Die Website gutenachtbarschaft.ch will das gegenseitige Verständnis zwischen Partygängern, Nachtlokalbetreibern und Anwohnern fördern. Sie ist als gemeinsames Projekt von der Zürcher Stadtverwaltung, der Quartierkonferenz, der Bar- und Clubkommission, sowie dem Nachtstadtrat an einem runden Tisch entstanden. Grund für die Einladung der Stadt an diese Interessensvertreter war das ewige Spannungsfeld zwischen Lärm, Abfall und der Kultur des Nachtlebens.

Und die Interessenskonflikte wurden an der gestrigen Pressekonferenz im Verwaltungszentrum Werd offen ausgetragen. Isabelle von Walterskirchen, Präsidentin des Nachtstadtrates, sagt: «Das Partyvolk von Zürich ist ziemlich angenehm.» Zugleich kontert der Quartierkonferenz-Vertreter Charles Weibel: «Die Anwohner würden gerne das Wort Rücksicht im Bewusstsein der Nachtschwärmer wieder finden.» Stadtrat Richard Wolff (AL) fasst zusammen: «Genau wegen diesem Spannungsfeld haben wir uns zusammengesetzt und diese Website lanciert.»

 
Ein Netzwerk für alle


Die Homepage bietet Informationen, was man tun kann, wenn man vom Lärm betroffen ist oder was man berücksichtigen soll, wenn man ein Fest organisiert oder selber ein Lokal betreibt. Die Vertreter der einzelnen Interessensgruppen erhoffen sich durch die Homepage, dass beispielsweise die Eskalationsstufe bezüglich Lärmklagen gesenkt werden kann.

Die Website gibt deshalb Ratschläge, welche Alternativen zum Polizeinotruf von lärmgeplagten Anwohnern gewählt werden können. Sie verweist explizit auf die Kontaktaufnahme mit der Sip Züri (Sicherheit Intervention Prävention) und erwähnt insbesondere die Fachgruppe für Lärmklagen des Sicherheitsdepartementes. In einer Kontaktrubrik werden alle möglichen Anlaufstellen rund um das Thema Lärm, Sauberkeit, Jugendschutz und wichtigen Zahlen und Fakten zum städtischen Nachtleben geboten.


Dennoch handelt es sich bei der gestern lancierten Homepage nicht um ein Partyportal. Vielmehr soll es verunsicherten Partygängern Informationen rund um das Thema Nachtruhe und eigener Sicherheit bieten. Als Vorbild für die Zürcher Kooperation dienten im Übrigen Konzepte aus den Städten Berlin und Amsterdam.

Finanziert wurde die Projektgruppe mehrheitlich von der Stadt. Diese tätigte dafür eine Investition von rund 55 000 Franken. Unter die Ausgaben fallen auch eine Flyeraktion, die durch die Bar- und Clubbetreiber der Stadt nun umgesetzt werden soll, damit das Netzwerk an Bekanntheit gewinnt.


Kommunikation statt Repression


Die Investitionssumme relativiert sich in Anbetracht der Grösse des Zürcher Nachtlebens. Pro Jahr setzen die über 600 Zürcher Nachtlokale rund 200 Millionen Franken um. Es werden jährlich knapp 4 Millionen Nachtschwärmer in Bars und Clubs unterhalten und verköstigt. Dies übernehmen die insgesamt 3000 Angestellten im Zürcher Nachtleben.


Stadtrat Wolff betont indes: «Das Nachtleben ist wichtig, bedeutet soziale Begegnung und Austausch und ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.» Deshalb wird die gute Nachtbarschaft noch während ein bis zwei Jahren als Teilprojekt des städtischen «Nachtlebens» weitergeführt. Die anwesenden Interessenvertreter indes möchten am gemeinsamen Austausch festhalten.

Es wird deutlich, dass sich an diesem runden Tisch Gremien mit unterschiedlicher Optik getroffen haben, die auf Kommunikation statt Repression setzen möchten. So sagt Weibel von der Quartierkonferenz: «Ich wusste bis vor einem Jahr nicht, dass wir einen Nachtstadtrat haben.»