Die Zahl der Verkehrsunfälle ist im Kanton Zürich 2017 gestiegen. Insgesamt gab es kantonsweit 16 824 Unfälle. Das sind gut 600 mehr als im Vorjahr und 20 Prozent mehr als im Schnitt der letzten fünf Jahre. Die Unfallzunahme lässt sich nur teilweise durch das Bevölkerungswachstum erklären, wie Frank Schwammberger, Verkehrspolizeichef der Kantonspolizei, gestern vor den Medien sagte.

Und sie betrifft längst nicht alle Verkehrsteilnehmer gleichermassen. Die weitaus meisten Unfälle ereignen sich immer noch mit Personenwagen. Im vergangenen Jahr waren es deren 12 469, wobei in 2177 Fällen Menschen zu Schaden kamen. Doch während die Zahl der Autounfälle zuletzt relativ langsam zunahm und Verletzungen dabei inzwischen die Ausnahme sind, steigen die Unfallrisiken für Velofahrende und für Fussgänger an. Ein Trend, der laut Schwammberger schweizweit zu beobachten ist.

Massiv mehr E-Bike-Unfälle

Besonders betroffen sind E-Bikes: Gemäss der gestern veröffentlichten kantonalen Verkehrsunfallstatistik gab es im letzten Jahr im Kanton Zürich 253 E-Bike-Unfälle, davon 203 mit Personenschaden. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies eine Zunahme um 29 Prozent; verglichen mit dem letzten Fünfjahresschnitt gar um 101 Prozent. «Es findet ein Umbruch statt: Leute die lange nicht mehr Velo gefahren sind, kaufen sich vermehrt E-Bikes – und verunfallen häufig», sagte Wernher Brucks, Leiter Verkehrssicherheit bei der Stadtzürcher Dienstabteilung Verkehr. Auffällig oft sind denn auch ältere Leute unter den Unfallopfern, wie die neuste Statistik belegt.

Gleichzeitig nimmt der Veloverkehr in der Stadt Zürich insgesamt zu, nämlich um 35 Prozent seit 2013. Die Zahl der verunfallten Velofahrenden stieg im gleichen Zeitraum jedoch deutlich stärker, nämlich um 60 Prozent. «Wir hatten noch nie so viele schwer verletzte Velofahrer wie 2017», so Brucks. Dabei seien zwei Drittel aller Velounfälle von den Radlern selbst verursacht. Auch bei den Verkehrstoten ist der Anteil der Velofahrer hoch: Von den 22 Strassenverkehrsopfern, die es 2017 im Kanton Zürich gab, waren 8 auf Fahrrädern und 2 auf E-Bikes unterwegs, der Rest mit Autos und Motorrädern.

Um den Trend zu mehr Velounfällen zu brechen, setzt die Polizei weiterhin auf Informationskampagnen mit Plakaten und im Internet. Die Stadtpolizei Zürich lässt zudem die Beschilderungen für Veloprüfungs-Parcours ganzjährig stehen, sodass Eltern mit ihren Kindern üben können.

Speziell für Senioren bietet die Kantonspolizei E-Bike-Kurse an (siehe auch: www.weniger-senioren-unfälle.ch). «Fahrunfähigkeit ist bei Velofahrern eine Hauptunfallursache», so Verkehrspolizeichef Schwammberger. Auch der Gebrauch von Handys beim Velofahren sei hochgradig gefährlich und dennoch oft zu beobachten.

Bestrebungen für eine obligatorische Veloprüfung für Erwachsene gibt es aber laut Schwammberger nicht. Diskutiert werde hingegen auf Bundesebene die Einführung einer Lichtpflicht für Velos auch tagsüber. Nach heutigem Recht müssen Velofahrende nur nachts und in der Dämmerung Licht dabei und eingeschaltet haben. Auch mit Repression versucht die Stadt Zürich, dem Trend zu mehr Velounfällen zu begegnen. So seien die polizeilichen Velokontrollen intensiviert worden. «Es ist wichtig, dass die Velofahrenden wissen: Es könnte auch Kontrollen geben. Die Höhe der Busse hingegen ist zweitrangig», so Brucks.

Mehr schwere Unfälle wegen Handy

Insgesamt ist der Verkehr im Kanton Zürich weniger gefährlich geworden: Die Zahl der Schwerverletzten sank gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2012-2016 im letzten Jahr um 6 Prozent auf 560. Die Zahl der Verkehrstoten lag 2017 wie im Vorjahr bei 22 und damit um 24 Prozent unter dem letzten Fünfjahresschnitt.

Der Trend zu weniger Verkehrstoten dauert im Kanton Zürich schon seit 1971 an. Damals verloren im Zürcher Strassenverkehr 260 Menschen ihr Leben – ein seither nie wieder erreichter Rekordwert. Weiterhin steigend ist jedoch die Zahl der schweren Unfälle infolge von Ablenkung durch Mobiltelefone, wie Schwammberger erwähnte. «Das gibt uns zu denken.»