Kanton Zürich
Auch Noser kann im Ständerat weitermachen

Bei den Zürcher Ständeratswahlen besiegt Ruedi Noser (FDP) die Grüne Marionna Schlatter deutlich.

Matthias Scharrer
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Nach Daniel Jositsch (SP) hat nun auch Ruedi Noser (FDP, mit Blumen) die Wiederwahl als Zürcher Ständerat geschafft.Bild: Keystone

Nach Daniel Jositsch (SP) hat nun auch Ruedi Noser (FDP, mit Blumen) die Wiederwahl als Zürcher Ständerat geschafft.Bild: Keystone

CH Media

Der bürgerliche Schulterschluss hat funktioniert, die Grüne Welle im Kanton Zürich ist gestoppt: Ruedi Noser (FDP) hat im zweiten Wahlgang seinen Ständeratssitz gegen Marionna Schlatter (Grüne) verteidigt. Er wird damit weiterhin zusammen mit Daniel Jositsch (SP) den Kanton Zürich im Ständerat vertreten. Jositsch schaffte die Wiederwahl bereits im ersten Wahlgang.

Im zweiten Wahlgang kam Noser nun auf 185'276 Stimmen, Schlatter lediglich auf 116'594. Der Freisinnige konnte damit gegenüber dem ersten Wahlgang doppelt soviel zulegen wie die Grüne: Bei Noser betrug der Zuwachs über 40'000 Stimmen, bei Schlatter gut 20'000. Noser sahnte auf dem Land und in der Agglomeration ab. Schlatter hingegen erreichte in den Grossstädten Zürich und Winterthur absolute Mehrheiten.

Der FDP-Ständerat konnte offenbar insbesondere bei der SVP-Wählerschaft zusätzliche Stimmen holen. Die SVP hatte ihren Kandidaten Roger Köppel zurückgezogen und Noser zur Wahl empfohlen. Schlatters Zuwachspotenzial war hingegen deutlich kleiner: Sogar aus der SP, die die Grüne zur Wahl empfahl, sprachen sich Exponenten wie Regierungsrat Mario Fehr für Noser aus. Und die Grünliberalen hatten nach dem Rückzug ihrer Kandidatin Tiana Moser Stimmfreigabe beschlossen.

Schlatter zeigte sich über die teilweise fehlende Unterstützung aus der SP und der GLP enttäuscht. Dennoch sprach sie von einem guten Resultat: «120'000 Leute haben meinen Namen aufgeschrieben, obwohl ich noch nicht einmal Nationalrätin war.» Das ist mehr als Nationalrat Bastien Girod vor vier Jahren als Ständeratskandidat der Grünen erreicht hat. Noser führte seinen klaren Sieg auf seinen Leistungsausweis als bisheriger Ständerat zurück. Zudem zeige das Wahlresultat, dass die Bevölkerung eine breit abgestützte, lösungsorientierte Politik wolle.

Marionna Schlatter (Grüne) wird jetzt Nationalrätin.

Marionna Schlatter (Grüne) wird jetzt Nationalrätin.

Walter Bieri/Keystone

Marionna Schlatter: «Nosers Rolle wird schwierig»

Wie gross ist Ihre Enttäuschung über die verlorene Ständeratswahl?

Marionna Schlatter: Ich bin nun erst einmal froh, dass der Wahlkampf vorbei ist. Es war eine lange, intensive Zeit für mich. Ein bisschen enttäuscht ist man immer nach so einem Wahlgang. Aber ich hatte so viele Erfolge in den letzten Jahren, dass diese Niederlage an einem kleinen Ort ist.

Welche Erwartungen haben Sie an Ständerat Noser?

Ich gratuliere ihm natürlich zur Wahl. Er ja auch gewählt worden, weil er als grüner Freisinniger aufgetreten ist. Aber ehrlich gesagt, möchte ich nicht in seiner Haut stecken. Den Spagat zwischen kein Klimaschutz für die SVP-Wähler und Klimaschutz für alle anderen stelle ich mir schwierig vor. Dasselbe gilt für seine Position bezüglich Rahmenabkommen mit der EU.

Immerhin haben Sie die Wahl in den Nationalrat geschafft. Wie motiviert sind Sie?

Ich freue mich sehr, in der grossen Fraktion, die wir nun sind, politisieren zu können. Wir haben gute Leute mit sehr viel Sachkompetenz. Ich bin sehr motiviert. Schon diese Woche haben wir die ersten Fraktionssitzungen. (tma)

«Die Grünen sind an ihre Grenzen gestossen»

Auch FDP-Kantonalparteipräsident Hans-Jakob Boesch wirkte zufrieden, als er im kantonalen Wahlzentrum Nosers Wiederwahl kommentiert. Das Ergebnis zeige, dass die Bevölkerung genau den Kurs wolle, den Noser verkörpere: «Er ist ein Liberaler, der sich auch für den Umweltschutz einsetzt.»

Im Hinblick auf die Bundesratswahlen rät Boesch zur Zurückhaltung, was den Anspruch der Grünen auf einen Bundesratssitz betrifft: «Die Grünen sind nun in einer Majorzwahl an ihre Grenzen gestossen. Sie konnten die Mehrheit der Bevölkerung nicht hinter sich scharen.»

«Die Bürgerlichen konnten sich wiedervereinigen»

Esther Guyer, Kantonsrats-Fraktionschefin der Grünen, sah die Niederlage der Grünen Ständeratskandidatin und Präsidentin der Kantonalpartei mit einem weinenden und einem lachenden Auge. «Es ist immer schwierig, gegen einen Bisherigen anzutreten», so Guyer. Aber Schlatter habe immerhin bis weit in die Mitte Stimmen geholt, insbesondere bei den Frauen. Entscheidend für Nosers Sieg sei vor allem ein Faktor gewesen: «Die Bürgerlichen konnten sich wiedervereinigen, nachdem Köppel aus dem Rennen ausgestiegen war.»

Auf die Grünen Bundesratsambitionen angesprochen, sagte Guyer: «Unser Anspruch auf einen Bundesratssitz ist ausgewiesen.» Zudem verwies sie darauf, dass die Grünen ihre Anzahl Ständeratssitze bereits im Oktober von eins auf vier vermehrt hatten.

SVP erwartet bürgerliche Politik von Noser

Die SVP des Kantons Zürich nimmt «mit Genugtuung» zur Kenntnis, dass Noser als Ständerat wiedergewählt wurde, wie sie in einer Mitteilung schreibt.

Mit dem Verzicht auf eine eigene Kandidatur und der Unterstützung von Ruedi Noser im zweiten Wahlgang habe die SVP eine doppelte linke Vertretung für den Stand Zürich verhindert. Es sei jetzt zu hoffen, dass Noser eine klare bürgerliche Politik verfolgen werde.

Ruedi Noser will parteiübergreifende Lösungen.

Ruedi Noser will parteiübergreifende Lösungen.

Keystone

Ruedi Noser: «Das bringt das Land vorwärts»

Was für einen Wählerauftrag leiten Sie aus Ihrem parteipolitisch breit abgestützten Wahlsieg ab?

Ruedi Noser: Mir gefällt das Wort «Wählerauftrag» nicht, ich möchte keine SVP-Rhetorik übernehmen. Die Wählerinnen und Wähler wählen eine Persönlichkeit. Ich werde meine Werte und meine Fähigkeiten in die politische Arbeit einbringen und versuchen, Lösungen für den Kanton Zürich und für die Schweiz hinzukriegen. Aber einen Auftrag habe ich nicht von der Bevölkerung.

Ihre Wählerschaft reicht von der SVP bis zur GLP. Dahinter stecken zum Teil sehr gegensätzliche Ansichten.

Im Ständerat erarbeiten wir Lösungen, müssen uns von links bis rechts zusammenraufen. Wir haben das bei der Unternehmenssteuerreform geschafft, ebenso beim CO2-Gesetz. Ich möchte, dass man von der SVP bis zur SP zusammen Lösungen findet, die man mitträgt. Das bringt das Land vorwärts.

In den Grossstädten Zürich und Winterthur gewann Marionna Schlatter, auf dem Land gewannen Sie. Wie erklären Sie sich das?

In den Städten war es knapp, auf dem Land hatte ich deutliche Mehrheiten. Vielleicht hat man in den Städten ideologischer abgestimmt.

Ist Ihr klarer Sieg gegen eine Grüne auch ein Zeichen, dass Ignazio Cassis (FDP) Bundesrat bleiben soll?

Cassis ist der einzige Bundesrat, der neue Wege geht. Wenn man einen wiederwählen muss, dann ist er das.

Also haben die Grünen jetzt keine Chance auf einen Bundesratssitz?

Mit mir gibt es keine Abwahl eines Bundesrats. Der Bundesrat muss unabhängig seine Meinung vertreten. Das funktioniert nicht, wenn man alle vier Jahre mit Abwahl droht. (mts)