Aus und vorbei
Hiltl-Club macht wegen Corona dicht: Beginnt jetzt das grosse Clubsterben?

Die Corona-Zwangspause zwingt den Hiltl-Club nach 14 Jahren in die Knie. Nachtleben-Exponenten fürchten, dass bald weiteren Lokalen der Schnauf ausgeht.

Adrian Müller, watson.ch
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Nach knapp 14 Jahren macht der Zürcher Hiltl-Club wegen Corona für immer zu.

Nach knapp 14 Jahren macht der Zürcher Hiltl-Club wegen Corona für immer zu.

Hiltl/zvg

Es ist das Ende einer Ära: Der weit über die Zürcher Stadtgrenzen hinaus bekannte Hiltl-Club schliesst nach 14 Jahren seine Türen für immer. «Schweren Herzens haben wir uns dazu entschlossen, den Club nicht aus der Corona-Pause zurückzuholen», teilt das Hiltl auf Instagram mit. Die sehr lange andauernde schwierige Situation und die fehlende Planungssicherheit hätten dazu geführt. Das Unternehmen will sich fortan ganz auf die Vegi-Restaurants konzentrieren. Der wohl einzige Club mit Pelzverbot in der Schweiz ist damit Geschichte.

Im Hiltl-Club hat sich ausgefeiert.

Im Hiltl-Club hat sich ausgefeiert.

Hiltl/zvg
«Ich werde die unvergesslichen Nächte so vermissen.»

Corona hin oder her: Es ist nicht das erste Nachtleben-Projekt, das Hiltl beendet: Ab 2017 baute er mit der «Perle» an der Langstrasse, dem Sihlpostclub an der Europaallee und den Events auf der Hiltl-Dachterrasse bei der Bahnhofstrasse sein Partyangebot aus. 2019 war aber Schluss. Der Aufwand, das Restaurant jedes Mal in den Sihlpostclub zu verwandeln, sei riesig, sagte Hiltl damals zu Tamedia.

Bislang mussten Mitarbeitende auch das Stammlokal an der St. Annagasse jedes Wochenende zu einem Club umbauen. Inwiefern dies zur Schliessung beigetragen hat, bleibt offen. Hiltl-Chef Rolf Hiltl äusserte sich trotz mehrmaliger Anfrage von watson nicht weiter zum Aus des Lokals.

Die Schliessung des Clubs gibt in der Partyszene zu reden. Auf Instagram zeigen sich Nachtschwärmerinnen betrübt. «Ich werde die unvergesslichen Nächte so vermissen», schreibt eine Userin. Das Hiltl sei nicht einfach irgend ein Club gewesen, sagt auch Alexander Bücheli, Sprecher der Bar- und Club kommission: «Das Aus ist ein herber Verlust. Das Lokal war für Sparten von elektronischer Musik ein prägender Ort.»

«Nach wie vor ist völlig unklar, wann die Clubs wieder öffnen können. Es gibt derzeit keine Perspektive.»

Nach dem «P1» in Dübendorf und dem Halligalli-Lokal «Mausefalle» ist das Hiltl der dritte Club in der Region Zürich, der wegen Corona dichtmacht. Für Bücheli zeigt das Aus des Hiltl exemplarisch, in welch schwieriger Lage sich die Nachtklubs derzeit befänden. Diese seien seit nunmehr fast sechs Monaten zwangeschlossen. «Nach wie vor ist völlig unklar, wann die Clubs wieder öffnen können. Es gibt derzeit keine Perspektive. Darum ist leider mit weiteren Schliessungen zu rechnen», so Bücheli.

Beginnt das grosse Clubsterben?

Auch das Berner Konzert- und Kulturlokal «Bierhübeli» kämpft mit der Planungsunsicherheit. «Wir machen uns grosse Sorgen», sagt Geschäftsführer Dave Naef zu watson. Er hofft ,wie alle anderen Betriebe, dass der Bundesrat der Nachtleben-Branche baldmöglichst eine Perspektive bietet. Aktuell passe man die Liquiditätspläne wöchentlich an. «Wir haben noch Schnauf. Aber spätestens im Herbst muss es wieder losgehen. Sonst könnte es nicht nur für uns kritisch werden.» 2020 sei man dank eigenen Reserven, Ausfallentschädigungen und Covid-Krediten noch mit einem «blauen Auge» davongekommen. Vor Corona führte das Bierhübeli jährlich rund 100 Konzerte und 60 Partys durch.

«Spätestens im Herbst muss es wieder losgehen. Sonst wird es kritisch.»