Abgetragene Böden sind möglichst vollständig zu verwerten. So schreibt es die Abfallverordnung des Bundes vor. Und das nicht erst seit gestern. Oft scheitert die Umsetzung aber daran, dass ein Investor oder Bauherr keinen Grundeigentümer findet, der ihm den Humus abnehmen will. So landet er am Schluss nicht selten in der Deponie, vermischt mit dem Aushub aus tieferen Erdschichten. Somit ist der Humus für immer verloren. Die Bauern kritisieren das schon lange.

Der Kanton will nun für Besserung sorgen. Er hat seine Pläne gestern den Medien unter dem Titel «Zweites Leben für fruchtbaren Boden» dargelegt. Federführend ist das Amt für Landschaft und Natur (ALN). Dieses hat sich darangemacht, Flächen zu eruieren, die sich für eine Bodenverbesserung mit Humus aus Bauaushüben eignen. Sie sollen möglichst über den ganzen Kanton verteilt liegen, um von überall her kurze Anfahrtswege zu erlauben.

Wie Projektleiterin Cécile Wanner vom ALN ausführte, hat man sich auf Flächen ab einer Grösse von zehn Hektaren konzentriert. Das Ziel lautete: möglichst grosser Nutzen, möglichst wenig Konflikte. Solche können sich zum Beispiel ergeben aus den Bedürfnissen des Boden- und Landschaftsschutzes, der Nähe von Wohnsiedlungen oder bei Hinweisen auf archäologische Spuren.

Kiesabbau und Entwässerung

46 Flächen kamen in die engere Wahl. 15 Flächen wurden schliesslich ausgewählt. Gemein ist ihnen, dass sie bereits stark verändert wurden vom Menschen und dass sie Verbesserungspotenzial aufweisen. Dazu gehören etwa Areale, auf denen Kies abgebaut wurde, aber auch Landwirtschaftsland, das einst durch Entwässerung gewonnen worden ist. ALN-Chef Marco Pezzatti wies darauf hin, dass von den 72'000 Hektaren Agrarfläche im Kanton Zürich 14'000 Hektaren entwässert sind. Viele der verlegten Leitungen seien am Ende ihrer Lebensdauer angekommen und nicht mehr voll funktionstüchtig. Das werde etwa sichtbar, wenn sich nach Regenfällen auf den Äckern Tümpel bildeten.

Entwässerte Böden können mit der Zeit einen bis zwei Meter absacken, erklärte Pezzatti. Sanierung bedeute, dass entweder die Leitungen tiefer im Boden versenkt würden oder dass frischer Boden obendrauf komme. Wenn man zudem für etwas Neigung im Boden sorge, was heute machbar sei, könne man auch für einen natürlichen Abfluss sorgen und komme mit weniger Leitungen aus.

Minimum knapp erreicht

Die vorgeschlagenen 15 Standorte umfassen zusammen 250 Hektaren. Auf ihnen liessen sich maximal 135 Hektaren neue Fruchtfolgeflächen (FFF) schaffen. Unter FFF versteht man das hochwertigste Landwirtschaftsland, das heisst voll ackerfähiges. Der Bund schreibt dem Kanton ein FFF-Minimum von 44'400 Hektaren vor. Dieses wird knapp erreicht.

Projektleiterin Wanner verwies als Beispiel auf den «Rosacher» in Küsnacht als einen der 15 Standorte. Er ist zum grösseren Teil nur eingeschränkt geeignet für Ackerbau und wird vom Kanton Zürich mit der halben Fläche seinem FFF-Soll zugerechnet. So kann er die Bundesvorgabe erfüllen. Mit neuem Humus würde der «Rosacher» vom potenziellen zum vollwertigen Ackerland.

Ob die vorgeschlagenen Standorte in den Richtplan kommen, werden die Regionalplanungsgruppen beziehungsweise die in ihnen zusammen geschlossenen Gemeinden entscheiden. Der Kanton führt im Frühling Informationsveranstaltungen für die betroffenen Verwaltungsstellen und Grundeigentümer durch.

Umsetzungsgesetz light

Die Flächen werden willkommen sein vor allem für Bauten ausserhalb des Siedlungsgebiets. Hier besteht eine Kompensationspflicht. Bauherr ist oft der Kanton, sei es für Radwege oder Strassenverbreiterungen. Eine Kompensationspflicht für FFF auch innerhalb des Siedlungsgebietes wollte das Umsetzungsgesetz zur Kulturlandinitiative vorschreiben. Es wurde Ende 2016 vom Stimmvolk abgelehnt – wie von den bürgerlichen Parteien empfohlen.

Für ein Ja hatte sich der Zürcher Bauernverband (ZBV) eingesetzt. Es freue ihn sehr, sagt ZBV-Geschäftsführer Ferdi Hodel, dass der Kanton mit den dezentralen Standorten einen wichtigen Punkt der damaligen bäuerlichen Forderung weiterverfolge. Der ZBV werde den Dialog mit seinen Mitgliedern und der Gesellschaft suchen, um sie für das Konzept zu gewinnen. Und er hoffe, dass dereinst in den Baubewilligungen die Verwertung von anfallendem Humus in den bezeichneten Standorten vorgeschrieben werde.

Für die Eigentümer von Landwirtschaftsland sollte die Aufwertung keine Kosten verursachen, sagte ALN-Amtschef Pezzatti. Jedoch kann niemand dazu gezwungen werden. Widerstand aus der Bevölkerung ist dort absehbar, wo die Lastwagen mit dem Humus durchfahren. Eine Aufwertung wird in der Regel etappenweise stattfinden und angesichts der Grösse der Flächen ihre Zeit brauchen.