Dumpinglöhne
Auf Zara-Baustelle wird wieder gearbeitet - Unia mit Lohndumping-Initiative

Der Konflikt um die Baustelle des neuen Zara-«Flagshipstores» an der Bahnhofstrasse ist beigelegt. Vor zwei Wochen hatte die Unia die Einstellung der Arbeit veranlasst, nachdem Lohndumping bekannt geworden war. Die Unia lanciert nun eine Initiative.

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Zum Teil erhielten die Bauarbeiter Löhne von 900 bis 2000 Franken bei bis zu 60 Wochenarbeitsstunden.

Zum Teil erhielten die Bauarbeiter Löhne von 900 bis 2000 Franken bei bis zu 60 Wochenarbeitsstunden.

Keystone

In der Nacht auf Dienstag legten die Gewerkschaft Unia und das Bauunternehmen Goa Invest S.A. mit einer schriftlichen Vereinbarung den Arbeitskonflikt auf der Zara-Baustelle an der Bahnhofstrasse bei. Die Goa Invest übernimmt demnach die Verantwortung für die Subunternehmen, wie Roman Burger, Geschäftsleiter der Unia Region Zürich-Schaffhausen, vor den Medien sagte. Sie stelle sicher, dass die geltenden Verträge bis zum Abschluss der Bauarbeiten eingehalten würden.

Einige Subunternehmen hätten bereits mit Lohnnachzahlungen begonnen. Damit auch sicher alle Arbeiter zu ihren korrekten Löhnen kommen, wurde ein Sperrkonto mit 450 000 Franken eingerichtet. Die Höhe des Betrags zeige den Umfang der Verstösse, sagte Burger. Einzelne Arbeiter hätten Anspruch auf ein paar tausend Franken Nachzahlung.

Als Zeichen dafür, dass es seine soziale Verantwortung wahrnehmen wolle, sicherte das Bauunternehmen ausserdem eine Spende von 150 000 Franken an das Hilfswerk Solidar zu. Die Vereinbarung enthält zudem für die gesamte verbleibende Bauzeit Kontrollmechanismen.

900 bis 2000 Franken

Auf der Zara-Baustelle sind rund 100 Bauarbeiter aus Spanien beschäftigt. Vor zwei Wochen hatte die Unia die Einstellung der Arbeiten veranlasst, nachdem Fälle von schwerem Lohndumping bekannt geworden waren: Zum Teil erhielten die Bauarbeiter Löhne von 900 bis 2000 Franken bei bis zu 60 Wochenarbeitsstunden.

Die Konflikt-Lösung gelang nun mit der Vereinbarung mit Goa Invest. Das spanische Bauunternehmen ist eine Tochter der spanischen Inditex. Es baut weltweit Läden für die Modekette Zara, ebenfalls eine Tochter der Inditex. Die Besitzerin der Liegenschaft in Zürich, PSP Property, war laut Burger nicht an der Vereinbarung beteiligt.

Der Lohndumping-Fall auf der Zara-Baustelle ist nur ein Beispiel dafür, wie Schweizer Arbeitsbedingungen systematisch unterlaufen würden, betonte Burger. Betroffen seien bei weitem nicht nur Baustellen, die Missstände breiteten sich auf immer mehr Branchen aus. Die flankierenden Massnahmen zum Schutz der Schweizer Löhne würden damit ausgehebelt. Weder auf Bundes- noch auf kantonaler Ebene werde das Problem mit der nötigen Entschlossenheit angegangen, kritisierte Burger. Im Gegenteil, die aktuellen flankierenden Massnahmen würden gar in-frage gestellt.

Zwar gebe es durchaus Kontrollorgane, ihnen fehlten aber griffige Instrumente, um die geltenden Regelungen durchzusetzen. Diese Instrumente will die Gewerkschaft ihnen jetzt mithilfe einer kantonalen Volksinitiative gegen Lohndumping in die Hand geben. Noch diese Woche werde man den Initiativtext zur Prüfung einreichen.

Rasche Reaktion möglich

Bei dringendem Verdacht auf Lohndumping kann gemäss Initiative das zuständige Kontrollorgan die sofortige Einstellung der Arbeit beantragen. Bevor die Arbeit wieder aufgenommen werden kann, muss entweder nachgewiesen sein, dass alles korrekt läuft, oder die Nachzahlung der korrekten Löhne muss sichergestellt sein.

Auch künftig werde mit Augenmass vorzugehen sein, sagte Burger. Wenn nötig, sei es aber möglich, rasch zu reagieren. Heute könnten Massnahmen der Kontrollorgane von den fehlbaren Unternehmen monate- und jahrelang verzögert werden.(sda)