szenogrady
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Der Lastwagen wurde zu riskant überholt (Symbol).

Der Lastwagen wurde zu riskant überholt (Symbol).

Keystone

Der umstrittene Vorfall ereignete sich am 6. September 2012. Damals fuhr ein heute 53-jähriger Verkaufsleiter mit seinem Personenwagen über die Autobahn bei Birmensdorf. Laut Anklage überholte er im Aeschertunnel einen Sattelschlepper. Allerdings so knapp, dass der LKW stark abbremsen musste. Nach dem Tunnel kam es gemäss Staatsanwaltschaft zum zweiten Vorfall. Dabei bremste der Autohalter vor dem Laster erneut absichtlich brüsk ab. Der Lastwagen konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und krachte von hinten in den Personenwagen. Verletzte gab es keine. Trotzdem leitete die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis eine umfassende Strafuntersuchung ein.

Der Autolenker beteuerte seine Unschuld und stellte sich als Opfer dar. So habe ihn der Sattelschlepper von hinten nicht nur massiv bedrängt, sondern auch absichtlich gerammt, erklärte er vor dem Zürcher Obergericht. Er habe den Lastwagen sogar mit seinem Handy fotografiert, sagte er und reichte das Bild als Beweis ein. Nicht gerade zur Erbauung der Oberrichter, die das Hantieren mit dem Mobiltelefon während des Lenkens als sehr gefährlich einstuften.

Gegen den Autofahrer sprach zudem die Tatsache, dass ein Geschwindigkeitsdiagramm des Sattelschleppers aufzeigte, wie der Lastwagen gleich zweimal brüsk abbremsen musste. In einem Fall von 89 km/h auf 55 km/h, dann von 79 km/h auf 33 km/h. Was eher gegen ein Ramm-Manöver sprach. Der Verteidiger sprach dennoch von einer schlechten Beweislage und verlangte einen vollen Freispruch. Dabei kritisierte er auch die angeblich widersprüchlichen Angaben von zwei Kronzeugen der Anklage.

«Glaubhafte» Darstellungen

Es handelte sich um zwei Insassen eines Lieferwagens. Sie hatten die Vorgänge beobachtet und schon während der Untersuchung zu Protokoll gegeben, dass der Beschuldigte vor den LKW gefahren sei und ihn dann mehrfach ausgebremst habe. Diese Darstellungen stufte das Obergericht als sehr glaubhaft ein. Vor allem da die plastischen Schilderungen den Ergebnissen des Diagramms nicht widersprachen. «Die zwei unabhängigen Kronzeugen gaben den entscheidenden Ausschlag», erklärte der Gerichtsvorsitzende Christoph Spiess und wies noch einmal auf das gefährliche Fotografieren des Beschuldigten während des Fahrens hin. Man habe aber auf eine neue Strafanzeige verzichtet, so Spiess. Der Autolenker habe bereits mit den Schuldsprüchen wegen mehrfacher grober Verletzung von Verkehrsregeln sein Fett abbekommen.

Damit haben die Oberrichter ein erstinstanzliches Urteil des Bezirksgerichts Dietikon vom Oktober 2014 im Wesentlichen bestätigt. Der Mann wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 130 Franken und zu einer Busse von 1500 Franken verurteilt. Zudem muss er die bisherigen Gerichtskosten von über 6500 Franken zahlen. Er könnte den Fall ans Bundesgericht weiterziehen.