Integration

Auftakt mit Flüchtlingschor ist gelungen: «Mutig, dass ihr gekommen seid!»

Christoph Homberger dirigiert den Chor: Ein Mal wöchentlich werden Schweizer und Flüchtlinge nun zusammen üben.

Christoph Homberger dirigiert den Chor: Ein Mal wöchentlich werden Schweizer und Flüchtlinge nun zusammen üben.

Christoph Homberger will mit dem Flüchtlingschor Asylsuchende und Schweizer über die Musik näher zusammenbringen. An der ersten Probe erschienen rund 20 Flüchtlinge - ein Erfolg für den Dirigenten. Mit dem Chor arbeitet er nun auf ein Konzert hin.

Harmonischer Gesang wird vom Wind über den Lindenhof getragen. Viele Touristen nutzen das sonnige, frühherbstliche Wetter, um von hier oben die Sicht auf den Limmatquai und Zürichs Altstadt zu geniessen.

Auf ihrem Weg durch die Stadt bleiben viele von ihnen in einer Ecke des Platzes kurz stehen und zücken ihre Kameras. Denn unter den stattlichen Linden singen rund 100 kunterbunt durchmischte Menschen die bekannte Melodie des Guggisberglieds.

Auch Loucia ist mit ihrem Mann und ihren zwei kleinen Söhnen zum Singen auf den Lindenhof gekommen. Die Familie flüchtete vor zwei Monaten aus dem kriegszerrütteten Syrien in die Schweiz. Sie hätten von der Aktion erzählt bekommen und waren gespannt und neugierig, mehr über die einheimische Kultur zu erfahren. «Für uns ist noch alles neu. Wir wollen mehr über die Schweiz wissen», erzählt die Mutter. Dies sei ihre erste richtige Erfahrung ausserhalb des Durchgangszentrums gewesen und ihr habe die erste Probe sehr gut gefallen. Deshalb würden sie und ihre Familie gerne zu weiteren Proben kommen.

«Wir wollen mehr über die Schweiz wissen»

Auch Loucia ist mit ihrem Mann und ihren zwei kleinen Söhnen zum Singen auf den Lindenhof gekommen. Die Familie flüchtete vor zwei Monaten aus dem kriegszerrütteten Syrien in die Schweiz. Sie hätten von der Aktion erzählt bekommen und waren gespannt und neugierig, mehr über die einheimische Kultur zu erfahren. «Für uns ist noch alles neu. Wir wollen mehr über die Schweiz wissen», erzählt die Mutter. Dies sei ihre erste richtige Erfahrung ausserhalb des Durchgangszentrums gewesen und ihr habe die erste Probe sehr gut gefallen. Deshalb würden sie und ihre Familie gerne zu weiteren Proben kommen.

Christoph Homberger, der auf einer kleinen Steinmauer vor ihnen steht, führt die Sänger d

Erste Probe von Christoph Hombergers Flüchtlingschor - Guggisberglied

Erste Probe von Christoph Hombergers Flüchtlingschor - Guggisberglied

urch die Melodie und gibt das Tempo vor. Dynamisch und mit vollem Körpereinsatz wirbeln seine Hände durch die Luft. Man merkt, dass er in seinem Element ist.

So sehr, dass er auch einige der jungen, mitsingenden Eritreer mitreisst. Sie imitieren zaghaft seine Bewegungen und geben sich ganz dem Klang ihrer Stimme hin.

Integrative Kraft des Singens

«Von Anfang an herrschte ein angstfreier Raum, und es begann sofort gut zu klingen», sagt Homberger anschliessend erfreut. Der professionelle Opernsänger hatte am Samstagnachmittag zur ersten Probe für sein neues Projekt gerufen: einem Flüchtlingschor. Unter dem Namen «’s isch äbene Mönsch» will er Asylsuchende und Schweizer über das gemeinsame Singen in einem Chor zusammenbringen und auf beiden Seiten Ängste abbauen.

«Ich glaube fest an die integrative Kraft des Singens», so Homberger. Dabei will er sich selbst möglichst wenig in den Mittelpunkt stellen: «Mir ist wichtig, dass es hier nicht um mich geht, sondern um die Involvierten.»

Bis Ende März wird der Chor sich ab heute jeden Montagabend im Kirchgemeindehaus Aussersihl zum Proben treffen, bevor ein Abschlusskonzert ansteht. Die Teilnahme ist unverbindlich, jeder kann kommen, wie es ihm zeitlich passt. Bis zum Auftritt erhofft sich Homberger, dass der Chor noch stark wachsen wird. Wie genau das Konzert aussehen wird, ist bisher noch offen.

Fest steht nur, dass «schöne, Schweizer Lieder» wie das Guggisberglied auf dem Programm stehen, sagt Homberger: «Mal schauen, wie weit wir in sechs Monaten kommen.» Wichtig ist ihm vor allem, dass es einen krönenden Abschluss geben wird. Denn singen mit einem Ziel sei wichtig für die Motivation.

Erste Probe von Christoph Hombergers Flüchtlingschor - Aufwärmübungen für die Stimme

Erste Probe von Christoph Hombergers Flüchtlingschor - Aufwärmübungen für die Stimme

«Mutig, dass ihr gekommen seid»

Neben vielen Schweizern sind auch rund 20 Flüchtlinge aus Eritrea, Syrien und anderen Nationen dem Aufruf gefolgt und stehen jetzt auf dem altehrwürdigen Zürcher Stadtplatz. Mit der Hilfe eines ehemaligen Flüchtlings stellte das Organisationsteam um Homberger den Kontakt zu den Neuankömmlingen her.

«Ich finde es mutig und toll, dass ihr gekommen seid», begrüsst Homberger die Flüchtlinge. Schliesslich hätten sie keine Ahnung, worauf sie sich einlassen würden. Ein Übersetzer stellt sicher, dass alle Chormitglieder ihn verstehen. Mit aufbauenden Worten lädt Homberger alle Anwesenden ein, ihm in die Welt des opulenten Gesangs zu folgen. «Für das Singen braucht es keine Sprache. Ich weiss, dass es jeder kann.»

Los gehts mit einigen melodischen Übungen. Nach wenigen Versuchen verschmelzen die vielen Stimmen im Chor zu einem harmonischen Klangkörper. Für viele der erst vor knapp zwei Monaten in die Schweiz gekommenen Asylsuchenden folgt anschliessend der erste kleine Exkurs in die Schweizer Volksmusik, als Homberger die Melodie des Guggisberglieds anstimmt.

Mit der Zeit beginnt er, dass Tempo und die Lautstärke immer dynamischer zu variieren. Nach rund 40 Minuten ist die erste Probe vorbei und die Menschenmenge verstreut sich wieder langsam über den Platz. Die jungen Eritreer lassen sich ein gemeinsames Selfie und einen kurzen Plausch mit dem bekannten Opernsänger nicht nehmen.

Für Homberger war der Auftakt gelungen. Er nehme bei den Flüchtlingen ein grosses Misstrauen gegenüber ähnlichen Projekten wahr, denn oft würden sie in der Schweiz sehr abweisend und kalt empfangen. Deshalb freue er sich besonders, dass die Anwesenden ihm begeistert erzählten, dass sie gerne wiederkämen.

Proben:

Bis Ende März 2016 jeden Montag um 19 Uhr im Kirchgemeindehaus Aussersihl, Stauffacherstrasse 8/10 Zürich

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