Dass LSD das Bewusstsein vorübergehend verändert, ist spätestens seit der Hippie-Bewegung ins allgemeine Bewusstsein durchgedrungen. Doch was genau im Gehirn passiert, wenn die halluzinogene Droge wirkt – und was das allgemein über die Funktionsweise des menschlichen Hirns besagt, darüber wird weiterhin geforscht.

So meldete die Uni Zürich gestern in einer Medienmitteilung: «LSD wirkt über Serotonin-Rezeptoren wahrnehmungsverändernd.» Dies hätten Forschungen der Universität Zürich ergeben, deren Resultate kürzlich in der Fachzeitschrift «Current Biology» veröffentlicht wurden.

Das Experiment

Die Experimente dazu fanden unlängst in der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (PUK) statt. 22 Freiwillige – 17 Männer und 5 Frauen im Alter von 20 bis 34 Jahren – nahmen als Probanden an den Versuchen teil.

Die federführende Forscherin Katrin Preller schildert, wie das Experiment konkret ablief: «Zuerst gab es einen Besuch in der Klinik, um sich kennenzulernen.» Gleichenorts klärten PUK-Ärzte ab, ob die Probanden körperlich und psychisch fit seien. «Die Probanden brachten Musik mit, die ihnen etwas bedeutet. Wir suchten ähnliche Musik heraus, die sie noch nicht gehört hatten – und Musik, die sie als völlig irrelevant klassifizierten.» Meistens habe es sich bei letzteren Klängen um Freejazz gehandelt.

Die Probanden bekamen sodann entweder ein wirkungsloses Placebomittel verabreicht oder ein Mittel, das die sogenannten Serotonin 2A-Rezeptoren blockiert, die für die Signalübermittlung im Hirn wichtig sind. Eine Stunde später erhielten sie entweder nochmals ein Placebomittel – oder eine mittlere Dosis LSD.

Wiederum eine Stunde später kamen sie in die Magnetresonanz-Röhre, mit der sich das Hirn scannen lässt. Dort wurden sie beschallt: teils mit Musik, die ihnen schon zuvor etwas bedeutete, teils mit ganz anderer, etwa Freejazz. Eine Viertelstunde dauerte die Beschallung, aufgeteilt in 30 Musiksequenzen à 20 Sekunden.

Danach bewerteten sie, was ihnen die Musik bedeutete – und wie es ihnen sonst noch so erging. «Vorher als unbedeutend klassifizierte Musikstücke wurden unter LSD plötzlich zu persönlich bedeutenden Musikstücken», so Preller. Zudem berichteten sie von Halluzinationen, etwa grafischen Mustern, die sie gesehen hätten, von veränderter Raumwahrnehmung, Glücksgefühlen, vom Zerfliessen der körperlichen Selbstgrenzen und dem Gefühl, eins mit allem zu sein. Angstgefühle hingegen seien nur wenig verstärkt aufgekommen. Einen Horrortrip habe niemand erlebt.

Für das Forscherteam um Preller waren zwei Erkenntnisse wichtig. Zum einen: LSD beeinflusst, was wir als bedeutend erleben. Zum anderen: Wurde vor der LSD-Einnahme der Serotonin 2A-Rezeptor blockiert, verschwand dieser Effekt – wie auch alle anderen durch LSD ausgelösten psychischen Veränderungen. Offenbar sind die Serotonin 2A-Rezeptoren entscheidend dafür, wie wir der Umwelt Bedeutung zumessen.

Keine anhaltenden Nebenwirkungen

Laut Preller könnte dieses Wissen zur Entwicklung von Medikamenten beitragen, mit denen sich psychische Krankheiten wie beispielsweise Schizophrenie behandeln liessen. Bei Verfolgungsängsten, aber auch bei Spinnenphobien, um ein weniger drastisches Beispiel zu nennen, handle es sich ja um veränderte Arten, wie wir der Umwelt Bedeutung zumessen.

Preller hat sich schon öfters mit der Erforschung von Drogen wissenschaftlich befasst. «Mich fasziniert, wie die chemischen Prozesse im Hirn ablaufen und welche kognitiven Funktionen damit zusammenhängen», erklärt die 32-Jährige ihr Forschungsinteresse und bringt es mit einer Frage auf den Punkt: «Was ist die chemische Basis unseres Verhaltens und Denkens?»

Die Probanden des LSD-Versuchs wurden drei Monate später nochmals befragt. Laut Preller klagte keiner von ihnen über anhaltende Neben- oder Nachwirkungen. Preller selbst hat sich nach sechs Jahren an der PUK erst mal aus Zürich verabschiedet: Sie weilt derzeit an der Yale-Universität in New Haven, USA. Der Uni Zürich bleibe sie aber verbunden, erklärt sie am Telefon.