Kundgebung

Aus Protest gegen die Sparerei: Zürcher Schüler besetzen die Kanti Stadelhofen

Mehrere Dutzend Schüler kamen in Zürich zusammen, um den Widerstand gegen die kantonalen Sparmassnahmen im Bildungsbereich zu diskutieren.

Zürcher Gymnasiasten setzen ein Zeichen gegen die kantonalen Sparmassnahmen. Mit Sprechchören und Transparenten zogen rund 40 Schüler aus unterschiedlichen Schulen heute Nachmittag in die Kantonsschule Stadelhofen. Sie kamen unter anderem von der Kantonsschule Rämibühl und aus der Atelierschule – die Mittelschule der Rudolf Steiner Schulen. Gymnasiasten aus Winterthur waren mit einem Transparent vertreten, das folgende Aufschrift trug: «Gemeinsam gegen Kürzungen - kämpfend wie Löwen.» Rund 30 Stadelhofer Kollegen nahmen die auswärtigen Schüler an der hohen Promenade in Empfang – gemeinsam sangen sie Parolen, wie etwa: «Ganz Züri hasst Sozialabbau».

Die Kanti-Schüler machen lautstark auf sich aufmerksam, im Video sagt Sophie Boll, Mitinitiantin der «Gruppe gegen Sparmassnahmen», weshalb.

Die Kanti-Schüler machen lautstark auf sich aufmerksam, im Video sagt Sophie Boll, Mitinitiantin der «Gruppe gegen Sparmassnahmen», weshalb.

Ihr Protest richtet sich gegen die geplanten Kürzungen im Bildungsbereich. Der Regierungsrat will dort bis 2019 insgesamt 67 Millionen Franken streichen. Sophie Boll, Mitinitiantin der Kundgebung sagt dazu: «Das ist sparen an unserer Zukunft und unserer Ausbildung. Das können wir so nicht hinnehmen.» Und die junge Frau präzisiert, es sei eine Kundgebung, keine Demonstration. Man wolle sich nun zusammensetzen und überlegen, was gegen die Sparmassnahmen unternommen werden könne. «Diese Massnahmen lassen sich nicht vereinen mit unserer Überzeugung, dass Bildung ein Menschenrecht ist, und dass der Zugang zu ihr für alle offen sein soll, unabhängig von Einkommen und Lebensrealität», so Boll weiter.

Aufgerufen haben sie zur Aktion mit einem Flyer, den der Spruch «Sparmassnahme? Nöd mit ois!» ziert. Dieser machte via Whatsapp unter Schülern in der Region Zürich seine Runden. Das Mittelschul- und Berufsbildungsamt Zürich war über die bevorstehende Protestaktion im Bilde. Im Vorfeld sei man mit allen Schulleitungen via Schulleiterkonferenz im Kontakt gewesen, sagt Amtschef Marc Kummer. «Als der Ort der Besetzung bekannt war, trat ich umgehend mit der Schulleitung telefonisch in Kontakt. Wir haben uns über den Ablauf und Verlauf informiert», so Kummer weiter.

Noch mehr Unzufriedenheit

Parallel zum Demonstrationsaufruf hat Nick Glättli, Schüler an der Kantonsschule Zürcher Unterland in Bülach sich mit einem offenen Brief an die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) gewandt. Darin schreibt Glättli: «Die Sparpolitik der bürgerlichen Parteien, aufgrund der eigenen Steuer- und Finanzpolitik, ist unverantwortlich, gefährlich, heuchlerisch und ein Angriff auf die Zukunft der Jugend.» Glättli gehört einer Partei an, die er nicht nennen will, da der offene Brief auf eigenständiger Initiative beruhe, wie er sagt.

Seine Bedenken formuliert der Gymnasiast deutlich: «Durch die Sparmassnahmen wird für öffentliche Schulen die Konkurrenz durch private Bildungsstätten stärker. Diese können ihr Angebot halten oder sogar ausbauen.» Gute Bildung würde damit zu einem Geburtsrecht für jene Kinder verkommen, die vermögende Eltern hätten. Wie Kummer auf Anfrage mitteilt, habe man Kenntnis vom Brief und gehe in einer schriftlichen Antwort auf die aufgeworfenen Fragen des Schülers ein. Diese werde derzeit vorbereitet.

Zum Unmut in Schülerkreisen sagt Kummer: «Die Sparmassnahmen gehen auf einen Entscheid des Regierungsrates im Rahmen der Leistungsüberprüfung 16 zurück. Diese sind nun in Umsetzung.» Dennoch nehme man solche Proteste ernst. «Wir begrüssen, dass sich junge Menschen für politische Fragen interessieren und auch dafür engagieren», so Kummer weiter. Bereits vor rund einem Jahr haben Schüler am Tag der Bildung gegen die kantonalen Kürzungen demonstriert.

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