Sie sind Kult. Aber sie sind auch schon sehr, sehr alt, die BLT-Trams mit dem Sänftenwagen in der Mitte. 30 Jahre haben einige von ihnen bereits auf den hiesigen Schienen verbracht. Und sie fahren noch immer: 25 bis 30 Kompositionen des Typs «Be 4/8 Sänfte» von Schindler sind laut der Baselland Transport AG noch auf der 17er- und 11er-Linie im Einsatz, wehren sich mit all ihren Ecken und Kanten – und dank einer 700 000 Franken teuren Revision im Jahr 2000 – dagegen, vom neuen Tango-Tram verdrängt zu werden.

Doch nach und nach geraten sie dennoch aufs Abstellgleis. Wortwörtlich. Mehrere Exemplare behält die BLT nur noch als eiserne Reserve, bewegt sie bloss ab und an, damit sie keine Standschäden erleiden – und verschenkt sie dann doch irgendwann nach Belgrad.

Doch genau diese Trams, neun Stück an der Zahl, sollen nun die Stadt Zürich vor dem Verkehrskollaps retten. Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) riefen um Hilfe, da sich die Lieferung von 70 neuen Flexity-2-Trams von Bombardier sicher bis 2019 verzögert. Und die BLT anerbot sich, neun alte Trams zum «Freundschaftspreis» zu verkaufen.

Dies berichtete «Radio Energy Zürich». BLT-Direktor Andreas Büttiker bestätigt, dass man den VBZ eine Offerte gemacht hat: «Dass wir bei so einer Notlage helfen, ist doch eine Selbstverständlichkeit.» Schliesslich sei der Markt an Trams, die auf dem Zürcher Netz fahren können, klein.

Das bestätigt auch VBZ-Sprecher Andreas Uhl: «Meterspur und 600 Volt Spannung, da mussten wir weit über die Grenze hinaus schauen.» Die BLT-Sänftentrams kämen gelegen, zumal in Zürich mit dem Tram 2000 noch ein typähnliches Modell unterwegs ist. Uhl betont allerdings: Entschieden sei noch nichts.

Er bestätigt aber Informationen dieser Zeitung, wonach die VBZ bereits einen Finanzierungs-Antrag an den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) gestellt haben. «Der ZVV steht aber noch am Anfang eines wochenlangen Prozesses, bei dem auch Alternativen geprüft werden», sagt Uhl.

Teure Revision nötig

Konkret gebe es neben der Trambeschaffung noch zwei weitere Varianten, den wohl bis 2020 andauernden Engpass – die Flexity werden nur tranchenweise geliefert – zu beseitigen: einen Busersatz oder das Einstellen von Linienabschnitten, die mehrfach erschlossen sind. Uhl: «Der ZVV wird sich natürlich die Frage stellen, ob es sich lohnt, alte Trams zu kaufen, die man teuer überholen muss aber nach wenigen Jahren bereits wieder überflüssig werden.»

Beim ZVV war gestern niemand erreichbar, Büttiker macht jedoch kein Geheimnis daraus: «Die neun Trams haben eine Betriebsbewilligung, aber für den täglichen Einsatz bräuchte es eine Revision.» Sollte es klappen, spricht Büttiker von einer Win-win-Situation – über die Höhe des «Freundschaftspreises» hüllt er freilich den Mantel des Schweigens.