"Die Reformation war eine der markantesten Weggabelungen auf dem Weg zur Moderne", sagte Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) am Donnerstag vor den Medien in Zürich. Es sei höchste Zeit, dass der für manche verstaubte Begriff "Reformation" mit Leben gefüllt werde.

Fehr zeigte sich denn auch stolz, dass "Zürich vor 500 Jahren an der Spitze einer Entwicklung stand, welche die Welt verändern sollte". Die überragende Bedeutung der Reformation für den ganzen Kanton Zürich war denn auch der Grund, das Jubiläum nicht nur kirchlich-religiös, sondern auch gesellschaftlich-kulturell zu feiern.

Den Verein "500 Jahre Zürcher Reformation" hat die Evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich deshalb gemeinsam mit Kanton und Stadt sowie dem Reformierten Stadtverband Zürich und Zürich Tourismus gegründet. An das Budget von 13,8 Millionen steuern der Kanton 8 Millionen und die Stadt 2,5 Millionen Franken bei.

Mit der Gesamtleitung beauftragt wurden Barbara Weber, Regisseurin und ehemalige Co-Direktorin des Theaters Neumarkt, und Martin Heller, Kurator und Kulturunternehmer. Weber und Heller sehen das Zürcher Reformationsjubiläum als Chance, sich den lokalen Verhältnissen anzunehmen, wie sie bei der Präsentation ihres Programms sagten.

Bisher 28 Projekte

Von Mitte 2017 bis Anfang 2019 finden im Kanton Zürich verschiedene Veranstaltungen und Angebote statt und zwar nicht als kompaktes Festival, sondern als weitläufige Programmlandschaft. Momentan gibt es 28 Projekte - diese werden aber laufend ergänzt. Die Veranstaltungen schliessen nahtlos an die Feierlichkeiten an, die in der ganzen Schweiz bereits zu "500 Jahre Reformation" stattfinden.

Die erste, richtig grosse in Zürich wahrnehmbare Veranstaltung ist gemäss Heller das Theaterstück "Akte Zwingli - Ein Mysterienspiel" von Regisseur Volker Hesse und Grossmünsterpfarrer Christoph Sigrist, das am 16. Juni im Grossmünster Uraufführung feiert. Gleichzeitig findet auf dem Münsterhof vom 16. bis 18. Juni ein Essmarkt mit szenischen Interventionen statt.

Weiter wird es Stadtführungen auf den Spuren Zwinglis, Vorlesungen, Ausstellungen, Jugend-Schreibprojekte und sogar ein Computerspiel geben. Geplant ist auch ein Forschungsprojekt mit der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ).

Bei vielen Projekten handelt es sich um Ko-Produktionen beispielsweise mit dem Opernhaus, dem Theater Neumarkt oder dem Landesmuseum. Zu finden sind die Veranstaltungen auf der Website "zh-reformation.ch", mit der auch zu Debatten angeregt werden soll.

Gemäss Zürcher Kirchenratspräsident Michel Müller soll das Programm die Zürcher Reformation aus verschiedenen Perspektiven beleuchten und sie in Beziehung zu aktuellen kirchlichen, gesellschaftlichen und politischen Fragen setzen.

1519: Schlüsseljahr der Zürcher Reformation

Eingeleitet worden war die Reformation 1517 von Martin Luther mit seinen Thesen gegen den Ablasshandel. In Zürich schloss sich der 1519 zum Leutpriester am Grossmünster gewählte Pfarrer Huldrych Zwingli dieser Bewegung an.

Zwingli wurde neben Luther zu einer der prägenden Figuren der Reformation. Die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) bezeichnete Zwingli denn auch als "eine der wichtigsten Figuren der Zürcher Geschichte".

Mit der Übergabe der weltlichen Macht durch die Äbtissin des Fraumünster-Klosters an den Rat von Zürich am 30. November 1524 setzte sich die Reformation in Zürich endgültig durch. Die Stadt etablierte sich danach - neben Wittenberg und Genf - als Zentrum des neuen Bekenntnisses.