Sexgewerbe

Auf dem Strichplatz in Zürich-Altstetten droht Personalmangel

Kein ungeschützter Verkehr: Zürcher Sexboxen mit Präventionsplakaten.KEY

Kein ungeschützter Verkehr: Zürcher Sexboxen mit Präventionsplakaten.KEY

Nach einem halben Jahr muss der Strichplatzchef beim Betreuungs- und Sicherheitspersonal abbauen

Der Zürcher Strichplatz ist bereit zur Eröffnung. Am 26. August soll sie stattfinden. Die Sexboxen stehen: Holzgaragen, in die Freier mit Prostituierten fahren können, um Sex zu haben. Ausgestattet sind die Boxen mit Fluchtwegen und Alarmknöpfen auf der Beifahrerseite sowie Aids-Präventionsplakaten. Auch die Fahrschlaufe mit den hölzernen Haltestellen, wo sich die Sexarbeiterinnen der Kundschaft präsentieren werden, ist fertig. Zur Ausstattung des Platzes nahe beim Bahnhof Altstetten zählen zudem: Toiletten, vier Standplätze für Wohnmobile von Prostituierten und ein Container der Beratungsstelle Flora Dora.

«Wir probieren hier etwas aus. Es gibt keine Erfolgsgarantie», sagte Stadtrat Martin Waser (SP) gestern bei der Präsentation vor Medien aus dem In- und Ausland. Er erinnerte an die Ziele des von den Stimmberechtigten abgesegneten Experiments: «Prostitution soll menschenwürdig stattfinden, unter Wahrung des Selbstbestimmungsrechts und stadtverträglich.» Dies im Gegensatz zum bisherigen Strassenstrich am Sihlquai, wo die Frauen der Gewalt von Freiern, Zuhältern sowie den Blicken von Gaffern ausgesetzt seien und Anwohnern zum Ärgernis wurden.

Als mögliches Haupthindernis für ein Funktionieren des Strichplatzes nannte Waser die Gefahr, dass grosse Medienpräsenz nach der Eröffnung Freier abhalten könnte. Einen anderen Aspekt rückte Strichplatzchef Michael Herzig, Vizedirektor der sozialen Einrichtungen und Betriebe der Stadt Zürich, in den Vordergrund. Beispiele von Strichplätzen im Ausland hätten gezeigt: «Kontrolle ist der Erfolgsfaktor. Wenn sich eine Gemeinde das nicht leisten will, übernehmen die Zuhälter.»

Und genau in diesem Punkt ist die Zukunft des Strichplatzes unklar, wie Herzig am Rande der Medienorientierung auf Nachfrage sagte. Der Platz ist ab 26. August täglich von 19 bis 5 Uhr für Prostituierte und Freier geöffnet. Ab 19 Uhr sind zwei Betreuerinnen der Beratungsstelle Flora Dora präsent, und Polizeipatrouillen halten sich in der Nähe des Platzes auf. Ab 22 Uhr verstärkt ein Mitarbeiter der SIP-Zürich-Einheiten (SIP steht für Sicherheit, Intervention, Prävention) die Flora-Dora-Frauen. Um Mitternacht verlassen diese den Platz, und ein weiterer SIP-Mitarbeiter stösst hinzu. Während der Öffnungszeiten sind also immer mindestens zwei Betreuungs- und Kontrollpersonen auf dem Platz. Sie sollen etwa dafür sorgen, dass nicht mehr als ein Freier pro Auto einfährt und die Prostituierten das Areal nicht mit Freiern verlassen.

Allerdings ist diese Personaldotation nur für das erste halbe Jahr garantiert. «Dann muss ich aus Budgetgründen herunterfahren», so Herzig. Beim bestehenden Budget sei das Modell mit mindestens zwei Betreuungspersonen auf dem Platz nach dem ersten Halbjahr nur noch während sechs Tagen pro Woche finanzierbar. Wie er die Strichplatzbetreuung danach gestalten werde, wisse er noch nicht, sagte Herzig.

Ohnehin wollen die Verantwortlichen nach drei Monaten eine erste Zwischenbilanz zum Strichplatz ziehen. Doch zunächst einmal gilt es, den Strich vom Sihlquai zum Strichplatz zu bringen. Die Prostituierten werden mit Flyern auf den Standortwechsel aufmerksam gemacht, ihre Kunden mit Plakaten, einer Website und ab 26. August mit Wegweisern. Zudem werde die Polizei die Prostitution am Sihlquai ab diesem Tag strikt unterbinden, hiess es.

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