Zürcher Pension

Auch nach der Wiedereröffnung: Das «Josephine’s» ist ausschliesslich für Frauen

Die Pension am Stauffacher bietet Übernachtungsmöglichkeiten ausschliesslich für Frauen an. Frisch renoviert wirkt das Haus modern und trendig. Fotos: Melanie Duchene

Die Pension am Stauffacher bietet Übernachtungsmöglichkeiten ausschliesslich für Frauen an. Frisch renoviert wirkt das Haus modern und trendig. Fotos: Melanie Duchene

Das «Josephine’s» knüpft an eine soziale Tradition an, die weit zurückreicht.

Das «Josephine’s» ist kein Hotel, sondern eine Pension. Die Rezeption ist daher eher bescheiden gehalten, dafür gibt es zuoberst einen schönen Gemeinschaftsraum mit Terrasse und Aussicht bis zum Üetliberg. Hier, wo zur Wiedereröffnung des Hauses die gestrige Medienkonferenz stattfand, treffen sich die Bewohnerinnen zum Frühstück – sofern sie dies wünschen. Sie können sich in dem neuen, durch Aufstockung entstandenen Raum auch das Mittag- oder Abendessen zubereiten. Es steht ein grosser Herd zur Verfügung. Für Esswaren gibt es abschliessbare Fächer in den Kästen und in drei Kühlschränken. Im Keller stehen Waschmaschinen für den Gebrauch bereit.

Das Angebot im renovierten Haus an der Lutherstrasse 20 ist an sich das Gleiche wie vorher. Nur, dass es jetzt in jedem Zimmer eine Nasszelle hat und sechs Monate die maximale Aufenthaltsdauer darstellen. Vor dem Umbau gab es auch Dauergäste, sie haben die Atmosphäre im Haus stark geprägt, wie es gestern hiess. 4,5 Millionen Franken wurden nun innert zwölf Monaten verbaut. Entstanden sind 38 Zimmer in modernem, aber zurückhaltendem Design, ausgeführt durch W3Architekten.

Je länger, je günstiger

Die operative Leitung liegt neu bei der Frauenhotel AG. Mitgründerin und Verwaltungsratspräsidentin Irène Meier nannte als mögliche Gründe für einen längeren Aufenthalt im «Josephine’s» ein Austauschsemester an der Universität oder einen Stellenwechsel, ohne dass bereits eine Wohnung gefunden wäre. Es kann aber auch nur für eine Nacht eingecheckt werden. Das kostet dann 75 Franken. Bei einem Aufenthalt ab 30 Tagen sind es noch 46 Franken. Die Zimmerpreise sind mit der Renovation rund ein Drittel gestiegen.

Das Gebäude gehört weiterhin der Stiftung Compagna, die in der Nachfolge der 1886 gegründeten Vereinigung Freundinnen Junger Mädchen steht. «Die älteste Frauenorganisation der Schweiz war ein Zweig der sogenannten Sittlichkeitsbewegung», erklärte Jeanne Pestalozzi, Präsidentin Compagna Zürich und Verwaltungsrätin in der Frauenhotel AG. Die damals einsetzende Arbeitsmigration junger Frauen vor allem aus der Innerschweiz hatte das soziale Engagement ausgelöst. Es gab Missbrauch und Ausbeutung. Mit Beratung, Bildung und Unterkunft für die jungen Frauen hielt man dagegen.

«Frauen arbeiten heute selber»

Dass Compagna das Haus nun nicht mehr selbst führt, liegt auch daran, dass sich mit der heutigen Rollenverteilung weniger Frauen ehrenamtlich engagieren können, wie Pestalozzi ausführte. «Die Frauen arbeiten heute selber.» Zum andern hält sich das Risiko in Grenzen, das mit der Übergabe an die Frauenhotel AG eingegangen wird. Die gemeinnützige AG (die Gewinne werden zu hundert Prozent reinvestiert) führt bereits zwei frühere Compagna-Institutionen: seit 2001 das Hotel «Lady’s first» im Seefeld und seit 2010 das Hotel «Marta» am Central. Beides sind Integrationsbetriebe. Sie beschäftigen Frauen mit einer Beeinträchtigung. Als Gäste sind dort aber Frauen und Männer willkommen.

Heute finden sich junge Frauen aus der Innerschweiz in der Regel gut alleine zurecht in Zürich. Der ursprüngliche Daseinszweck des Hauses an der Lutherstrasse 20 hat über die Jahre nach und nach an Bedeutung verloren. Bis zuletzt wurden aber stets einige Zimmer für Frauen in Notsituationen bereitgestellt. Und das soll auch im «Josephine’s» so bleiben. Notfälle mussten früher öfters abgelehnt werden, weil alle Zimmer vergeben waren, wie Verena Kern Nyberg erklärte. Sie ist die Direktorin der Frauenhotel AG. Man wolle künftig solche Zimmer bis zuletzt freihalten, sagte sie. Die Zuweisung erfolgt durch die sozialen Dienste der Stadt Zürich.

Namensgeberin für die gestern am Weltfrauentag wiedereröffnete Pension ist die britische Frauenrechtlerin Josephine Butler (1828–1906).

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