Einer der inzwischen bekanntesten verhafteten Journalisten ist Deniz Yücel, deutsch-türkischer Korrespondent der Tageszeitung «Die Welt». Für ihn macht sich eine unter dem Hashtag #FreeDeniz bekannt gewordene Bewegung statt. Auch in Zürich: «Deniz heisst Meer. Wir wollen das Meer sehen», teilte das Solidaritätskomitee #FreeDeniz Zürich in einer Medienmitteilung mit.

Das Komitee hat deshalb am Samstagnachmittag eine Kundgebung auf dem Zürcher Helvetiaplatz im Kreis vier organisiert. Reporter ohne Grenzen (ROG) Schweiz, die Gewerkschaft Syndicom, die in der Schweiz Journalisten vertritt, und die Grüne Partei der Stadt Zürich haben das Komitee dabei unterstützt. Der Berufsverband Impressum schloss sich den Forderungen an.

An der friedlichen Kundgebung, die gemäss Stadtpolizei Zürich bewilligt war, ging es aber nicht nur um Deniz Yücel, von dem einige Texte verlesen wurden. Mit der Demonstration soll auf das Schicksal aller Journalistinnen und Journalisten, die in der Türkei im Gefängnis sitzen, aufmerksam gemacht werden.

Denn derzeit seien in der Türkei rund 150 Journalistinnen und Journalisten inhaftiert – «so viele wie in keinem anderen Land der Welt», schrieben die Organisatoren der Kundgebung.

Keine Zensur oder Drohungen

«Medienschaffende müssen frei berichten können, ohne Zensur und ohne die Drohung, bei kritischen Aussagen und unerwünschten Recherchen eine Verhaftung befürchten zu müssen», wird Nina Scheu von Syndicom in der Mitteilung zitiert. Die Organisationen fordern daher, dass die Türkei das Menschenrecht auf Informationsfreiheit nicht länger verletze und die Inhaftierten freilasse.

Bettina Büsser von ROG Schweiz ergänzt: «Wer kann der Welt noch erzählen, was in der Türkei passiert, wenn alle kritischen Journalistinnen und Journalisten angeklagt, eingesperrt oder ausgewiesen werden?» Der Korrespondent von der Organisation Reporter ohne Grenzen in der Türkei sei ebenfalls angeklagt und müsse eine Gefängnisstrafe befürchten.

Preis für Deniz Yücel

Dem 43-jährigen Reporter Deniz Yücel wird Terrorpropaganda vorgeworfen, was er zurückweist. Yücel sitzt seit rund sieben Wochen in Istanbul in Untersuchungshaft. Am vergangenen Dienstag konnten ihn erstmals deutsche Diplomaten besuchen.

Am Mittwoch wurde zudem bekannt, dass Yücel einen Journalistenpreis der deutschen Zeitungsverleger bekommt: Die Jury und das Kuratorium für den Theodor-Wolff-Preis hätten einstimmig beschlossen, den Deutsch-Türken mit einem Sonderpreis auszuzeichnen, teilte der deutsche Verlegerverband BDZV mit.

Mit dem Sonderpreis solle im Geist des früheren Schriftstellers und Publizisten Theodor Wolff ein Zeichen für die Pressefreiheit gesetzt werden, die in der Türkei und an vielen anderen Orten der Welt mit Füssen getreten werde. (SDA)