Die Mitteilung des Regierungsrats war überraschend – mehrere Kantonsräte reichten umgehend Vorstösse ein: Vor den Sommerferien hatte der Regierungsrat erklärt, dass sich nun doch nicht alle Dienste im geplanten Polizei- und Justizzentrum PJZ konzentrieren liessen. Der Raumbedarf sei grösser als ursprünglich angenommen. Unter anderem das Polizeikommando müsse trotz des 570-Millionen-Neubaus weiterhin in der alten Polizeikaserne nahe des Stadtzürcher Zentrums verbleiben.

Damit werde der Volkswille missachtet, hielten Markus Bischoff (AL), Esther Guyer (Grüne) und Beat Bloch (CSP) in einer Interpellation fest. Im Abstimmungskampf war versprochen worden, dass das gesamte Kasernenareal frei wird. Die drei forderten nun Konsequenzen: Ob der Regierungsrat bereit sei, die Abstimmung zu wiederholen, fragen sie diesen an.

Für die GLP-Vertreter Cyrill von Planta, Andreas Hauri und Daniel Hodel deutet die Projektänderung so kurz nach der Abstimmung «entweder auf unkoordinierte Planung oder Irreführung der Stimmbürger hin». Sie verlangen aber keine Wiederholung des Urnengangs, sondern dass der Regierungsrat die Vorlage einfach «redlich umsetzt und die Interessen der Stimmbevölkerung wahrnimmt». Dass also der Kanton das gesamte Areal für die Stadt Zürich (und die Bevölkerung) freigibt.

Andere stellten grundsätzliche Fragen: So erkundigten sich etwa Silvia Steiner (CVP) und Thomas Vogel (FDP), ob es wirklich sinnvoll sei, das Kommando an einem anderen Ort als die übrigen Polizeieinheiten unterzubringen. Ja, antwortet nun der Regierungsrat. Im geplanten PJZ würde der Bereich Strafverfolgung konzentriert (und damit unter anderem auch die Leitung der Kriminalpolizei). Das Polizeikommando für die dezentral im gesamten Kanton organisierte Kantonspolizei sei hingegen standortungebunden.

Der Regierungsrat weist auch die generelle Kritik am Festhalten an der alten Polizeikaserne zurück: Er sei sich durchaus bewusst, dass die Stimmberechtigten mit ihrer Zustimmung zum PJZ im Gegenzug die Freigabe des Kasernenareals erwarten würden, hält er in den Antworten fest. Wie angekündigt werde das Kasernenareal mit den Anlagen der Militärkaserne, den Zeughäusern und der Kasernenwiese ja auch frei. Das entspreche «über 90 Prozent der Gesamtfläche».

Einzig «die am Rand gelegene Polizeikaserne wird bis auf weiteres von den Führungsbereichen der Kantonspolizei genutzt». Diese Nutzung mache keine Umzäunung oder andere Hochsicherheitsmassnahmen notwendig und schränke die Verwendung des übrigen Areals auch nicht weiter ein, betont die Regierung. «Aus diesen Gründen ist eine neue Abstimmung weder notwendig noch angebracht.»