Als Fredi Hofmann 1941 im Alter von zwei Jahren in die Aumüli einzog, ahnte er noch nicht, dass sein Zuhause dereinst ein Ortsbild von nationaler Bedeutung würde. Sein Vater hatte einen Teil des Weilers bei Stallikon im Reppischtal gekauft, um dort Landwirtschaft zu betreiben.

«Die Stadt gehört den Juden, das Land den Bernern, so sagte man damals», erinnert sich Hofmann, der selbst einem Berner Geschlecht entstammt. Das Lächeln des 75-Jährigen lässt ahnen, dass er sich ein wenig für die heute unzeitgemässe Formulierung genieren mag.

Die ländliche Gegend auf der Südseite des Üetlibergs blieb vom Bauboom, der im Grossraum Zürich später einsetzte, lange verschont. Mehrere Gründe trugen dazu bei: Zum einen lag sie abseits der grossen Verkehrswege. Zum anderen hatte der Bund bereits 1983 die Landschaft Albiskette-Reppischtal als national bedeutend inventarisiert. So kam es, dass die alte Mühle und die dazugehörigen Landwirtschaftsgebäude als Zeugen einer Wirtschaftsweise aus vergangenen Jahrhunderten erhalten blieben.

Doch auch die Schutzbemühungen veränderten sich: Zum Landschaftsschutz und dem Denkmalschutz einzelner Gebäude kam der Schutz der Ortsbilder hinzu. Und während früher nur mittelalterliche Stadtkerne als wertvolle Ortsbilder angesehen wurden, «können heute auch ländliche Siedlungen, Weiler und Dörfer nationale Bedeutung haben», wie das Bundesamt für Kultur schreibt.

Es nahm die Aumüli deshalb Ende 2012 ins Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (Isos) auf. Der soeben veröffentlichte Band 1 der Isos-Buchreihe über die 75 Zürcher Ortsbilder von nationaler Bedeutung – er deckt die Regionen Zürichsee und Knonaueramt ab – beginnt mit der Aumüli.

Anfänge im Hochmittelalter

Ihre Anfänge reichen zurück bis ins Hochmittelalter. Doch ihr heutiges Erscheinungsbild stammt aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Der Grund: 1766 hatte ein Brand einen grossen Teil der Mühle verwüstet.

Anfang der 1990er-Jahre drohte erneut Verwüstung: Auf dem Gebiet der Aumüli wurde der Bau von Mehrfamilienhäusern geplant. Doch die Gemeindeversammlung verwarf das Bauprojekt. In der Folge entstanden die Stiftung und der Verein Pro Aumüli Stallikon, präsidiert von Fredi Hofmann.

1999 kaufte die Stiftung die Mühlegebäude, um sie zu erhalten und neu zu nutzen. Der Verein, der heute rund 100 Mitglieder zählt, restaurierte die Gebäude. Hofmann, selbst gelernter Schreiner, packte dabei kräftig mit an. Andere Handwerker aus der Umgebung halfen mit.

Seit 2009 wird wieder gemüllert

«Heute sind wir ein Museum, das lebt», sagt Hofmann und führt durch die Siedlung. Eines der alten Gebäude bewohnt er selbst mit seiner Frau, ein anderes ist vermietet. Seit 2009 ist die alte Mühle wieder in ihrer ursprünglichen Funktion in Betrieb: Ein grosses Mühlrad wurde eingebaut; der kleine Kanal instand gesetzt, um Wasser von der Reppisch abzuzweigen. Und im Inneren des Hauptgebäudes wurde eine Getreidemühle wie anno dazumal eingebaut.

Sie ist das Reich des Rentners Toni Amrein, der hier müllert. Amrein betreibt auch die Sägerei im Vorbau gleich neben dem Mühlrad. In einem Nebengebäude befinden sich ausserdem eine Schnapsbrennerei und eine mit Wasserkraft betriebene Wäscherei aus alten Zeiten. Auch ein Aufenthaltsraum, der für Feste gemietet werden kann, steht zur Verfügung. Geld in die Vereinskasse bringen zudem die Führungen. «Über 40 sind es pro Jahr», sagt Hofmann stolz.

Die Einnahmen könne der Verein gut gebrauchen, denn der Erhalt der Gebäude ist aufwendig. So bröckelt der Verputz längst vom Hauptgebäude der Mühle. Er wurde nach dem Brand von 1766 aus Molke und Kalk gemischt, wie Hofmann von einem Denkmalpfleger erfuhr. Das Verfahren kenne heute kein Maurer mehr.

Rund 300 000 Franken wären laut Hofmann nötig, um die Fassade originalgetreu zu erneuern. Auch wenn der Denkmalschutz die Hälfte davon übernehmen würde – eine grosse Summe für Hofmann und seinen Verein. Zu gross im Moment.

«Man kann hier nichts machen, ohne dass die Denkmalpflege das Sagen hat», sagt Hofmann, der sich allmählich um seine Nachfolge sorgt. Beinahe trotzig fügt er hinzu: «Doch wenn das Haus modern verputzt würde, wäre es nicht mehr die Aumüli.»