Der heute 45-Jährige war 2004 in die Schweiz eingereist. Er heiratete zweimal - doch beide Ehen scheiterten nach kurzer Zeit. Damit erfüllte der Mann die Aufenthaltsbedingungen nicht mehr, und die zuständigen Stellen wollten dessen Aufenthaltsbewilligung nicht mehr verlängern.

Der Ausländer machte nun aber vor dem Zürcher Verwaltungsgericht geltend, aus medizinischen Gründen in der Schweiz verbleiben zu müssen. Denn er hatte komplexe Operationen hinter sich. Nachdem ihm vorübergehend ein Kunstherz eingesetzt worden war, wurde ihm im Juli 2011 am Universitätsspital Zürich erfolgreich ein Herz implantiert.

Engmaschige Kontrollen erforderlich

Gemäss Spitalbericht war der postoperative und auch der weitere Verlauf komplikationsreich gewesen. Aufgrund der multiplen Komplikationen würden "engmaschige ärztliche Kontrollen an einem universitären Zentrumsspital dringendst empfohlen".

Wie dem Urteil des Gerichts zu entnehmen ist, gingen das Migrationsamt und die Sicherheitsdirektion davon aus, dass die medizinische Betreuung im Herkunftsland des Mannes grundsätzlich möglich sei.

Das für die Nachbehandlung in Frage kommende Spital liege zwar vier Fahrstunden vom Heimatort des Mannes entfernt. Diese Fahrten seien aber alle drei Monate durchaus zumutbar. Zudem seien auch 19 der 20 benötigten Medikamente derzeit erhältlich. In Notfällen könnten schliesslich auch näher gelegene, lokale Krankenhäuser erste Unterstützung leisten.

"Schluss nicht nachvollziehbar"

Diesen Erwägungen könne nicht gefolgt werden, hält das Verwaltungsgericht demgegenüber in seinem kürzlich veröffentlichten Urteil fest. Der 45-Jährige sei gemäss den Arztberichten aus heutiger Sicht "dauerhaft auf eine hochspezialisierte, kurzfristig verfügbare (spitzen)medizinische Versorgung angewiesen".

Dies nicht nur in Bezug auf die reguläre Nachbehandlung, sondern "auch und gerade mit Blick auf die erhöhte Infektanfälligkeit", hält das Gericht fest. Der Schluss der Vorinstanzen, dass sich der Mann in Notfällen an ein lokales Spital wenden könnte, das nicht über spezifisches Fachwissen und die erforderliche Erfahrung im Umgang mit Transplantationspatienten verfüge, sei "nicht nachvollziehbar beziehungsweise willkürlich".

Zudem verweist das Verwaltungsgericht darauf, dass der Mann lebenslang auf eine strikte Medikamenteneinnahme angewiesen ist. Gemäss Angaben der Vorinstanz seien die Medikamente derzeit zwar vorrätig, bei Nachbestellungen könnten aber zwei bis vier Wochen vergehen. "Mit anderen Worten ist nicht gewährleistet, dass die teils lebensnotwendigen Medikamente lückenlos oder zumindest mit ausreichender Kontinuität erhältlich sind."

Für das Verwaltungsgericht ist damit klar, dass die medizinische Infrastruktur im Heimatland des Mannes nicht ausreicht: "Bei einer Rückkehr müsste mit schwerwiegenden, drastischen Verschlechterungen seines derzeit fragilen Gesundheitszustandes bis hin zu einem vorzeitigen Tod gerechnet werden."

Das Migrationsamt soll nun auf Geheiss des Verwaltungsgerichts die Aufenthaltsbewilligung des Mannes als sogenannter Härtefall verlängern. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.