Die Landwirte sind nicht die einzigen, denen der kalten Frühling zusetzt; auch das Stadtzürcher Steueramt bekommt ihn zu spüren. Viele Leute blieben angesichts des lausigen Wetters während der Ostertage in ihren eigenen vier Wänden und kamen dort notgedrungen irgendwann auf die Idee, sich an den Tisch zu setzen und ihre Steuererklärung auszufüllen – gerade noch rechtzeitig vor Ablauf der offiziellen Frist.

Sieben Palette voller Steuererklärungen sind am Dienstag beim städtischen Steueramt angeliefert worden, wie Direktor Bruno Fässler auf Anfrage sagt. Das entspreche etwa 15 000 Couverts, was ein aussergewöhnlicher Rücklauf sei. Fässler rechnet damit, dass bis Ende der Woche Tag für Tag nochmals ähnlich viele dazu kommen. Unter dem Strich dürften so innert kürzester Zeit bis zu 10 Prozent aller Steuererklärungen im Amt eintreffen.

Das bedeutet vor allem für jene Leute viel Arbeit, die mit dem Einscannen der Dokumente beschäftigt sind. Es handelt sich dabei um mehrere Dutzend Aushilfskräfte, vor allem Studentinnen und Studenten, die jeweils während der Frühlingsmonate eigens dafür angestellt werden. Sie kümmern sich nicht nur um die 250 000 Stadtzürcher Steuererklärungen, sondern auch um fast 500 000 weitere aus anderen Gemeinden und aus dem Kanton Luzern, für die das städtische Steueramt diesen Job erledigt. Für Entlastung sorgt, dass die Zahl der Online-Steuererklärungen deutlich steigt. Laut Fässler dürften dieses Jahr etwa 12 Prozent aller Steuerpflichtigen ihre Daten direkt über einen Webbrowser erfassen, doppelt so viele wie im Vorjahr.

Die Tücken der Billig-Plakate

Abgelaufen ist die Frist heuer am Ostersonntag. Damit dies auch sicher alle mitbekamen, hatte das Steueramt in der ganzen Stadt und in den Trams Plakate aufhängen lassen, die darauf hinwiesen. Die Aufmachung der Plakate wirkte – am hohen Zürcher Standard gemessen – auffallend laienhaft. Tatsächlich wurden sie auch von Amateur-Grafikern aus dem Steueramt entworfen, wie Fässler sagt. Er spricht vom «Charme der tiefen Kosten». Im letzten Jahr ging diese Billig-Strategie allerdings nach hinten los: Das Steueramt verärgerte damals mit dem Slogan «Bis 31. März abgeben und die Olympiade geniessen» und mit verfremdeten Olympia-Medaillen das Internationale Olympische Komitee. Dieses verbot die Plakate, weil sie die olympischen Symbole für geschäftliche Zwecke missbrauchen würden.

Auch dieses Jahr wäre es beinahe zu einem Fauxpas gekommen. Das Plakat, diesmal mit dem Slogan «Bis 31. März abgeben und zünftig das Sechseläuten geniessen», zeigte einen Zünfter, der um den Bögg reitet. In einer ersten Fassung sei er jedoch falsch herum geritten, sagt Fässler, nämlich im Uhrzeigersinn. Zum Glück habe ein eingefleischter Zünfter den Fehler rechtzeitig bemerkt.