Zürich
Autofahrdienst ins Spital: San-Mobil füllt eine sozialmedizinische Lücke

Eine Fahrt vom oder zum Spital bedeutet für Menschen mit gesundheitlichen Problemen oft schier unüberwindbare Hürden. Das San-Mobil-Team schafft hier Abhilfe. Die Stiftung befindet sich derzeit in der Gründung. Ihre Dienstleistung bieten sie aber trotzdem schon an.

Lina Giusto
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Bei San-Mobil engagieren sich private Fahrerinnen und Fahrer für den Personentransport zum und vom Spital.

Bei San-Mobil engagieren sich private Fahrerinnen und Fahrer für den Personentransport zum und vom Spital.

Keystone

Zwölf freiwillige Fahrerinnen und Fahrer transportieren kranke Personen von ihrem Zuhause in ein Spital und bei Bedarf wieder zurück. Sie übernehmen auch regelmässige Therapiefahrten für Krebs-, Drainage- oder Dialysepatienten. Patienten, die aus dem Spital austreten, werden bei Bedarf zu einem Hausarzt oder in eine weiterführende Institution, wie ein Pflegeheim oder eine Rehabilitationsklinik, gefahren.

Severin Gwerder, Leiter des Sozialdienstes im Stadtspital Triemli und Präsident von San-Mobil, ist von der Nachfrage beeindruckt: «Seit September sind unsere Fahrerinnen und Fahrer im Einsatz. Pro Woche absolvieren sie zwischen 40 und 50 Fahrten», so Gwerder.

Die Idee, einen Fahrdienst für Personen mit eingeschränkter Gesundheit anzubieten, kam auf, nachdem die Krebsliga Zürich ihren preislich attraktiven Fahrservice per Ende 2017 eingestellt hat. Grund war die rückläufige Zahl der Fahrten, die sich gegenüber dem Betriebsaufwand nicht mehr rechneten. Dies berichteten diverse Medien.

Versorgungslücke füllen

«Wir wollten von Anfang an unser Angebot über die Krebspatienten hinaus anbieten», sagt Gwerder. Als langjähriger Sozialarbeiter im Gesundheitsbereich kennt er die unterschiedlichsten Hürden, die der Weg zum oder vom Spital für Patienten bedeuten kann.

«Im Vordergrund stehen Personen, die sich den Transport mit einem herkömmlichen Taxi nicht leisten und auch nicht auf Hilfe von Angehörigen zählen können», sagt Gwerder weiter.
Entsprechend sieht sich San-Mobil nicht als Konkurrenz für den Fahrdienst des Schweizerischen Roten Kreuzes, des Vereins Tixi Zürich, den BTZ Behinderten Transport oder den Verein Behinderten Reisen in der Stadt Zürich. «Wir ergänzen das bestehende Angebot, da wir eine sozialmedizinische Transportlücke füllen», so Gwerder.

Dies wird bei genauerer Betrachtung der unterschiedlichen Transportangebote tatsächlich deutlich. Beim Fahrdienst des Schweizerischen Roten Kreuzes muss eine Fahrt rund drei Tage im Voraus bestellt werden. Pro Kilometer bezahlen die Kunden 70 Rappen. Zum Transport gehört eine 90-minütige Wartezeit für den Fahrer und die Rückfahrt nach Hause.

Der BTZ Behinderten Transport befördert nur Personen im Rollstuhl für eine innerstädtische Pauschale von 80 Franken, sofern sie keinen eigenen Rollstuhl besitzen. Der Verein Behinderten Reisen transportiert in erster Linie behinderte Kinder und ist deshalb für Spitalpatienten nicht immer verfügbar. Der Verein verlangt in der Stadt Zürich eine Pauschale von 35 Franken für Selbstzahler, ansonsten betragen die Kosten das Doppelte. Der gemeinnützige Verein Tixi Zürich befördert dauerhaft mobilitätseingeschränkte Personen. Er finanziert sich mittels Spenderinnen und Spender und basiert auf der Hilfe von freiwilligen Fahrerinnen und Fahrern. Die Fahrten sind an eine Mitgliedschaft gebunden. Der Jahresbeitrag kostet 100 Franken. Eine Fahrt innerhalb von zwei Zonen kostet dann 12 Franken, jede weitere Zone kostet fünf Franken. Die Tarife orientieren sich dabei an jenen des Zürcher Verkehrsverbundes.

Geld und Helfer sind gefragt

Preislich hat sich San-Mobil zwar am Angebot des Schweizerischen Roten Kreuzes orientiert, setzte die Preise laut Gwerder aber leicht höher an, um eine angemessene Fahrkostenentschädigung bezahlen zu können. So kostet eine Fahrt im Kanton Zürich von Montag bis Freitag pauschal 8 Franken und pro Kilometer 90 Rappen. Ausserkantonale Fahrten, sowie Transporte an Wochenenden und Feiertagen kosten zusätzlich zur Pauschale pro Kilometer 1.40 Franken.

San-Mobil hat sich zum Ziel gesetzt, für alle Arten von Patientinnen und Patienten flexibel zu sein. So werden von Kinder bis Senioren alle Menschen befördert, die eine Einzel- oder auch mehrere Fahrten benötigen würden. «Das Therapieprogramm der Patienten entscheidet über die Häufigkeit, in der unsere Dienstleistung in Anspruch genommen wird», so Gwerder.

Auch Begleitpersonen dürfen ohne Zusatzkosten mitfahren. Zudem werden auch Rollatoren und faltbare Rollstühle mitgenommen. «Weil unsere Fahrerinnen und Fahrer den Transport im Privatwagen ausführen, können wir noch keine Rollstuhl-Transporte anbieten», so Gwerder.

Derzeit sammle man noch Geld für die Stiftungsgründung und den Aufbau eines Fahrzeugpools. «Wir benötigen noch einiges an Geld. Mehr aber noch: Fahrerinnen und Fahrer», sagt Gwerder. Die Nachfrage sei bereits derart gewachsen, dass wir an unsere Kapazitätsgrenzen stossen. «Das ist unangenehm», sagt Gwerder.

Die Buchung einer Fahrt erfolgt nach Bedarf – «kurzfristig und flexibel», so Gwerders Wortlaut. Anmelden kann man diese über die E-Mailadresse info@sanmobil.ch. Die Sozialdienste der Spitäler können eine Fahrt über einen Online-Link bestellen. Für San-Mobil engagieren sich derzeit das Kinderspital Zürich, das Reha Zentrum in Affoltern am Albis, die Klinik Lengg, das Seespital in Kilchberg und Horgen sowie die beiden Stadtspitäler Waid und Triemli. Die Dienstleistung ist momentan auf den Raum Zürich beschränkt.