Weihnachtsmärkte 
Aus dem Sechseläutenplatz wird ein Wienachtsdorf

Laut dem erstmals umgesetzten neuen Konzept der Stadt Zürich soll nicht nur der Konsum im Vordergrund stehen.

Matthias Scharrer
Merken
Drucken
Teilen
Zürcher Wienachtsdorf
5 Bilder
Die Wienachtsdorf-Macherinnen Katja Weber und Vania Kukleta. (zvg).jpg
Etwa so soll das Wienachtsdorf auf dem Sechseläutenplatz ab Donnerstag, 19. November aussehen. (zvg).jpg
Blick über das werdende Wienachtsdorf auf dem Sechseläutenplatz..JPG
Die Aufbauarbeiten fürs Wienachtsdorf auf dem Sechseläuten platz sind nahezu fertig. (mts).JPG

Zürcher Wienachtsdorf

Matthias Scharrer

Weihnachtsmärkte, an denen man sich lediglich mit mehr oder weniger einfallsreichen Geschenken, Glühwein und Essen eindecken kann, sollen in Zürich schon bald der Vergangenheit angehören. Der Zürcher Weihnachtsmarkt der Zukunft wird derzeit auf dem Sechseläutenplatz aufgebaut. Er nennt sich Zürcher Wienachtsdorf. Der Name ist Programm: Nebst rund 100 Verkaufsständen sollen ab Donnerstag bis zum 24. Dezember diverse weitere Attraktionen dem Platz weihnachtliches Dorfleben einhauchen.

Zum Programm zählt auch ein Streichelzoo mit Esel und Geissen. Für weitere Tiere laufen noch Abklärungen mit dem Veterinäramt, wie Veranstalterin Vania Kukleta sagt. In der ersten Veranstaltungswoche gibt es im Wienachtsdorf ein kleines Bündnerdorf: Der Gastkanton Graubünden präsentiert sich mit Tieren, Handwerks- und Spezialitätenständen. Das Streichelzoo-Gehege in der Platzmitte nutzen anschliessend Schauspieler für ein Krippenspiel, Esel inklusive. Zudem sind ab 1. Dezember täglich zehn- bis fünfzehnminütige Gratiskonzerte mit Musikern des benachbarten Opernhauses angesagt. Sie finden jeweils um 17.30 Uhr im Opernhausfoyer statt.

Zürichs Weihnachtsmärkte im Überblick

Am Donnerstag, 19. November, punkt 18 Uhr beginnt in Zürich die Vorweihnachtszeit – mit dem Anschalten der Weihnachtsbeleuchtungen in der City. Gleichentags startet die Saison der Weihnachtsmärkte:

- Das Zürcher Wienachtsdorf auf dem Sechseläutenplatz wird um 16.30 Uhr eröffnet. Bis zum 23. Dezember ist es montags bis samstags jeweils von 11 bis 22 Uhr in Betrieb, sonntags von 11 bis 20 Uhr.

- Am gleichen Tag fängt auch der Weihnachtsmarkt auf dem Werdmühleplatz an. Dazu gehört schon seit Jahren der Singing Christmas Tree: Auf einer haushohen Bühne in Form eines Weihnachtsbaums singen Chöre aus der Region. Auch dieser Markt dauert bis 23. Dezember. Er ist werktags von 16 bis 21 Uhr und am Wochenende von 16 bis 21 Uhr geöffnet.

- Vom 19. November bis 24. Dezember findet im Zürcher Hauptbahnhof der Christkindlimarkt statt (So-Do 11-22 Uhr, Fr-Sa 11-23 Uhr). Mit 150 Marktständen ist es einer der grössten Indoor-Weihnachtsmärkte Europas.

- Der Weihnachtsmarkt im Niederdorf dauert vom 27. November bis 24. Dezember (Mo-Sa 11-20 Uhr, So 11-18 Uhr). Es ist Zürichs ältester Weihnachtsmarkt. (mts)

Speziell ist auch, dass diverse Stände dem Thema Upcycling verpflichtet sind. Gemeint ist damit Recycling, das zu neuen Produkten führt. «Das Angebot reicht von Taschen und Accessoires bis hin zu Velos und Uhren», sagt Kukleta. Ein Aussteller verkaufe Bienenvolk-Patenschaften: «Man mietet ein Bienenhaus, stellt es den Sommer über bei sich auf, schickt es im Herbst ein und erhält dafür den Honig.»

Eine Eisbahn und ein fahrendes Theater im Zirkuswagen gehören ebenfalls zum Wienachtsdorf. Unter anderem tritt dort die Märchenerzählerin Andrea Fischer auf. Auch Zaubertricks und Jonglierkünste sind zu erleben.

«Das Wienachtsdorf soll nicht nur als Weihnachtsmarkt wahrgenommen werden», so Kukleta. «Man kann auch zuschauen, wie Biberli hergestellt werden. Und man kann Keramikstunden auf dem Platz nehmen und die hergestellte Keramik vor Ort brennen lassen und mitnehmen.» Daneben umfasst das Angebot auch konventionellere Geschenkartikel wie Wein, Schmuck, Brillen, aber auch Vintage-Möbel – und natürlich gibts Verpflegungsstände.

Erfahrung mit neuen Märkten

Vania Kukleta (34) und Katja Weber (35) organisieren das Wienachtsdorf zusammen mit der Gewerbevereinigung Bellevue-Stadelhofen, dem Bööggbauer Lukas Maier und der Miteinander GmbH. Die beiden haben Erfahrung mit neuen Marktkonzepten: Seit sieben Jahren verwandeln sie unter dem Label «Montagsmarkt» urbane Orte in Zürich vorübergehend in bunte Märkte. Auch das Zürcher Street Food Festival haben sie auf die Beine gestellt. Weber zählt zudem zu den Macherinnen des Urban-Gardening-Lokals «Frau Gerolds Garten» beim Bahnhof Hardbrücke.

Mit dem Wienachtsdorf werden erstmals die letztes Jahr vom Zürcher Stadtrat erlassenen neuen Richtlinien zu Weihnachtsmärkten auf dem Münsterhof und auf dem Sechseläutenplatz umgesetzt. Die darin aufgeführten Qualitätskriterien gelten als Empfehlung auch für die bereits bestehenden Zürcher Weihnachtsmärkte, wie der Stadtrat mitteilte.

Erstes Kriterium ist, dass sich die Weihnachtsmärkte durch ein spezifisches Thema auszeichnen, nach dem sich das Angebot und die Gestaltung ausrichten. Zudem sollen regionale Spezialitäten im Angebot sein – und vorzugsweise fair gehandelte, ökologische Produkte. Auch soll die Gestaltung auf das städtebauliche Umfeld Bezug nehmen.

Von Markt zu Markt flanieren

Die neuen Richtlinien kommen nächstes Jahr erstmals auch auf dem Münsterhof zur Anwendung, den die Stadt derzeit neu gestaltet. «Die Idee ist, dass man zur Weihnachtszeit durch die ganze Innenstadt von Markt zu Markt flanieren kann», erklärt Anna Schindler, Direktorin von Stadtentwicklung Zürich.

Angesichts der bereits bestehenden Zürcher Weihnachtsmärkte im Niederdorf, an der Bahnhofstrasse, am Werdmühleplatz und im Hauptbahnhof glaubt sie nicht, dass ein Überangebot entsteht: «Grosse Weihnachtsmärkte haben wir noch nicht. Wir wollen mit den beiden Weihnachtsmärkten auf dem Sechseläutenplatz und dem Münsterhof etwas Eigenständiges anregen, das als Vorbild gelten kann», sagt Schindler.

Die Nachfrage von Anbieterseite scheint jedenfalls vorhanden zu sein: Obwohl einige der etablierten Anbieter zum Zeitpunkt der Ausschreibung bereits verplant waren, ist das Wienachtsdorf auf dem Sechseläutenplatz laut Kukleta praktisch ausgebucht. Auch Katja Weber macht sich keine Sorgen von wegen Überangebot: «Kreativen Menschen musst du eine Plattform bieten. Und je mehr Plattformen du bietest, umso mehr Nachfrage gibts.» Das habe sich schon bei anderen Märkten gezeigt, die sie mit Vania Kuleta aufgebaut hat.