Fusion
Aus 34 mach Eins: Stadtzürcher Reformierte wagen die grosse Reform

Die Struktur muss geändert werden: 34 eigenständige Kirchgemeinden sind zu viele – bis 2019 soll es nur noch eine geben.

Oliver Graf
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Kirche von Zürich-Enge: eine von 48 Stadtzürcher reformierten Gotteshäusern.

Kirche von Zürich-Enge: eine von 48 Stadtzürcher reformierten Gotteshäusern.

Keystone

Die reformierte Kirche der Stadt Zürich, zu der aus historischen Gründen auch die Kirchgemeinde von Oberengstringen gehört, gibt sich eine neue Struktur. Die Stimmberechtigten haben sich gestern dafür ausgesprochen, einen Reformschritt zu wagen.

Und sie haben dabei überraschend klar dafür votiert, gleich einen riesigen Schritt zu nehmen: Aus den heute bestehenden 34 Kirchgemeinden soll ein einziger Verbund werden. 32 Gemeinden haben sich für dieses sogenannten Modell 1 ausgesprochen (18 Gemeinden waren für eine Annahme erforderlich gewesen). Nur in Oberengstringen und in Witikon votierte eine Mehrheit für das weniger weitgehende Modell 2. Bei diesem hätten sich die 34 Kirchgemeinden auf freiwilliger Basis zusammengeschlossen, wohl zu etwa 17 Gemeinden.

Andreas Hurter, der Präsident des Reformierten Stadtverbandes Zürich zeigte sich gestern über den klaren Entscheid erfreut. «Es ist keine Patt-Situation entstanden», sagte Hurter. Die Stimmbeteiligungen, die in den Gemeinden zwischen 23 und 44 Prozent lagen, stufte er für eine «doch eher etwas technokratische Vorlage» als hoch ein. «Damit haben wir einen klaren Auftrag erhalten, in welche Richtung es nun gehen soll.»

Laut Andreas Hurter sollen die Arbeiten nun rasch vorangetrieben werden: Das Ziel müsse sein, die neue Struktur der Stadtzürcher Kirche auf die neue Legislatur umzusetzen. «Es ist ambitiös – aber am 1. Januar 2019 wollen wir starten.»

Ob dann wirklich nur noch eine einzige Grossgemeinde bestehen wird, ist noch nicht definitiv entschieden. Die Stimmberechtigten haben gestern an der Urne erst einen Grundsatzentscheid gefällt. Sie haben festgelegt, in welche Richtung es gehen soll. Die definitive Vorlage, die es nun auszuarbeiten gilt, wird den Stimmberechtigten dann erneut vorgelegt.

Mitgliederzahl bricht ein

Für die Verantwortlichen der reformierten Kirche der Stadt Zürich ist klar, dass sie ihre Strukturen ändern müssen. Denn diese sind noch auf ihre früheren Mitgliederzahlen ausgerichtet. So zählte die Landeskirche in den 1960er-Jahren noch rund 270 000 Angehörige. Derzeit sind es noch knapp 90 000.

Trotz dieser Entwicklung blieb es in all den Jahren bei 34 autonomen Kirchgemeinden, die in ihrem Liegenschaftenportfolio unverändert 48 Kirchen halten – rund ein Dutzend davon dürfte gemäss Schätzungen eigentlich nicht mehr benötigt werden. Die Kirche spricht von einem jährlichen Defizit von zehn Millionen Franken. Die Strukturreform soll die reformierte Kirche wieder zeitgemäss aufstellen.

Das Modell 1 sieht eine zentrale Kirchenpflege vor, die für die gesamte Finanzplanung, das Gesamtbudget und die Rechnung verantwortlich ist. Die bisherigen 34 Kirchgemeinden werden zu etwa 17 «Teilgemeinden» zusammengefasst, die mit eigenen Vorständen das kirchliche Leben vor Ort gestalten.

Oberengstringen: Ist Zürich zu weit entfernt?

Die reformierte Kirchenpflege von Oberengstringen hatte sich ebenfalls für eine Struktkurreform ausgesprochen. Sie hat dabei allerdings das weniger weit gehende Modell 2 favorisiert (dieses hätte wohl zu einer Fusion mit dem benachbarten Höngg geführt).
Die Stimmberechtigten von Oberengstringen sind dieser Empfehlung gefolgt. Allerdings vergeblich – die klare Mehrheit der 34 Kirchgemeinden hat sich für eine Grossfusion, das Modell 1, ausgesprochen. Kirchenpflegepräsidentin Claudia Trüb akzeptiert den Mehrheitsentscheid natürlich. «Was dieser Entscheid für Oberengstringen letzlich bedeutet, können wir heute noch nicht abschätzen.» In der Gemeinde bestehe die Befürchtung, dass ein zentralistisches Gebilde in Zürich «etwas weit von uns weg ist», sagt Claudia Trüb. Aber, gibt sie zu Bedneken, nun würden ja erst die Details ausgearbeitet, dann werde sich zeigen, wie die Grossgemeinde wirklich organsiert sei. Die Kirchenpflege werde sich bei diesen Arbeiten einbringen.